Interview

Jung und politisch: Hanna Steinmüller im Interview

16 Jahre – so lang ist Bundeskanzlerin Angela Merkel schon im Amt. Eine ziemlich lange Zeit, wenn man bedenkt, dass Menschen, die 2005 kurz vor ihrem Amtsantritt geboren wurden, dieses Jahr bei der Bundestagswahl zum ersten Mal ihre Stimme abgeben können. Frischer Wind weht aber nicht nur seitens der jungen Wähler*innen, sondern auch beim Parteinachwuchs in Deutschland. In dieser Beitragsreihe möchten wir herausfinden, warum junge Politiker*innen parteipolitisch aktiv sind, wo sie Veränderungsbedarf sehen und welche Ziele sie verfolgen. Den Anfang macht die Bündnis-90/Die-Grünen-Politikerin Hanna Steinmüller (27), die im Superwahljahr 2021 für den Bundestag kandidiert.
Knut Löbe und Nina Sabo, funky-Jugendreporter*

Steckbrief

NameHanna Steinmüller
Alter27
ParteiBündnis 90/Die Grünen
Aktuell:Im Bundestagswahlkreis Berlin-Mitte Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2021
Und sonst?Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Berlin-Mitte und dort Sprecherin für Klima- und Umweltpolitik, Mitglied im Landesvorstand der Grünen in Berlin
Nenne drei Begriffe, die du mit deiner Partei assoziierst:
Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Feminismus.
Beschreibe in einem Satz, was deine Partei für dich bedeutet:
Bündnis 90/Die Grünen bedeutet für mich, gemeinsam für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, oder gleichermaßen zu kämpfen, weil das eine ohne das andere nicht geht.
Ergänze die Satzlücke: Ich möchte mit meiner Parteiarbeit …
… entschieden gegen Kinderarmut vorgehen und mich für lebenswerte Städte stark machen.
Beende den Satz: Mit meiner Parteiarbeit verfolge ich das Ziel, dass …
… ich andere Menschen motiviere, sich einzubringen und wir gemeinsam entscheiden, in welcher Zukunft wir leben wollen.

Nina: Wo lagen deine Beweggründe, in die Politik zu gehen? Und warum die Grünen?     
Ich komme aus einer sehr umweltbewussten Familie. Ich glaube, meine Oma, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hat, hat mich sehr geprägt. Sie ist sehr sparsam und hat einen großen Garten, den sie bis heute selbstständig bewirtschaftet, obwohl sie bald 90 wird. Die Achtsamkeit für die Natur hat mich als Kind sehr beeinflusst. Dazu gehört für mich auch die Wertschätzung von Lebensmitteln, weil die durchgängige Verfügbarkeit von Lebensmitteln für Menschen auf anderen Teilen der Welt nicht selbstverständlich ist. In der Schulzeit habe ich mich daher schon früh entschieden „Ökosachen“ zu machen. Ich habe zum Beispiel konsumkritische Stadtrundgänge angeboten, eine riesengroße Anti-Primark-Aktion mit auf die Beine gestellt und ein Projekt verfolgt, bei dem es darum ging, aus überschüssigem Obst Marmelade zu kochen, damit diese nicht verkommt. Aus dieser Richtung komme ich und Aktivismus bereitet mir auch nach wie vor große Freude. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass man da schnell auf Grenzen stößt. Als Aktivist*in kann man immer nur fordern, aber nicht mitentscheiden, weil Entscheidungen in Parlamenten getroffen werden. Deswegen habe ich entschieden, dass ich parteipolitisch aktiv werden will. 

