Während viele Ordensgemeinschaften mit einem starken Nachwuchsmangel konfrontiert sind, gehört Schwester Maria Clarita Born (28) zu einer kleinen Gruppe junger Frauen, die sich bewusst für das Ordensleben entscheiden. Mit nur 25 Jahren fasste sie den Entschluss, ins Kloster Arenberg in Koblenz einzuziehen. Im Interview spricht sie über ihre Social-Media-Präsenz, ihren Werdegang und ob sie auch manchmal Zweifel plagen.
(c) Sr. M. Clarita
Schwester Clarita, wann tauchte bei dir erstmals der Gedanke auf, Nonne zu werden? Schwester Clarita: Genaugenommen bin ich keine Nonne, sondern eine Ordensfrau. Der Unterschied ist, dass Ordensfrauen ihr Kloster zum Beispiel wegen ihrer Arbeit verlassen, während sich Nonnen ganz dem Gebet und der Stille widmen. Mir kam der Gedanke, ins Kloster einzutreten, zum ersten Mal mit im Alter von 15 Jahren auf.
Wie sah dein Leben vor dem Eintritt in die Ordensgemeinschaft aus? Vor dem Kloster war ich Studentin der katholischen Theologie und Umweltethik. Das war für mich eine unglaublich schöne Zeit, an die ich gern zurückdenke und die ich sehr genossen habe. Gleichzeitig ist in meiner Studienzeit immer mehr der Gedanke ans Kloster in mir gereift. Neben den ganz alltäglichen Dingen, die zum Studierendenleben dazugehören, habe ich schon in dieser Zeit mein Gebetsleben intensiviert, mich in einer Kirchengemeinde engagiert und begonnen, Klöster zu besuchen.
Welche Schritte musstest du durchlaufen, um im Kloster aufgenommen zu werden? Zunächst einmal steht das gegenseitige Kennenlernen an. Ordensinteressierte können „Kloster auf Zeit“ machen und einige Zeit einfach mal den Klosteralltag miterleben. Das habe ich auch gemacht. Man bekommt so schon ein erstes Gespür dafür, ob diese Lebensform passen könnte, ob man sich in den Rhythmus einschwingen kann. Auch die Ordensgemeinschaft erhält so einen ersten Eindruck von den Interessierten. Als ich gemerkt habe, dass diese Lebensform und die Gemeinschaft für mich passend sein könnten, habe ich um Aufnahme in die Gemeinschaft gebeten. Für die Gemeinschaft muss es natürlich auch ein „Match“ sein, denn mit jeder Frau, die eintritt, verändert sich das Zusammenleben. Daher gibt es auch im Kloster einen Bewerbungsprozess. Es gibt verschiedenen Dokumente, die einzureichen sind, wie etwa die Taufurkunde oder ein Führungszeugnis, und auch diverse Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, zum Beispiel im Bereich psychische Gesundheit. Nur wenn sich beide Seiten vorstellen können, dass es passt, wird man offiziell aufgenommen.
Ich erlebe Gott als personal und kann wirklich mit ihm in Beziehung treten.
Sr. M. Clarita
Welche Rolle spielte der christliche Glaube in deiner Kindheit und Jugend? Ich bin kirchlich sozialisiert aufgewachsen. Ich war Messdienerin, aber auch in verschiedenen kirchlichen Jugendgruppen unterwegs. Der Glaube hat für mich also immer eine Rolle gespielt. Natürlich gab es auch hier Phasen, in denen ich das Ganze kritisch hinterfragt habe. Ich kam aber zu dem Ergebnis, dass der Glaube für mich mehr als nur eine Familientradition ist. Ich erlebe Gott als personal und kann wirklich mit ihm in Beziehung treten.
Auf Social Media lässt du viele Menschen an deinem Klosterleben teilhaben. Wie kam es zu dieser Idee? Ich habe schon als Postulantin, das ist die erste Phase der Ordensausbildung, den Gemeinschaftskanal übernommen. Mir war es von Anfang an ein Anliegen, die Leute in meinen Alltag mitzunehmen, weil ich glaube, dass es ganz viele Klischees über das Klosterleben gibt, die so überhaupt nicht stimmen. Irgendwann bin ich auch mit meinem privaten Account an die Öffentlichkeit gegangen. Eine Motivation war definitiv, dass ich es mir als junge Frau auf der Suche nach ihrer Berufung gewünscht hätte, so einen Einblick in das Ordensleben zu bekommen.
