Bücher sind Rückzugsort, Inspirationsquelle und für viele ein fester Bestandteil des Alltags. Doch wie verändert sich der Buchhandel in Zeiten von Social Media, neuen Lesegewohnheiten und wachsender Vielfalt? Darüber sprechen die beiden Hamburger Buchhändlerinnen Ragna Lüders, die seit über 40 Jahren im Buchhandel arbeitet, und Mirka Degen, die erst vor Kurzem als Quereinsteigerin in den Beruf gestartet ist.
Ragna, Mirka, was bedeutet euch der Beruf? Ragna Lüders: Für mich ist das ein Beruf, in dem man nie auslernt. Es gibt jeden Tag neue Impulse – durch Bücher, aber auch durch die Gespräche mit Kundinnen, Kunden und im Team. Mirka Degen: Ich komme ursprünglich aus der Werbebranche. Bücher haben aber schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Ich habe viel gelesen, später auch einen Buchblog gestartet – und irgendwann gemerkt, dass ich das auch beruflich machen möchte.
Mirka Degen
Was begeistert euch persönlich am meisten an der Arbeit mit Büchern? Ragna: Mich begeistert diese ständige Inspiration. Man lernt nie aus, entdeckt immer wieder neue Inhalte und Perspektiven. Mirka: Für mich sind Bücher so etwas wie ein Anker. Man kann aus ihnen Trost ziehen, neue Perspektiven gewinnen oder einfach eine gute Zeit haben. Und genau das auch anderen Menschen zu ermöglichen, finde ich unglaublich schön.
Ihr kommt aus unterschiedlichen Generationen. Was nehmt ihr voneinander mit? Mirka: Ich profitiere total von Ragnas Erfahrung. Gerade im Umgang mit Kund:innen oder bei der Einschätzung von Büchern. Ragna: Und ich finde es bereichernd zu sehen, wie sich der Zugang zu Literatur verändert hat – etwa durch Social Media oder neue Formate.
Welche Veränderungen beobachtetihr im Buchhandel? Ragna: Sehr viele. Früher haben wir in großen Katalogen geblättert, um überhaupt herauszufinden, welche Bücher es gibt – später auf CD-ROM. Heute ist alles digital verfügbar. Aber auch die Kundschaft hat sich verändert. Früher gab es eine gewisse Ehrfurcht vor „klassischer“ Literatur. Heute geht es viel mehr darum, dass Menschen Freude am Lesen haben – unabhängig davon, was sie lesen.
Welche Rolle spielen jüngere Generationen für den Buchmarkt? Ragna: Die Menschen, die bei uns Bücher kaufen, werden insgesamt jünger. Viele sind zwischen Ende 20 und Mitte 30 und lassen sich stark über Instagram inspirieren. Mirka: Ich finde besonders spannend, dass Literaturkritik heute viel zugänglicher ist. Nicht mehr nur wenige Stimmen entscheiden, was gelesen wird, sondern jede und jeder kann Empfehlungen teilen. Das nimmt vielen die Hemmschwelle.
Wie steht ihr zu Plattformen wie BookTok oder Bookstagram? Mirka: Ich finde es schön zu sehen, dass Lesen wieder sichtbarer wird – fast schon ein Lifestyle. Früher war Lesen fast uncool, heute wird es gefeiert. Gleichzeitig bringen diese Plattformen ganz neue Themen und Bücher in den Fokus. Ragna: Das ist grundsätzlich toll, weil es Menschen zum Lesen bringt. Gleichzeitig ist es für uns auch eine Frage der Kapazität, wie stark wir solche Kanäle selbst bespielen.
Wie geht ihr mit Trends um, die nicht unbedingt altersgerecht sind? Mirka: Wir treffen eine sehr bewusste Auswahl. Gerade im Kinder- und Jugendbereich lesen wir Bücher an und schätzen ein, für wen sie geeignet sind. Wenn ein sehr junges Kind ein Buch möchte, das eigentlich für Erwachsene gedacht ist, sprechen wir das an. Ragna: Uns ist wichtig, keine Inhalte anzubieten, die Gewalt verherrlichen oder problematische Rollenbilder transportieren. Gleichzeitig finden wir es wichtig, dass junge Menschen sich auch mit Themen auseinandersetzen können – aber eben verantwortungsvoll.