„Ökologie und soziale Gerechtigkeit werden zusammen gedacht.“

Der zweite Beweggrund war mein Freiwilligendienst in Berlin-Marzahn, bei dem ich mit jungen Erwachsenen im Hartz-IV-Bezug gearbeitet habe. Dort habe ich gemerkt, was Politik verändern kann, wenn man zum Beispiel eine Kindergrundsicherung hat oder nicht. Viele coole Einrichtungen, die soziale Hilfe leisten, haben nur eine Projektfinanzierung und das bringt eine große Unsicherheit für die Träger und durch den häufigen Personalwechsel für die Jugendlichen mit sich. In der Arbeit mit jungen Menschen, die so viele Schwierigkeiten hatten, braucht es aber Stabilität und feste Bezugspersonen. Da ist die Projektfinanzierung einfach nicht geeignet. Das alles kann Politik verändern. Ich bin zu den Grünen gekommen, weil ich das Gefühl hatte, dort wird Ökologie und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht. Auch der Kampf für eine offene Gesellschaft ist ein Beweggrund für mich. Ich bin eine weiße Cis-Frau und habe relativ wenig Diskriminierung erfahren. Hier gilt es, meine Privilegien zu prüfen und zu überlegen: In welcher Position bin ich? Wo können wir diskriminierende Strukturen einreißen? Die Grünen denken das bereits mit. Außerdem sind sie eine feministische Partei, was mir sehr wichtig ist.

„Als Frau und junge Person habe ich das Gefühl, dass ich bei den Grünen gefördert werde.“

Nina: Welchen Herausforderungen begegnen junge Menschen in der Politik?
Ich würde zwischen der Arbeit bei den Grünen und der Parlamentsarbeit differenzieren, ich sitze ja auch im Kommunalparlament. Bei den Grünen gibt es manchmal spitze Kommentare, aber es ist trotzdem ein vergleichsweise positives Umfeld. Als Frau und junge Person habe ich das Gefühl, dass es eher den Willen gibt, Menschen wie mich zu fördern. Auch wenn mittelalte Männer sich manchmal auf den Schlips getreten fühlen und mir geraten wurde, erst mal im Landtag Erfahrungen zu sammeln. Nach dem Motto: Man darf nicht gleich in hohe Ämter, sondern muss zuerst ein bisschen Kärrnerarbeit leisten. Trotzdem habe ich sehr viele coole Vorbilder innerhalb meiner Partei. Frauen wie Katharina Schulze, Ricarda Lang oder Aminata Touré – da gibt es einfach viele junge Frauen, die kluge Sachen machen und sagen, bei denen ich denke: Wow, so wäre ich auch gerne irgendwann.

Nina: Was sind die Vorteile, wenn man als junger Mensch in die Politik geht?
Ich bin näher an anderen Bewegungen dran. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich zum Beispiel Teil von „Fridays for Future“ bin. Trotzdem gehe ich zu den globalen Klimastreiks, weil ich es richtig finde. In meinen Augen ist es als politische Person meine Aufgabe, in Parlamenten für Veränderung zu kämpfen und die Aufgabe von „Fridays for Future“ ist es, auf der Straße für Druck zu sorgen, damit wir das in den Parlamenten besser hinkriegen. Bei meiner Arbeit hilft es mir sehr, dass ich die Sichtweise der jungen Menschen nachvollziehen kann. Ich kenne das „Our house is on fire“-Gefühl und frage mich selbst oft: „Will ich in dieser Welt noch Kinder kriegen?“ Als Person, die hoffentlich noch mindestens 50 Jahre auf dieser Erde lebt, habe ich eine andere Perspektive als jemand, der denkt: „In 20 Jahren ist sowieso alles vorbei, nach mir die Sintflut!“

„Es geht um die Emanzipation von Strukturen, die alte Cis-Männer automatisch an die obere Stelle der Hierarchie setzen.“

