Leistungsdruck ist ein Begriff, den viele junge Menschen schon früh kennenlernen. Der Druck, in der Schule zu bestehen, Erwartungen zu erfüllen, im Studium nicht zu scheitern und im Job zu performen. Aber woher kommt dieser Druck eigentlich? Und was kann man ihm entgegensetzen? Neşe Oktay-Gür begleitet als Psychologin und Expertin für psychologische Gesundheit Menschen in herausfordernden Lebenssituationen und erklärt im Interview, wie Druck entsteht und was sich ihm entgegensetzen lässt.
Neşe, unser Thema heute ist Leistungsdruck – etwas, das viele Menschen betrifft, besonders junge Erwachsene. Wie definierst du Leistungsdruck? Neşe Oktay-Gür: Leistungsdruck entsteht häufig durch Erwartungen – eigene, aber auch die von außen. Besonders junge Menschen stehen durch gesellschaftliche, familiäre und persönliche Erwartungen unter enormem Druck. Die Vorstellung, durch Leistung Anerkennung, Wohlstand und sozialen Aufstieg zu erlangen, ist tief in der Gesellschaft verankert. Das erzeugt Stress, der sich körperlich, psychisch und im Verhalten zeigt. Vor Prüfungen denkt man oft an die Erwartungen der Eltern, Dozent:innen oder Freund:innen. Das wiederum löst Versagensängste aus.
Hinzu kommen familiäre Erwartungen. Oft werden sie gar nicht direkt ausgesprochen, sind aber trotzdem spürbar. Das kann zu einem ständigen inneren Druck führen, den viele nicht hinterfragen, sondern als ,normal‘ ansehen.
Neşe Oktay-Gür
Du sprichst gesellschaftliche Strukturen an. Welche Rolle spielt dabei unser Bildungssystem? Unser Bildungssystem ist stark auf Bewertung und Vergleich ausgerichtet. Schon in der Grundschule geht es um Noten, Empfehlungen, Konkurrenz. Der Fokus liegt nicht auf persönlichem Lernen, sondern auf messbarer Leistung. Das kann zu dem Eindruck führen, nie genug zu sein. Wer nicht ins Raster passt, bekommt schnell das Gefühl, zu versagen – obwohl die Fähigkeiten vielleicht einfach woanders liegen.
Welche typischen Auslöser beobachtest du bei jungen Menschen, die sich besonders unter Druck setzen? Ein großer Faktor ist der soziale Vergleich – in der Schule, im Studium, aber auch über Social Media. Man sieht, was andere scheinbar alles schaffen, und denkt: Warum bin ich noch nicht so weit? Hinzu kommen familiäre Erwartungen. Oft werden sie gar nicht direkt ausgesprochen, sind aber trotzdem spürbar. Das kann zu einem ständigen inneren Druck führen, den viele nicht hinterfragen, sondern als „normal“ ansehen.
Was empfiehlst du, um präventiv mit Leistungsdruck umzugehen? Der erste Schritt ist, zu erkennen: Wann entsteht Druck? Was sind meine inneren Antreiber? Was hat mir in der Vergangenheit geholfen? Dann ist es wichtig, mit Menschen zu sprechen, die zuhören, ohne Druck zu machen. Auch eine realistische Einordnung hilft: Die wenigsten Prüfungen oder Entscheidungen sind wirklich lebensentscheidend, auch wenn es sich in dem Moment so anfühlen mag.
Perfektion ist eine Illusion. Niemand ist immer stark oder fehlerfrei. Zweifel sind normal, besonders in jungen Jahren. Es ist mutig, darüber zu sprechen und sich Unterstützung zu holen.
Neşe Oktay-Gür
Und wenn der Stress schon da ist – wie geht man am besten damit um? Man sollte auf die eigenen Ressourcen achten. Bewegung, Routinen, kreative Auszeiten – das alles hilft, Stress abzubauen. Ebenso wichtig: soziale Kontakte, die entlasten. Auch der Social-Media-Konsum sollte überprüft werden. Wer sich ständig vergleicht, ist anfälliger für Druck. Man sollte sich fragen: Tut mir das gerade gut? Auch Beziehungen, die mehr Energie ziehen als geben, dürfen hinterfragt werden.