Was macht euren Arbeitsalltag besonders – und was ist herausfordernd? Ragna: Besonders ist der Kontakt mit den Menschen. Herausfordernd ist eher das Drumherum – viel Bürokratie, die nichts mit Literaturvermittlung zu tun hat. Mirka: Und die Verantwortung bei der Auswahl. Wir entscheiden sehr bewusst, welche Bücher wir hier haben – das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.
Welche Rolle spielt Auswahl im Buchhandel? Ragna: Eine große. Wir haben viele Bücher, die bei uns Bestseller sind, die man anderswo gar nicht findet. Es geht nicht darum, einfach die meistverkauften Titel ins Regal zu stellen, sondern eine kuratierte Auswahl zu treffen. Mirka: Genau das macht für mich auch den Unterschied – dass hier nicht einfach alles steht, sondern Bücher, hinter denen eine Haltung und eine Entscheidung stehen.
Welche gesellschaftliche Rolle hat der Buchhandel für euch? Ragna: Für mich geht es darum, Bücher und Leserschaft zusammenzubringen, sodass daraus etwas entsteht – vielleicht sogar Glück. Mirka: Und darum, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich wiederfinden, inspiriert werden und etwas entdecken, das sie wirklich anspricht.
Blick in die Zukunft: Wie sieht der Buchhandel 2035 aus? Ragna: Ich wünsche mir, dass Bücher für viele Menschen zugänglich bleiben und die Vielfalt erhalten wird. Und dass das gedruckte Buch weiterhin seinen Platz hat. Mirka: Ich hoffe, dass die Begeisterung fürs Lesen anhält – und dass noch mehr junge Menschen Zugang dazu finden.
Zum Abschluss: Was möchtet ihr jungen Menschen mitgeben? Ragna: Traut euch, Dinge auszuprobieren, und kommt ins Gespräch – auch in Buchhandlungen. Mirka: Es gibt kein richtig oder falsch beim Lesen. Wichtig ist, dass man Freude daran hat.
Bücher sind Rückzugsort, Inspirationsquelle und für viele ein fester Bestandteil des Alltags. Doch wie verändert sich der Buchhandel in Zeiten von Social Media, neuen Lesegewohnheiten und wachsender Vielfalt? Darüber sprechen die beiden Hamburger Buchhändlerinnen Ragna Lüders, die seit über 40 Jahren im Buchhandel arbeitet, und Mirka Degen, die erst vor Kurzem als Quereinsteigerin in den Beruf gestartet ist.
Ragna, Mirka, was bedeutet euch der Beruf?
Ragna Lüders: Für mich ist das ein Beruf, in dem man nie auslernt. Es gibt jeden Tag neue Impulse – durch Bücher, aber auch durch die Gespräche mit Kundinnen, Kunden und im Team.
Mirka Degen: Ich komme ursprünglich aus der Werbebranche. Bücher haben aber schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Ich habe viel gelesen, später auch einen Buchblog gestartet – und irgendwann gemerkt, dass ich das auch beruflich machen möchte.
Was begeistert euch persönlich am meisten an der Arbeit mit Büchern?
Ragna: Mich begeistert diese ständige Inspiration. Man lernt nie aus, entdeckt immer wieder neue Inhalte und Perspektiven.
Mirka: Für mich sind Bücher so etwas wie ein Anker. Man kann aus ihnen Trost ziehen, neue Perspektiven gewinnen oder einfach eine gute Zeit haben. Und genau das auch anderen Menschen zu ermöglichen, finde ich unglaublich schön.
Ihr kommt aus unterschiedlichen Generationen. Was nehmt ihr voneinander mit?
Mirka: Ich profitiere total von Ragnas Erfahrung. Gerade im Umgang mit Kund:innen oder bei der Einschätzung von Büchern.
Ragna: Und ich finde es bereichernd zu sehen, wie sich der Zugang zu Literatur verändert hat – etwa durch Social Media oder neue Formate.
Welche Veränderungen beobachtetihr im Buchhandel?