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Knut: Wofür hast du am Weltfrauentag demonstriert oder gekämpft? Wo siehst du Veränderungsbedarf?
Auf Instagram habe ich gepostet, dass es mehr Frauen in Parlamenten braucht. Mir ist es vor allen Dingen ein Anliegen, dass man intersektional denkt. Korrekter wäre es, vom feministischen Kampftag zu sprechen, um auch Transpersonen und andere Menschen einzuschließen, die unter dem Patriachat leiden. Für mich geht es darum, die Strukturen zu verändern, sodass alle Menschen die gleichen Chancen haben und wir alle besser leben. Das ist das höhere Ziel vom feministischen Kampftag: die Emanzipation von den Strukturen, die alte Cis-Männer automatisch an die oberste Stelle der Hierarchie setzen. Meine Parteikollegin Sarah Lee Heinrich hat es gut zusammengefasst: Am feministischen Kampftag sollten wir mehr für die Rechte der migrantisch gelesenen* Reinigungskraft kämpfen als für weiße Frauen in Aufsichtsräten, die vom kapitalistischen System profitieren und selbst Frauen ausbeuten.

Knut: Was hältst du von der Frauenquote?
Ich finde die Frauenquote gut und glaube, wir als Partei profitieren enorm davon. Auch andere Lebensbereiche würden davon profitieren, trotzdem kann die Frauenquote nicht das Einzige sein, was unternommen wird. Eine emanzipierte Welt ist nicht erreicht, wenn wir in Aufsichtsräten eine Frauenquote erfüllen. Es braucht einen grundsätzlichen Kulturwandel. Am Ende des Tages beinhaltet das auch einen Wandel weg von der 40-Stunden-Woche hin zu Lebensmodellen, die es allen Menschen ermöglichen, gleichberechtigt Care-Arbeit** zu übernehmen.

Nina: Wie stehst du zum Thema Gendern in der Sprache? Versuchst du darauf zu achten, alle Geschlechter miteinzubeziehen?
In der Schriftsprache gendere ich fast immer, besonders bei offiziellen Publikationen. Mündlich versuche ich es. Ich glaube aber, da könnten wir noch konsequenter sein, indem wir beispielsweise „mensch“ statt „man“ sagen. Gleichzeitig denke ich, dass es hier um Anschlussfähigkeit geht. Bei sehr konsequentem Gendern besteht die Gefahr, dass man nicht mehr ernst genommen oder als nischig wahrgenommen wird. Mein Ziel ist, mit den Grünen mehr als eine Nischenpartei zu sein sondern mit großem parlamentarischem Rückhalt gegen Diskriminierungen zu kämpfen.

„Wenn 75 Prozent der Akademiker*innen-Kinder studieren, aber nur 20 Prozent der Arbeiter*innen-Kinder, kann das nicht nur Zufall sein!“

Knut: Wie kann Politik deiner Meinung nach für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen und welche Rolle spielt die Kindergrundsicherung dabei?
Die Idee der Kindergrundsicherung ist, dass man verschiedene Leistungen zusammenfasst. Bislang gibt es das Kindergeld oder – wenn man relativ viel Geld verdient – einen Kinderfreibetrag bei der Besteuerung. Kinder in Familien im Hartz-IV-Bezug können außerdem Zuschüsse für den Sportverein, den Musikunterricht und Klassenfahrten bekommen, das ist aber relativ aufwendig in der Beantragung. Mit der Kindergrundsicherung möchten wir diese Leistungen mit einem Garantie-Betrag von 290 Euro zusammenfassen, der allen Kindern zusteht. Wenn die Eltern ein niedriges Einkommen haben oder auf Sozialleistungen angewiesen sind, kann die Förderung auf bis zu 547 Euro je Kind aufgestockt werden. Ich glaube, das ist sehr sinnvoll, weil der Hartz-IV-Satz für eine gute Versorgung der Kinder vorne und hinten nicht reicht. Das haben wir in der Pandemie nochmal sehr klar gemerkt: Kinder in Familien, die kein digitales Endgerät und kein WLAN haben, sind am meisten zurückgeblieben. Viele haben keine Computer und keine eigenen Räume, weshalb gutes Homeschooling überhaupt nicht stattfinden konnte. Auch wenn jetzt Tablets vom Bundesministerium für Bildung und Forschung kommen sollen – was ein Jahr nach Beginn der Pandemie reichlich spät ist –, sieht der gesamte Hartz IV-Satz viel zu wenig Geld für Telefon und Internet vor. Das funktioniert so nicht. Wenn 75 Prozent der Kinder von Akademiker*innen studieren, aber nur 20 Prozent der Kinder von Arbeiter*innen, kann das nicht nur Zufall sein!