Wie sieht ein ganz gewöhnlicher Tag im Kloster für dich aus? Das ist unterschiedlich. Im Noviziat, der zweiten Phase der Ordensausbildung, war das Leben im Kloster sehr geregelt. Jetzt, da ich Profess gemacht habe und berufstätig bin, gestaltet sich der Alltag etwas anders. Der Tag beginnt für mich um 5:30 Uhr, wenn der Wecker klingelt. Bevor die Laudes, das Morgengebet, um 6:30 Uhr beginnt, halte ich eine persönliche stille Zeit vor Gott. Nach der Laudes feiern wir gemeinsam Gottesdienst, anschließend findet das Frühstück mit Tischlesung statt. Da wird aus einem geistlichen Buch vorgelesen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir noch kein Wort gesprochen. Erst danach, wenn alle ihren Arbeiten nachgehen, sprechen wir. Wir Schwestern haben verschiedene Tätigkeiten. Viele Ältere helfen viel im Haushalt mit. Wir Jüngeren gehen Berufen nach, zum Beispiel Seelsorge in der Schule oder in der Gemeinde. Ich arbeite beim Deutschen Liturgischen Institut. Gemeinsamer Fixpunkt ist um 11:30 Uhr das Mittagsgebet und anschließend das Mittagessen mit Tischlesung. Am Nachmittag gehe ich wieder meiner Arbeit nach, um 17:30 Uhr beten wir gemeinsam den Rosenkranz, anschließend gibt es die die Vesper, das Abendgebet. Anschließend findet das Abendessen und die Komplet, das Nachtgebet, statt. Beim Abendessen sprechen wir miteinander. Manchmal kann es sein, dass am Abend noch etwas stattfindet, etwa ein gemeinsames Bibelgespräch, oder wir sitzen noch gemütlich zusammen und quatschen oder schauen einen Film. Neben meiner Hauptarbeit übernehme ich zwischendurch auch Aufgaben im Kloster. Ich kümmere mich um unsere Hühner und Schafe und spiele die Orgel. Und dann ist natürlich auch wichtig, Freizeit und Kontakt zu Freundinnen und Freunden einzuplanen.
Der Altersdurchschnitt im Kloster Arenberg liegt bei 83 Jahren. Welche Rolle spielt dieser große Altersunterschied im Zusammenleben mit den anderen Schwestern? Manchmal spielt es eine große Rolle und manchmal gar keine. Der Alltag ist natürlich vom Alter geprägt. Es gibt Phasen, da bin ich maximal genervt von den Rollatoren, die überall herumstehen. Aber dann gibt es auch Zeiten, in denen das Alter wirklich egal ist, zum Beispiel, wenn wir gemeinsam feiern oder man sich gegenseitig erzählt, was einen gerade so bewegt. Es gibt durchaus auch ältere Mitschwestern, die für mich Bezugspersonen sind. Vieles bekommt auch eine Leichtigkeit, wenn man es mit Humor nimmt. Zum Beispiel war bei einer Schwester mal das Hörgerät kaputt und hat die ganze Zeit gepiepst. Sie hat das natürlich überhaupt nicht wahrgenommen. Aber wir jungen Schwestern sind fast verrückt geworden. Im Nachhinein finde ich so etwas einfach lustig.
Im Jahr 1994 wurde Homosexualität in Deutschland offiziell aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Die Ehe für alle wurde in Deutschland erst 2017 eingeführt. Das muss man sich mal vergegenwärtigen. Beides ist noch nicht lange her. Wenn die Gesellschaft schon so hinterherhinkt beim Thema Geschlechterfragen, wundert es mich nicht, dass die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Tradition nur langsam hinterherkommt.
Sr. M. Clarita
Gibt es etwas aus deinem alten Leben außerhalb des Klosters, das du vermisst? Die Spontanität, weil unser Leben sehr durchgetaktet ist. Und ich vermisse es manchmal, so richtig auszuschlafen.
