Larissa Menne, funky-Jugendreporterin
2009? Wer in Großbritannien in diesem Jahr oder später geboren ist, soll einem neuen Gesetz zufolge niemals legal Tabak erwerben können. Damit wagt das Land einen Schritt, der die Tabakpolitik grundlegend verändert. Die Politik beschloss kürzlich ein dauerhaftes Verkaufsverbot für eine ganze Generation. Das Rauchen selbst bleibt erlaubt, Besitz und Konsum werden nicht kriminalisiert, doch der Zugang wird systematisch verknappt.
Aus gesundheitspolitischer Sicht ist dieser Schritt bemerkenswert konsequent. Seit Jahrzehnten gilt als gesichert, dass der beste Schutz vor Tabaksucht darin besteht, gar nicht erst anzufangen. Genau hier setzt das britische Modell an: Es verschiebt die gesellschaftliche Verantwortung, indem es den Einstieg strukturell erschwert. Weniger Verfügbarkeit bedeutet weniger Gelegenheiten und weniger Gelegenheiten bedeuten statistisch gesehen weniger Raucherkarrieren.
Auch für Deutschland könnte dieser Ansatz ein entscheidender Schritt sein. Noch immer raucht hierzulande fast jeder Vierte. Das Ziel der EU, bis 2040 eine Raucherquote von unter fünf Prozent zu erreichen, wirkt aus deutscher Perspektive eher wie eine Wunschvorstellung. Dabei ist längst klar: Halbherzige Maßnahmen reichen nicht. Höhere Tabaksteuern sind sinnvoll, aber eben nur ein Baustein.
Denn so wichtig der britische Ansatz auch ist, ein Allheilmittel ist er nicht. Wer glaubt, dass mit dem Verschwinden von Zigaretten automatisch auch das Bedürfnis nach Rausch verschwindet, unterschätzt die Dynamik von Suchtverhalten. Es ist durchaus denkbar, dass sich ein Teil der Jugendlichen anderen Substanzen zuwendet, wenn Tabak schwerer zugänglich wird. Prävention darf deshalb nicht eindimensional gedacht werden. Wer ein Problem eindämmt, ohne Alternativen mitzudenken, riskiert, ein anderes zu verschärfen.
Genau hier liegt die Herausforderung für die Politik: Suchtmittel insgesamt unattraktiver zu machen. Und das erfordert mehr als Preissteigerungen oder Verbote. Es geht um Aufklärung, und zwar frühzeitig und kontinuierlich. Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer die gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Folgen des Rauchens und auch des Vapens versteht, trifft besser informierte Entscheidungen. Wissen allein schützt nicht vor Fehlentscheidungen, aber es schafft die Grundlage dafür, sie zu vermeiden.
Ein oft unterschätzter Faktor ist zudem der soziale Kontext. In Großbritannien könnte sich langfristig ein entscheidender Effekt einstellen: Wenn ganze Altersgruppen keinen legalen Zugang zu Tabak haben, verliert das Rauchen an sozialer Sichtbarkeit und damit an Attraktivität. Gruppenzwang, einer der wichtigsten Einstiegsfaktoren, könnte spürbar abnehmen. Und dieser Effekt wirkt über Generationen hinweg. Kinder von Nichtrauchern greifen deutlich seltener selbst zur Zigarette. Wenn also eine Generation gar nicht erst beginnt, entsteht eine Kettenreaktion im besten Sinne.
Deutschland hingegen bewegt sich bislang zu zögerlich. Die Weltgesundheitsorganisation kritisiert seit Jahren, dass hierzulande zu wenig getan wird, um den Tabakkonsum wirksam einzudämmen. Kampagnen wie „Rauchfrei im Mai“ des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit und der deutschen Krebshilfe sind wichtige Impulse und können Menschen beim Aufhören unterstützen. Doch sie ersetzen keine strukturelle Strategie. Es braucht ein Zusammenspiel aus Regulierung, Prävention und gesellschaftlichem Wandel.
Der britische Vorstoß zeigt, wie radikal Prävention gedacht werden kann, ohne den Einzelnen zu kriminalisieren. Er zwingt auch andere Länder, sich zu fragen: Reicht es uns, den Schaden zu begrenzen – oder wollen wir ihn wirklich verhindern? Die Antwort darauf wird entscheiden, ob das Ziel einer rauchfreien Generation in Europa mehr ist als ein politisches Schlagwort.