„Auch in der Landwirtschaft braucht es eine krasse Wende.“

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Knut: In den letzten Jahren gehen immer mehr junge Menschen für das Klima demonstrieren. Wo positionierst du dich in dieser Debatte und welche Maßnahmen braucht es, um die Klimakrise in den Griff zu kriegen?
Wir brauchen ein breites Maßnahmenbündel. Ein Thema dabei ist die Verkehrswende. Wir müssen die Schienen stärken, Radwege ausbauen und am Ende des Tages weniger Autos in den Städten haben. Wir brauchen eine Bauwende, in der wir andere Baustoffe verwenden – also mehr Holz, mehr Recyclingstoffe und weniger Beton. Es muss darum gehen, Bausubstanz zu erhalten, statt immer alles wegzureißen und neu zu bauen. Auch in der Landwirtschaft braucht es eine krasse Wende: weg von der Massentierhaltung, weg von großen, mit Pestiziden bewirtschafteten Flächen hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft. In Großstädten ist am Ende auch eine Wärmewende wichtig. Gebäude sollten verstärkt saniert werden und wir müssen aus der fossilen Wärme raus. In Städten braucht es ein Schwammstadtkonzept mit anderen Böden, damit Wasser versickern kann. Wir haben bereits jetzt das Problem, dass Bäume in der Stadt einfach vertrocknen. Wir müssen städtebauliche Veränderungen vornehmen, sodass die Bäume besser an Wasser kommen und wir nicht mehr manuell gießen müssen. Das sind wichtige Bausteine! Das braucht zum einen Geld und zum anderen rechtliche Veränderungen, damit es attraktiv wird, ökologisch zu bauen.

„Eines unserer Ziele und Forderungen sind legale Fluchtrouten.“

Nina: Auf Instagram hattest du einen Live-Talk zum Thema Flüchtlingspolitik mit einer Ärztin, die in einem Geflüchteten-Camp in Griechenland gearbeitet hat. Wie bewertest du die Flüchtlingspolitik der aktuellen Bundesregierung?
Ich glaube, die aktuelle Bundesregierung versagt, das kann man so ganz offen sagen. Es gibt Städte und Bundesländer, die bereit wären, Geflüchtete aufzunehmen. In Berlin beispielsweise ist das eine Forderung, die Horst Seehofer einfach blockiert. Das kann er nämlich als Innenminister. Jetzt gibt es einen Rechtsstreit: Das Land Berlin verklagt Horst Seehofer, weil sie Geflüchtete aufnehmen wollen. Ich finde, das ist super peinlich. Warum zur Hölle sich das Bundesland und der Bundesminister verklagen, wenn man auch einfach Geflüchtete aufnehmen könnte? Die Situation in den Lagern an den Außengrenzen ist menschenunwürdig. Menschen leben in Sommerzelten, die gar nicht für den Winter konzipiert wurden, und auf verschlammtem Boden. Wir müssten noch deutlich weiter denken. Auf diese Situationen hat die EU noch einen direkten Einfluss. Eigentlich müssten wir aber auch über globale Ausbeutungsbeziehungen sprechen, die die Situation vor Ort so schlecht machen, dass Menschen sich auf die Flucht begeben. Eines unserer Ziele und Forderungen sind legale Fluchtrouten. Es kann nicht sein, dass Menschen sich in Lebensgefahr begeben und über das Mittelmeer reisen, weil es keine legalen Einreisemöglichkeiten mehr gibt. Wir brauchen faire, qualifizierte und effiziente Verfahren. Den Rechtsrahmen, nach dem bestimmte Menschen ein Recht auf Asyl haben und andere nicht, akzeptiere ich so weit. Trotzdem finde ich, es sollte Schnellverfahren und eine Einzelfallprüfung geben, sodass man niemanden pauschal abweist. Dazu braucht man qualifiziertes Personal. Da müssen einfach der Mensch und auch das Menschenrecht auf Asyl im Mittelpunkt stehen! Das würde ich mir persönlich wünschen.