Kommen dir manchmal Zweifel, ob du wirklich für immer Ordensfrau sein möchtest? Ja, natürlich. Ich glaube, das gehört zu so einem Prozess dazu, dass man sich selbst immer wieder prüft, ob diese Lebensform dauerhaft das Richtige ist. Genau dafür ist die erste Zeit im Orden auch da. Allerdings wäre ich schon längst ausgetreten, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich für immer so leben möchte.
Was war für dich der bisher schönste Moment im Kloster? Meine Erstprofess. In diesem Gottesdienst gibt es den Moment, in dem man als Novizin ausgestreckt vor dem Altar auf dem Boden liegt und gefragt wird, was man erbittet. In dem Moment war es mir so klar wie nie, dass ich hier und jetzt genau am richtigen Ort bin und das Richtige tue, sodass ich mit voller Überzeugung sagen konnte: „Gottes Barmherzigkeit und Gnade und die Ablegung der ersten Profess.“ Das war emotional einfach sehr ergreifend.
Die katholische Kirche steht wegen strenger Hierarchien und dem Festhalten an traditionellen Geschlechterrollen häufig in der Kritik. Wie gehst du persönlich mit diesen Kritikpunkten um? Ich kann die Kritik gut nachvollziehen. In der Zeit, in der wir leben, wirken solche Haltungen aus der Zeit gefallen. In manchen Punkten wünsche ich mir auch eine Veränderung. Allerdings möchte ich zu bedenken geben: Im Jahr 1994 wurde Homosexualität in Deutschland offiziell aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Die Ehe für alle wurde in Deutschland erst 2017 eingeführt. Das muss man sich mal vergegenwärtigen. Beides ist noch nicht lange her. Wenn die Gesellschaft schon so hinterherhinkt beim Thema Geschlechterfragen, wundert es mich nicht, dass die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Tradition nur langsam hinterherkommt. Das soll natürlich keine Entschuldigung sein, aber mir hilft es, die kirchliche Position zu verstehen. Zumal die katholische Kirche eine weltumfassende Gemeinschaft ist. Und wir wissen ja leider auch, wie es um solche Themen in anderen Ländern steht. An meinem Glauben an Jesus Christus ändert es allerdings nichts. Und dieser ist für mich der Grund, warum ich gern Teil der Kirche bin.
Wie haben dein Freundeskreis und deine Familie auf deinen Eintritt ins Kloster reagiert? Überwiegend positiv. Mein enges Umfeld wusste schon länger, dass mich das Thema umtreibt, sodass es nicht ganz so überraschend war. Und viele haben mich bestärkt und unterstützt als mein Entschluss feststand.
Während viele Ordensgemeinschaften mit einem starken Nachwuchsmangel konfrontiert sind, gehört Schwester Maria Clarita Born (28) zu einer kleinen Gruppe junger Frauen, die sich bewusst für das Ordensleben entscheiden. Mit nur 25 Jahren fasste sie den Entschluss, ins Kloster Arenberg in Koblenz einzuziehen. Im Interview spricht sie über ihre Social-Media-Präsenz, ihren Werdegang und ob sie auch manchmal Zweifel plagen.
Schwester Clarita, wann tauchte bei dir erstmals der Gedanke auf, Nonne zu werden?
Schwester Clarita: Genaugenommen bin ich keine Nonne, sondern eine Ordensfrau. Der Unterschied ist, dass Ordensfrauen ihr Kloster zum Beispiel wegen ihrer Arbeit verlassen, während sich Nonnen ganz dem Gebet und der Stille widmen. Mir kam der Gedanke, ins Kloster einzutreten, zum ersten Mal mit im Alter von 15 Jahren auf.
Wie sah dein Leben vor dem Eintritt in die Ordensgemeinschaft aus?
Vor dem Kloster war ich Studentin der katholischen Theologie und Umweltethik. Das war für mich eine unglaublich schöne Zeit, an die ich gern zurückdenke und die ich sehr genossen habe. Gleichzeitig ist in meiner Studienzeit immer mehr der Gedanke ans Kloster in mir gereift. Neben den ganz alltäglichen Dingen, die zum Studierendenleben dazugehören, habe ich schon in dieser Zeit mein Gebetsleben intensiviert, mich in einer Kirchengemeinde engagiert und begonnen, Klöster zu besuchen.
Welche Schritte musstest du durchlaufen, um im Kloster aufgenommen zu werden?
