Paul Willbrandt, funky-Jugendreporter
Erst „Sendung mit der Maus“ und später dann „Woozle Goozle“ – bevor Kurzvideos das Internet übernommen haben, gehörten Wissenssendungen wie diese in die meisten Familienwohnzimmer. Wer, so wie ich, eine Fernsehkindheit hatte, hat sich wahrscheinlich auch von „Willi will’s wissen“ und „Checker Tobi“ die Welt erklären lassen. Wer nicht an Wissenssendungen interessiert war, konnte durch die wenigen Kindersender zappen oder den Fernseher ausschalten.
Mit Streaminganbietern und Social-Media-Plattformen stehen einem heutzutage alle Türen offen, sämtliches Wissen ist frei zugänglich. Man muss sich nicht einmal mehr selbst auf die Suche begeben, denn der Algorithmus kennt dich wie dein bester Freund und hat schon die besten Videos gefunden, die dir garantiert gefallen werden.
Dadurch konkurrieren Bildung und Unterhaltung nicht nur, wenn sie dieselbe Sendezeit haben, sondern dauerhaft. Vor allem auf Social Media haben es Bildungsformate deshalb schwer. Die Folge: Häufig versuchen die Formate sich einen größeren Unterhaltungswert zuzulegen, wodurch sich die Grenze zwischen Bildung und Unterhaltung verschiebt.
Vor vier Jahren veröffentlichte die Washington Post einen Beitrag der Psychologieprofessorin Jean M. Twenge und des Sozialpsychologen Jonathan Haidt mit dem Titel: „Social media is riskier for kids than ’screen time’“. Soll heißen: Es ist weniger wichtig, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche am Bildschirm verbringen. Wichtiger ist, was sie in dieser Zeit am Bildschirm machen. 20 Minuten Kinderfernsehen sind meist sehr viel ungefährlicher, als wenn Kinder dieselbe Zeit auf Social Media verbringen.
Ich finde, man muss jedoch differenzieren. Meinen Eltern war es damals auch lieber, wenn ich Wissenssendungen wie „Die Sendung mit der Maus“ statt „Spongebob“ geschaut habe. Auch Social Media liefert eine riesige Auswahl an Bildungsformaten, die „gute Bildschirmzeit“ sein können. Und Jugendliche nutzen diese auch.
Allgemein sind Jugendliche nämlich durchaus an Bildungsformaten interessiert und lernen gerne mit den sozialen Medien. Eine Studie des Rats für kulturelle Bildung aus dem Jahr 2019 ergab, dass YouTube mehr als stumpfe Unterhaltung sein kann: 86 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzt die Plattform, fast die Hälfte verwendet sie auch für das schulische Lernen.
Problematisch wird es erst durch die Algorithmen, denn sie machen die sozialen Medien zu einem riesigen Aufmerksamkeitswettbewerb. Influencer können sich selbst zum Bildungsformat erklären, denn in einer Aufmerksamkeitsökonomie verschaffen Aufrufzahlen den Eindruck von Autorität. Wer also Social Media versteht, bearbeitet einfach ein paar Bilder von sich und wird damit zum Fitness-Experten, Doktor und Biologen.
Dieser Mechanismus macht es echten Bildungsformaten schwer, mitzuhalten. Recherche und ein sich sorgfältig prüfender redaktioneller Prozess brauchen Zeit. Dauerhaftes Posten, um den Algorithmus anzukurbeln, fällt also schon mal weg. Zusätzlich sind manche Themen auch zu komplex, um sie in einer Minute zusammenzufassen, oder zu ernst, um sie in eine „Catchy Hook“ umzuwandeln.
Die Folge: Hochwertige Bildungsformate gehen auf Social Media in Teilen unter – oder stellen sich so stark auf Algorithmen ein, dass aus ihnen fast schon Unterhaltungsformate werden. Zeitgleich wird es dadurch für Junge Menschen schwerer, bildende Inhalte von reiner Unterhaltung zu unterscheiden.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass Bildungsformate an gewissen Standards festhalten. Wer sich um jeden Preis den sozialen Medien und den jungen Menschen anpasst, sodass dabei Inhalte und Standards verloren gehen, der ist nicht ernsthaft daran interessiert, bildende Inhalte zu verbreiten.
Social Media hat vieles geändert, aber nicht, dass junge Menschen lernen wollen. Wir möchten uns weiterbilden. Daher darf sich der Anspruch an Bildungsformate nicht zu stark verändern. Bei der Frage, wie man Kinder und Jugendliche erreicht, darf nicht verloren gehen, was sie dann erreicht. Der Unterhaltungsaspekt sollte begleiten und nicht bestimmen. Denn genug junge Menschen sind tatsächlich vorrangig an den Themen und nicht am Drumherum interessiert.