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„Am Anfang kann das noch lustig sein, aber wenn ständig Hassnachrichten kommen, ändert sich das.“

Nina: Du hast Hasskommentare erwähnt und den Widerstand, den du und deine Partei erfahren. Möchtest du da ein paar Worte zu sagen?
Ich glaube, ich persönlich bin noch relativ privilegiert. Ich kriege Hass zum Beispiel nicht täglich ab, sondern eher ab und zu. Bei den ersten Malen, wo sich Menschen wirklich Zeit genommen haben, um zu formulieren, warum ich dumm sei und eine Lücke im Lebenslauf hätte, war ich fast ein bisschen beeindruckt. Ich dachte: Wow, da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben. Am Anfang kann das noch lustig sein, aber wenn ständig Hassnachrichten kommen, ändert sich das. Ich habe letztens einen Instagram-Live-Talk mit einer anderen Grünen-Kommunalpolitikerin gemacht, die Woman of Color ist und viel mehr Hatespeech abbekommt. Als Frau und Mensch mit Migrationsgeschichte ist sie mehrfach von Diskriminierungen betroffen und es gibt viel häufiger Aufrufe zu Gewalt gegen sie. Das darf nicht sein!

Nina: Am 19. Februar hat sich der Anschlag in Hanau gejährt. Welche politischen Maßnahmen müssen konkret ergriffen werden, damit so etwas nie wieder passiert?
Ich fürchte, ganz verhindern werden wir solche grausamen Taten wie in Hanau nie. Aber wir sollten als Gesellschaft alles daran setzen, es zu versuchen. Ein wichtiger Punkt ist ein Bundesantidiskriminierungsgesetz, um ein größeres Bewusstsein zu schaffen. Ein zweiter Punkt ist ein Vorschlag von den Grünen, den ich ziemlich spannend finde: ein Ministerium für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen, wo man Antidiskriminierung, Frauen, Einwanderung, Migration und Flucht, Queer- und Behindertenpolitik, Familie und Senioren sowie Demokratieförderung bündelt und zusammen denkt. Da sind wir wieder bei der Frage von Förderung: Das kostet einfach Geld, aber das sollte es uns wert sein. Außerdem brauchen wir andere Strukturen und es besteht Schulungsbedarf in den Sicherheitsbehörden. Hier in Berlin gibt es beispielsweise den rechten Terror in Neukölln, wo es über Jahre keine Ermittlungsergebnisse gab. Und auch in Hanau haben Angehörige krasse Ermittlungsfehler und rassistisches Verhalten seitens der Polizei aufgedeckt. Für die Opfer ist das ein Schlag ins Gesicht. Es braucht mehr Aufklärung, aber das kann noch nicht alles sein.


*Anm. d. Red.: Die Wendung „migrantisch gelesen“ bedeutet hier, dass Personen aufgrund ihres Erscheinungsbilds gesellschaftliche Zuschreibungen und Diskriminierung erfahren. Dadurch kommt den Betroffenen keine Chancengleichheit zuteil, sondern strukturelle Benachteiligung, zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt.

**Anm. d. Red. zit. nach bpb: „Care-Arbeit beschreibt die Tätigkeiten des Sorgens und Sich-Kümmerns. Darunter fällt Kinderbetreuung oder Altenpflege, aber auch familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunden. Bislang wurden diese Arbeiten überwiegend von Frauen geleistet, oft als unbezahlte Hausarbeit.“

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.