Zunächst einmal steht das gegenseitige Kennenlernen an. Ordensinteressierte können „Kloster auf Zeit“ machen und einige Zeit einfach mal den Klosteralltag miterleben. Das habe ich auch gemacht. Man bekommt so schon ein erstes Gespür dafür, ob diese Lebensform passen könnte, ob man sich in den Rhythmus einschwingen kann. Auch die Ordensgemeinschaft erhält so einen ersten Eindruck von den Interessierten. Als ich gemerkt habe, dass diese Lebensform und die Gemeinschaft für mich passend sein könnten, habe ich um Aufnahme in die Gemeinschaft gebeten. Für die Gemeinschaft muss es natürlich auch ein „Match“ sein, denn mit jeder Frau, die eintritt, verändert sich das Zusammenleben. Daher gibt es auch im Kloster einen Bewerbungsprozess. Es gibt verschiedenen Dokumente, die einzureichen sind, wie etwa die Taufurkunde oder ein Führungszeugnis, und auch diverse Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, zum Beispiel im Bereich psychische Gesundheit. Nur wenn sich beide Seiten vorstellen können, dass es passt, wird man offiziell aufgenommen.
Welche Rolle spielte der christliche Glaube in deiner Kindheit und Jugend?
Ich bin kirchlich sozialisiert aufgewachsen. Ich war Messdienerin, aber auch in verschiedenen kirchlichen Jugendgruppen unterwegs. Der Glaube hat für mich also immer eine Rolle gespielt. Natürlich gab es auch hier Phasen, in denen ich das Ganze kritisch hinterfragt habe. Ich kam aber zu dem Ergebnis, dass der Glaube für mich mehr als nur eine Familientradition ist. Ich erlebe Gott als personal und kann wirklich mit ihm in Beziehung treten.
Auf Social Media lässt du viele Menschen an deinem Klosterleben teilhaben. Wie kam es zu dieser Idee?
Ich habe schon als Postulantin, das ist die erste Phase der Ordensausbildung, den Gemeinschaftskanal übernommen. Mir war es von Anfang an ein Anliegen, die Leute in meinen Alltag mitzunehmen, weil ich glaube, dass es ganz viele Klischees über das Klosterleben gibt, die so überhaupt nicht stimmen. Irgendwann bin ich auch mit meinem privaten Account an die Öffentlichkeit gegangen. Eine Motivation war definitiv, dass ich es mir als junge Frau auf der Suche nach ihrer Berufung gewünscht hätte, so einen Einblick in das Ordensleben zu bekommen.
Wie sieht ein ganz gewöhnlicher Tag im Kloster für dich aus?
Das ist unterschiedlich. Im Noviziat, der zweiten Phase der Ordensausbildung, war das Leben im Kloster sehr geregelt. Jetzt, da ich Profess gemacht habe und berufstätig bin, gestaltet sich der Alltag etwas anders. Der Tag beginnt für mich um 5:30 Uhr, wenn der Wecker klingelt. Bevor die Laudes, das Morgengebet, um 6:30 Uhr beginnt, halte ich eine persönliche stille Zeit vor Gott. Nach der Laudes feiern wir gemeinsam Gottesdienst, anschließend findet das Frühstück mit Tischlesung statt. Da wird aus einem geistlichen Buch vorgelesen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir noch kein Wort gesprochen. Erst danach, wenn alle ihren Arbeiten nachgehen, sprechen wir. Wir Schwestern haben verschiedene Tätigkeiten. Viele Ältere helfen viel im Haushalt mit. Wir Jüngeren gehen Berufen nach, zum Beispiel Seelsorge in der Schule oder in der Gemeinde. Ich arbeite beim Deutschen Liturgischen Institut. Gemeinsamer Fixpunkt ist um 11:30 Uhr das Mittagsgebet und anschließend das Mittagessen mit Tischlesung. Am Nachmittag gehe ich wieder meiner Arbeit nach, um 17:30 Uhr beten wir gemeinsam den Rosenkranz, anschließend gibt es die die Vesper, das Abendgebet. Anschließend findet das Abendessen und die Komplet, das Nachtgebet, statt. Beim Abendessen sprechen wir miteinander. Manchmal kann es sein, dass am Abend noch etwas stattfindet, etwa ein gemeinsames Bibelgespräch, oder wir sitzen noch gemütlich zusammen und quatschen oder schauen einen Film. Neben meiner Hauptarbeit übernehme ich zwischendurch auch Aufgaben im Kloster. Ich kümmere mich um unsere Hühner und Schafe und spiele die Orgel. Und dann ist natürlich auch wichtig, Freizeit und Kontakt zu Freundinnen und Freunden einzuplanen.
