Eine Woche lang ehrlich sein, keinen Plastikmüll produzieren oder auf Instagram verzichten? In dieser Rubrik versucht sich die Jugendredaktion an spannenden Selbstexperimenten.
Sich mit anderen zu vergleichen ist etwas grundsätzlich Menschliches. Doch besonders soziale Medien verstärken dieses Verhalten und können dazu führen, dass es ungesunde Ausmaße annimmt. Online begegnen uns ständig Menschen, die scheinbar erfolgreicher, sportlicher oder einfach zufriedener sind als wir selbst. Auch im Alltag entstehen häufig Vergleiche mit Freund:innen, Kolleg:innen oder fremden Personen. Problematisch wird es, wenn die Vergleiche starken Druck erzeugen oder das Selbstbild verschlechtern. Um herauszufinden, wie sehr mich persönlich solche Gedanken beeinflussen, habe ich eine Woche lang getrackt, wann ich mich mit anderen Menschen vergleiche.
Schon am ersten Tag fiel mir auf, wie häufig sich meine Gedanken um den vermeintlich „altersangemessenen Fortschritt“ im Leben drehen. Besonders in Gesprächen mit anderen Personen meines Alters vergleiche ich schnell unsere jeweiligen Lebenssituationen. Wenn ehemalige Klassenkamerad:innen erzählen, dass sie bereits seit Jahren fest im Berufsleben stehen, mitten in der Promotion stecken und scheinbar genau wissen, wie ihre Zukunft aussehen soll, frage ich mich automatisch, ob ich selbst nicht eigentlich schon viel weiter sein müsste. Auf Plattformen wie LinkedIn begegnen mir zusätzlich oft Lebensläufe, die perfekt geplant und geradlinig wirken.
Vergleiche entstehen bei mir außerdem oft rund um sportliche Leistung. Besonders in Bezug auf mein Hobby Trailrunning habe ich bemerkt, wie schnell sich meine Wahrnehmung durch soziale Medien verändert. Nach Läufen bin ich häufig zunächst zufrieden mit meinem Fortschritt – bis ich auf Strava oder TikTok Beiträge von anderen Läufer:innen sehe, die beispielsweise deutlich schneller sind, längere Strecken laufen oder scheinbar viel disziplinierter trainieren als ich. Teilweise stellt sich dann sofort das Gefühl ein, sich selbst zu wenig anzustrengen oder nicht schnell genug besser zu werden.
Zudem musste ich an meine Erfahrungen aus dem Ballett denken, wo Disziplin und das Streben nach Perfektion eine besonders große Rolle spielen. Zwischen uns Schülerinnen wurde sehr genau beobachtet, wer bei Aufführungen eine der Hauptrollen erhält, wer im Training besonders gelobt oder kritisiert wurde und wer in eine fortgeschrittenere Gruppe aufsteigen durfte. Obwohl wir meist freundlich miteinander umgingen, verglichen wir uns unterschwellig pausenlos untereinander: Wer ist beweglicher? Wer beherrscht die Übungen technisch sauberer? Wer macht eine bessere Figur? Kritische Kommentare der überaus strengen Ballettlehrerin, die auch das Aussehen betrafen, taten ihr Übriges. Durch diesen Konkurrenzdruck, der selten offen ausgesprochen wurde, war ständig das Gefühl präsent, immer besser werden zu müssen und stets sein Bestes zu geben, um mithalten zu können.
Auch frage ich mich bisweilen, ob ich etwas verpasst habe, weil ich nach dem Abitur keine Weltreise gemacht habe, nicht mehrere Monate in Australien war und noch nie einen Club von innen gesehen habe. Obwohl diese Dinge eigentlich gar nicht meinen Interessen entsprechen und ich kein Verlangen danach spüre, sie nachzuholen, entsteht im Vergleich mit anderen Menschen manchmal der Eindruck, bestimmte Erfahrungen unbedingt gemacht haben zu müssen.
Zum Ende meines Selbstversuchs ziehe ich das Fazit, dass viele meiner Vergleiche weder besonders fair noch sinnvoll sind. Ich habe bemerkt, wie automatisch diese Gedanken oft entstehen und wie selten ich hinterfrage, ob die Vergleiche überhaupt realistisch sind. Häufig konzentriere ich mich dabei auf Menschen, die zwar in einzelnen Bereichen „weiter“ wirken als ich selbst, doch blende dabei gleichzeitig aus, was ich selbst bereits erreicht habe oder welche persönlichen Voraussetzungen und Chancen eigentlich hinter unterschiedlichen Lebenswegen stehen. Außerdem beruhen viele der Vergleiche nur auf sehr kleinen Ausschnitten weitestgehend fremder Leben. Gerade in sozialen Medien sieht man meist nur Erfolge, Bestzeiten oder besonders produktive Momente. Nur wenige teilen Unsicherheiten, Rückschläge oder persönliche Schwierigkeiten. Künftig möchte ich deshalb versuchen, meinen eigenen Fortschritt weniger an anderen Menschen zu messen und stattdessen stärker darauf achten, was für mich persönlich möglich und wichtig ist. Dazu gehört auch die Frage: Motiviert mich dieser Vergleich oder erzeugt er nur unnötigen Druck?