Du willst mehr? Du bekommst mehr!
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Erst „Sendung mit der Maus“ und später dann „Woozle Goozle“ – bevor Kurzvideos das Internet übernommen haben, gehörten Wissenssendungen wie diese in die meisten Familienwohnzimmer. Wer, so wie ich, eine Fernsehkindheit hatte, hat sich wahrscheinlich auch von „Willi will’s wissen“ und „Checker Tobi“ die Welt erklären lassen. Wer nicht an Wissenssendungen interessiert war, konnte durch die wenigen Kindersender zappen oder den Fernseher ausschalten.
Mit Streaminganbietern und Social-Media-Plattformen stehen einem heutzutage alle Türen offen, sämtliches Wissen ist frei zugänglich. Man muss sich nicht einmal mehr selbst auf die Suche begeben, denn der Algorithmus kennt dich wie dein bester Freund und hat schon die besten Videos gefunden, die dir garantiert gefallen werden.
Dadurch konkurrieren Bildung und Unterhaltung nicht nur, wenn sie dieselbe Sendezeit haben, sondern dauerhaft. Vor allem auf Social Media haben es Bildungsformate deshalb schwer. Die Folge: Häufig versuchen die Formate sich einen größeren Unterhaltungswert zuzulegen, wodurch sich die Grenze zwischen Bildung und Unterhaltung verschiebt.
Vor vier Jahren veröffentlichte die Washington Post einen Beitrag der Psychologieprofessorin Jean M. Twenge und des Sozialpsychologen Jonathan Haidt mit dem Titel: „Social media is riskier for kids than ’screen time’“. Soll heißen: Es ist weniger wichtig, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche am Bildschirm verbringen. Wichtiger ist, was sie in dieser Zeit am Bildschirm machen. 20 Minuten Kinderfernsehen sind meist sehr viel ungefährlicher, als wenn Kinder dieselbe Zeit auf Social Media verbringen.
Ich finde, man muss jedoch differenzieren. Meinen Eltern war es damals auch lieber, wenn ich Wissenssendungen wie „Die Sendung mit der Maus“ statt „Spongebob“ geschaut habe. Auch Social Media liefert eine riesige Auswahl an Bildungsformaten, die „gute Bildschirmzeit“ sein können. Und Jugendliche nutzen diese auch.
Allgemein sind Jugendliche nämlich durchaus an Bildungsformaten interessiert und lernen gerne mit den sozialen Medien. Eine Studie des Rats für kulturelle Bildung aus dem Jahr 2019 ergab, dass YouTube mehr als stumpfe Unterhaltung sein kann: 86 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzt die Plattform, fast die Hälfte verwendet sie auch für das schulische Lernen.
Problematisch wird es erst durch die Algorithmen, denn sie machen die sozialen Medien zu einem riesigen Aufmerksamkeitswettbewerb. Influencer können sich selbst zum Bildungsformat erklären, denn in einer Aufmerksamkeitsökonomie verschaffen Aufrufzahlen den Eindruck von Autorität. Wer also Social Media versteht, bearbeitet einfach ein paar Bilder von sich und wird damit zum Fitness-Experten, Doktor und Biologen.
Dieser Mechanismus macht es echten Bildungsformaten schwer, mitzuhalten. Recherche und ein sich sorgfältig prüfender redaktioneller Prozess brauchen Zeit. Dauerhaftes Posten, um den Algorithmus anzukurbeln, fällt also schon mal weg. Zusätzlich sind manche Themen auch zu komplex, um sie in einer Minute zusammenzufassen, oder zu ernst, um sie in eine „Catchy Hook“ umzuwandeln.
Die Folge: Hochwertige Bildungsformate gehen auf Social Media in Teilen unter – oder stellen sich so stark auf Algorithmen ein, dass aus ihnen fast schon Unterhaltungsformate werden. Zeitgleich wird es dadurch für Junge Menschen schwerer, bildende Inhalte von reiner Unterhaltung zu unterscheiden.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass Bildungsformate an gewissen Standards festhalten. Wer sich um jeden Preis den sozialen Medien und den jungen Menschen anpasst, sodass dabei Inhalte und Standards verloren gehen, der ist nicht ernsthaft daran interessiert, bildende Inhalte zu verbreiten.
Social Media hat vieles geändert, aber nicht, dass junge Menschen lernen wollen. Wir möchten uns weiterbilden. Daher darf sich der Anspruch an Bildungsformate nicht zu stark verändern. Bei der Frage, wie man Kinder und Jugendliche erreicht, darf nicht verloren gehen, was sie dann erreicht. Der Unterhaltungsaspekt sollte begleiten und nicht bestimmen. Denn genug junge Menschen sind tatsächlich vorrangig an den Themen und nicht am Drumherum interessiert.
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