Der Altersdurchschnitt im Kloster Arenberg liegt bei 83 Jahren. Welche Rolle spielt dieser große Altersunterschied im Zusammenleben mit den anderen Schwestern?
Manchmal spielt es eine große Rolle und manchmal gar keine. Der Alltag ist natürlich vom Alter geprägt. Es gibt Phasen, da bin ich maximal genervt von den Rollatoren, die überall herumstehen. Aber dann gibt es auch Zeiten, in denen das Alter wirklich egal ist, zum Beispiel, wenn wir gemeinsam feiern oder man sich gegenseitig erzählt, was einen gerade so bewegt. Es gibt durchaus auch ältere Mitschwestern, die für mich Bezugspersonen sind. Vieles bekommt auch eine Leichtigkeit, wenn man es mit Humor nimmt. Zum Beispiel war bei einer Schwester mal das Hörgerät kaputt und hat die ganze Zeit gepiepst. Sie hat das natürlich überhaupt nicht wahrgenommen. Aber wir jungen Schwestern sind fast verrückt geworden. Im Nachhinein finde ich so etwas einfach lustig.
Gibt es etwas aus deinem alten Leben außerhalb des Klosters, das du vermisst?
Die Spontanität, weil unser Leben sehr durchgetaktet ist. Und ich vermisse es manchmal, so richtig auszuschlafen.
Kommen dir manchmal Zweifel, ob du wirklich für immer Ordensfrau sein möchtest?
Ja, natürlich. Ich glaube, das gehört zu so einem Prozess dazu, dass man sich selbst immer wieder prüft, ob diese Lebensform dauerhaft das Richtige ist. Genau dafür ist die erste Zeit im Orden auch da. Allerdings wäre ich schon längst ausgetreten, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich für immer so leben möchte.
Was war für dich der bisher schönste Moment im Kloster?
Meine Erstprofess. In diesem Gottesdienst gibt es den Moment, in dem man als Novizin ausgestreckt vor dem Altar auf dem Boden liegt und gefragt wird, was man erbittet. In dem Moment war es mir so klar wie nie, dass ich hier und jetzt genau am richtigen Ort bin und das Richtige tue, sodass ich mit voller Überzeugung sagen konnte: „Gottes Barmherzigkeit und Gnade und die Ablegung der ersten Profess.“ Das war emotional einfach sehr ergreifend.
Die katholische Kirche steht wegen strenger Hierarchien und dem Festhalten an traditionellen Geschlechterrollen häufig in der Kritik. Wie gehst du persönlich mit diesen Kritikpunkten um?
Ich kann die Kritik gut nachvollziehen. In der Zeit, in der wir leben, wirken solche Haltungen aus der Zeit gefallen. In manchen Punkten wünsche ich mir auch eine Veränderung. Allerdings möchte ich zu bedenken geben: Im Jahr 1994 wurde Homosexualität in Deutschland offiziell aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Die Ehe für alle wurde in Deutschland erst 2017 eingeführt. Das muss man sich mal vergegenwärtigen. Beides ist noch nicht lange her. Wenn die Gesellschaft schon so hinterherhinkt beim Thema Geschlechterfragen, wundert es mich nicht, dass die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Tradition nur langsam hinterherkommt. Das soll natürlich keine Entschuldigung sein, aber mir hilft es, die kirchliche Position zu verstehen. Zumal die katholische Kirche eine weltumfassende Gemeinschaft ist. Und wir wissen ja leider auch, wie es um solche Themen in anderen Ländern steht. An meinem Glauben an Jesus Christus ändert es allerdings nichts. Und dieser ist für mich der Grund, warum ich gern Teil der Kirche bin.
Wie haben dein Freundeskreis und deine Familie auf deinen Eintritt ins Kloster reagiert?
Überwiegend positiv. Mein enges Umfeld wusste schon länger, dass mich das Thema umtreibt, sodass es nicht ganz so überraschend war. Und viele haben mich bestärkt und unterstützt als mein Entschluss feststand.
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