Eine Woche lang ehrlich sein, keinen Plastikmüll produzieren oder auf Instagram verzichten? In dieser Rubrik versucht sich die Jugendredaktion an spannenden Selbstexperimenten.
Sich mit anderen zu vergleichen ist etwas grundsätzlich Menschliches. Doch besonders soziale Medien verstärken dieses Verhalten und können dazu führen, dass es ungesunde Ausmaße annimmt. Online begegnen uns ständig Menschen, die scheinbar erfolgreicher, sportlicher oder einfach zufriedener sind als wir selbst. Auch im Alltag entstehen häufig Vergleiche mit Freund:innen, Kolleg:innen oder fremden Personen. Problematisch wird es, wenn die Vergleiche starken Druck erzeugen oder das Selbstbild verschlechtern. Um herauszufinden, wie sehr mich persönlich solche Gedanken beeinflussen, habe ich eine Woche lang getrackt, wann ich mich mit anderen Menschen vergleiche.
Schon am ersten Tag fiel mir auf, wie häufig sich meine Gedanken um den vermeintlich „altersangemessenen Fortschritt“ im Leben drehen. Besonders in Gesprächen mit anderen Personen meines Alters vergleiche ich schnell unsere jeweiligen Lebenssituationen. Wenn ehemalige Klassenkamerad:innen erzählen, dass sie bereits seit Jahren fest im Berufsleben stehen, mitten in der Promotion stecken und scheinbar genau wissen, wie ihre Zukunft aussehen soll, frage ich mich automatisch, ob ich selbst nicht eigentlich schon viel weiter sein müsste. Auf Plattformen wie LinkedIn begegnen mir zusätzlich oft Lebensläufe, die perfekt geplant und geradlinig wirken.
Vergleiche entstehen bei mir außerdem oft rund um sportliche Leistung. Besonders in Bezug auf mein Hobby Trailrunning habe ich bemerkt, wie schnell sich meine Wahrnehmung durch soziale Medien verändert. Nach Läufen bin ich häufig zunächst zufrieden mit meinem Fortschritt – bis ich auf Strava oder TikTok Beiträge von anderen Läufer:innen sehe, die beispielsweise deutlich schneller sind, längere Strecken laufen oder scheinbar viel disziplinierter trainieren als ich. Teilweise stellt sich dann sofort das Gefühl ein, sich selbst zu wenig anzustrengen oder nicht schnell genug besser zu werden.
Zudem musste ich an meine Erfahrungen aus dem Ballett denken, wo Disziplin und das Streben nach Perfektion eine besonders große Rolle spielen. Zwischen uns Schülerinnen wurde sehr genau beobachtet, wer bei Aufführungen eine der Hauptrollen erhält, wer im Training besonders gelobt oder kritisiert wurde und wer in eine fortgeschrittenere Gruppe aufsteigen durfte. Obwohl wir meist freundlich miteinander umgingen, verglichen wir uns unterschwellig pausenlos untereinander: Wer ist beweglicher? Wer beherrscht die Übungen technisch sauberer? Wer macht eine bessere Figur? Kritische Kommentare der überaus strengen Ballettlehrerin, die auch das Aussehen betrafen, taten ihr Übriges. Durch diesen Konkurrenzdruck, der selten offen ausgesprochen wurde, war ständig das Gefühl präsent, immer besser werden zu müssen und stets sein Bestes zu geben, um mithalten zu können.
Auch frage ich mich bisweilen, ob ich etwas verpasst habe, weil ich nach dem Abitur keine Weltreise gemacht habe, nicht mehrere Monate in Australien war und noch nie einen Club von innen gesehen habe. Obwohl diese Dinge eigentlich gar nicht meinen Interessen entsprechen und ich kein Verlangen danach spüre, sie nachzuholen, entsteht im Vergleich mit anderen Menschen manchmal der Eindruck, bestimmte Erfahrungen unbedingt gemacht haben zu müssen.
Zum Ende meines Selbstversuchs ziehe ich das Fazit, dass viele meiner Vergleiche weder besonders fair noch sinnvoll sind. Ich habe bemerkt, wie automatisch diese Gedanken oft entstehen und wie selten ich hinterfrage, ob die Vergleiche überhaupt realistisch sind. Häufig konzentriere ich mich dabei auf Menschen, die zwar in einzelnen Bereichen „weiter“ wirken als ich selbst, doch blende dabei gleichzeitig aus, was ich selbst bereits erreicht habe oder welche persönlichen Voraussetzungen und Chancen eigentlich hinter unterschiedlichen Lebenswegen stehen. Außerdem beruhen viele der Vergleiche nur auf sehr kleinen Ausschnitten weitestgehend fremder Leben. Gerade in sozialen Medien sieht man meist nur Erfolge, Bestzeiten oder besonders produktive Momente. Nur wenige teilen Unsicherheiten, Rückschläge oder persönliche Schwierigkeiten. Künftig möchte ich deshalb versuchen, meinen eigenen Fortschritt weniger an anderen Menschen zu messen und stattdessen stärker darauf achten, was für mich persönlich möglich und wichtig ist. Dazu gehört auch die Frage: Motiviert mich dieser Vergleich oder erzeugt er nur unnötigen Druck?
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