Fest steht: Der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören, ist immer jetzt. Noch besser ist, gar nicht erst anzufangen. Großbritannien hat sich bereits für Letzteres entschieden. Deutschland sollte nachziehen.
Du willst mehr? Du bekommst mehr!
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Aus gesundheitspolitischer Sicht ist dieser Schritt bemerkenswert konsequent. Seit Jahrzehnten gilt als gesichert, dass der beste Schutz vor Tabaksucht darin besteht, gar nicht erst anzufangen. Genau hier setzt das britische Modell an: Es verschiebt die gesellschaftliche Verantwortung, indem es den Einstieg strukturell erschwert. Weniger Verfügbarkeit bedeutet weniger Gelegenheiten und weniger Gelegenheiten bedeuten statistisch gesehen weniger Raucherkarrieren.
Auch für Deutschland könnte dieser Ansatz ein entscheidender Schritt sein. Noch immer raucht hierzulande fast jeder Vierte. Das Ziel der EU, bis 2040 eine Raucherquote von unter fünf Prozent zu erreichen, wirkt aus deutscher Perspektive eher wie eine Wunschvorstellung. Dabei ist längst klar: Halbherzige Maßnahmen reichen nicht. Höhere Tabaksteuern sind sinnvoll, aber eben nur ein Baustein.
Denn so wichtig der britische Ansatz auch ist, ein Allheilmittel ist er nicht. Wer glaubt, dass mit dem Verschwinden von Zigaretten automatisch auch das Bedürfnis nach Rausch verschwindet, unterschätzt die Dynamik von Suchtverhalten. Es ist durchaus denkbar, dass sich ein Teil der Jugendlichen anderen Substanzen zuwendet, wenn Tabak schwerer zugänglich wird. Prävention darf deshalb nicht eindimensional gedacht werden. Wer ein Problem eindämmt, ohne Alternativen mitzudenken, riskiert, ein anderes zu verschärfen.
Genau hier liegt die Herausforderung für die Politik: Suchtmittel insgesamt unattraktiver zu machen. Und das erfordert mehr als Preissteigerungen oder Verbote. Es geht um Aufklärung, und zwar frühzeitig und kontinuierlich. Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer die gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Folgen des Rauchens und auch des Vapens versteht, trifft besser informierte Entscheidungen. Wissen allein schützt nicht vor Fehlentscheidungen, aber es schafft die Grundlage dafür, sie zu vermeiden.
Ein oft unterschätzter Faktor ist zudem der soziale Kontext. In Großbritannien könnte sich langfristig ein entscheidender Effekt einstellen: Wenn ganze Altersgruppen keinen legalen Zugang zu Tabak haben, verliert das Rauchen an sozialer Sichtbarkeit und damit an Attraktivität. Gruppenzwang, einer der wichtigsten Einstiegsfaktoren, könnte spürbar abnehmen. Und dieser Effekt wirkt über Generationen hinweg. Kinder von Nichtrauchern greifen deutlich seltener selbst zur Zigarette. Wenn also eine Generation gar nicht erst beginnt, entsteht eine Kettenreaktion im besten Sinne.
Deutschland hingegen bewegt sich bislang zu zögerlich. Die Weltgesundheitsorganisation kritisiert seit Jahren, dass hierzulande zu wenig getan wird, um den Tabakkonsum wirksam einzudämmen. Kampagnen wie „Rauchfrei im Mai“ des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit und der deutschen Krebshilfe sind wichtige Impulse und können Menschen beim Aufhören unterstützen. Doch sie ersetzen keine strukturelle Strategie. Es braucht ein Zusammenspiel aus Regulierung, Prävention und gesellschaftlichem Wandel.
Der britische Vorstoß zeigt, wie radikal Prävention gedacht werden kann, ohne den Einzelnen zu kriminalisieren. Er zwingt auch andere Länder, sich zu fragen: Reicht es uns, den Schaden zu begrenzen – oder wollen wir ihn wirklich verhindern? Die Antwort darauf wird entscheiden, ob das Ziel einer rauchfreien Generation in Europa mehr ist als ein politisches Schlagwort.
Fest steht: Der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören, ist immer jetzt. Noch besser ist, gar nicht erst anzufangen. Großbritannien hat sich bereits für Letzteres entschieden. Deutschland sollte nachziehen.
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