Ragna: Sehr viele. Früher haben wir in großen Katalogen geblättert, um überhaupt herauszufinden, welche Bücher es gibt – später auf CD-ROM. Heute ist alles digital verfügbar. Aber auch die Kundschaft hat sich verändert. Früher gab es eine gewisse Ehrfurcht vor „klassischer“ Literatur. Heute geht es viel mehr darum, dass Menschen Freude am Lesen haben – unabhängig davon, was sie lesen.
Welche Rolle spielen jüngere Generationen für den Buchmarkt?
Ragna: Die Menschen, die bei uns Bücher kaufen, werden insgesamt jünger. Viele sind zwischen Ende 20 und Mitte 30 und lassen sich stark über Instagram inspirieren.
Mirka: Ich finde besonders spannend, dass Literaturkritik heute viel zugänglicher ist. Nicht mehr nur wenige Stimmen entscheiden, was gelesen wird, sondern jede und jeder kann Empfehlungen teilen. Das nimmt vielen die Hemmschwelle.
Wie steht ihr zu Plattformen wie BookTok oder Bookstagram?
Mirka: Ich finde es schön zu sehen, dass Lesen wieder sichtbarer wird – fast schon ein Lifestyle. Früher war Lesen fast uncool, heute wird es gefeiert. Gleichzeitig bringen diese Plattformen ganz neue Themen und Bücher in den Fokus.
Ragna: Das ist grundsätzlich toll, weil es Menschen zum Lesen bringt. Gleichzeitig ist es für uns auch eine Frage der Kapazität, wie stark wir solche Kanäle selbst bespielen.
Wie geht ihr mit Trends um, die nicht unbedingt altersgerecht sind?
Mirka: Wir treffen eine sehr bewusste Auswahl. Gerade im Kinder- und Jugendbereich lesen wir Bücher an und schätzen ein, für wen sie geeignet sind. Wenn ein sehr junges Kind ein Buch möchte, das eigentlich für Erwachsene gedacht ist, sprechen wir das an.
Ragna: Uns ist wichtig, keine Inhalte anzubieten, die Gewalt verherrlichen oder problematische Rollenbilder transportieren. Gleichzeitig finden wir es wichtig, dass junge Menschen sich auch mit Themen auseinandersetzen können – aber eben verantwortungsvoll.
Was macht euren Arbeitsalltag besonders – und was ist herausfordernd?
Ragna: Besonders ist der Kontakt mit den Menschen. Herausfordernd ist eher das Drumherum – viel Bürokratie, die nichts mit Literaturvermittlung zu tun hat.
Mirka: Und die Verantwortung bei der Auswahl. Wir entscheiden sehr bewusst, welche Bücher wir hier haben – das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.
Welche Rolle spielt Auswahl im Buchhandel?
Ragna: Eine große. Wir haben viele Bücher, die bei uns Bestseller sind, die man anderswo gar nicht findet. Es geht nicht darum, einfach die meistverkauften Titel ins Regal zu stellen, sondern eine kuratierte Auswahl zu treffen.
Mirka: Genau das macht für mich auch den Unterschied – dass hier nicht einfach alles steht, sondern Bücher, hinter denen eine Haltung und eine Entscheidung stehen.
Welche gesellschaftliche Rolle hat der Buchhandel für euch?
Ragna: Für mich geht es darum, Bücher und Leserschaft zusammenzubringen, sodass daraus etwas entsteht – vielleicht sogar Glück.
Mirka: Und darum, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich wiederfinden, inspiriert werden und etwas entdecken, das sie wirklich anspricht.
Blick in die Zukunft: Wie sieht der Buchhandel 2035 aus?
Ragna: Ich wünsche mir, dass Bücher für viele Menschen zugänglich bleiben und die Vielfalt erhalten wird. Und dass das gedruckte Buch weiterhin seinen Platz hat.
Mirka: Ich hoffe, dass die Begeisterung fürs Lesen anhält – und dass noch mehr junge Menschen Zugang dazu finden.
Zum Abschluss: Was möchtet ihr jungen Menschen mitgeben?
Ragna: Traut euch, Dinge auszuprobieren, und kommt ins Gespräch – auch in Buchhandlungen.
Mirka: Es gibt kein richtig oder falsch beim Lesen. Wichtig ist, dass man Freude daran hat.
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