Viele junge Menschen setzen sich selbst unter Druck. Was würdest du ihnen mitgeben? Glaub nicht alles, was du denkst. Leistungsdruck ist oft ein Produkt der Gedanken. Der innere Kritiker kann sehr laut sein – aber das heißt nicht, dass er Recht hat. Perfektion ist eine Illusion. Niemand ist immer stark oder fehlerfrei. Zweifel sind normal, besonders in jungen Jahren. Es ist mutig, darüber zu sprechen und sich Unterstützung zu holen. Und es ist völlig okay, nicht alles sofort zu schaffen. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo – und das ist gut so.
Leistungsdruck ist ein Begriff, den viele junge Menschen schon früh kennenlernen. Der Druck, in der Schule zu bestehen, Erwartungen zu erfüllen, im Studium nicht zu scheitern und im Job zu performen. Aber woher kommt dieser Druck eigentlich? Und was kann man ihm entgegensetzen? Neşe Oktay-Gür begleitet als Psychologin und Expertin für psychologische Gesundheit Menschen in herausfordernden Lebenssituationen und erklärt im Interview, wie Druck entsteht und was sich ihm entgegensetzen lässt.
Neşe, unser Thema heute ist Leistungsdruck – etwas, das viele Menschen betrifft, besonders junge Erwachsene. Wie definierst du Leistungsdruck?
Neşe Oktay-Gür: Leistungsdruck entsteht häufig durch Erwartungen – eigene, aber auch die von außen. Besonders junge Menschen stehen durch gesellschaftliche, familiäre und persönliche Erwartungen unter enormem Druck. Die Vorstellung, durch Leistung Anerkennung, Wohlstand und sozialen Aufstieg zu erlangen, ist tief in der Gesellschaft verankert. Das erzeugt Stress, der sich körperlich, psychisch und im Verhalten zeigt. Vor Prüfungen denkt man oft an die Erwartungen der Eltern, Dozent:innen oder Freund:innen. Das wiederum löst Versagensängste aus.
Du sprichst gesellschaftliche Strukturen an. Welche Rolle spielt dabei unser Bildungssystem?
Unser Bildungssystem ist stark auf Bewertung und Vergleich ausgerichtet. Schon in der Grundschule geht es um Noten, Empfehlungen, Konkurrenz. Der Fokus liegt nicht auf persönlichem Lernen, sondern auf messbarer Leistung. Das kann zu dem Eindruck führen, nie genug zu sein. Wer nicht ins Raster passt, bekommt schnell das Gefühl, zu versagen – obwohl die Fähigkeiten vielleicht einfach woanders liegen.
Welche typischen Auslöser beobachtest du bei jungen Menschen, die sich besonders unter Druck setzen?
Ein großer Faktor ist der soziale Vergleich – in der Schule, im Studium, aber auch über Social Media. Man sieht, was andere scheinbar alles schaffen, und denkt: Warum bin ich noch nicht so weit? Hinzu kommen familiäre Erwartungen. Oft werden sie gar nicht direkt ausgesprochen, sind aber trotzdem spürbar. Das kann zu einem ständigen inneren Druck führen, den viele nicht hinterfragen, sondern als „normal“ ansehen.
Was empfiehlst du, um präventiv mit Leistungsdruck umzugehen?
Der erste Schritt ist, zu erkennen: Wann entsteht Druck? Was sind meine inneren Antreiber? Was hat mir in der Vergangenheit geholfen? Dann ist es wichtig, mit Menschen zu sprechen, die zuhören, ohne Druck zu machen. Auch eine realistische Einordnung hilft: Die wenigsten Prüfungen oder Entscheidungen sind wirklich lebensentscheidend, auch wenn es sich in dem Moment so anfühlen mag.
Und wenn der Stress schon da ist – wie geht man am besten damit um?
Man sollte auf die eigenen Ressourcen achten. Bewegung, Routinen, kreative Auszeiten – das alles hilft, Stress abzubauen. Ebenso wichtig: soziale Kontakte, die entlasten. Auch der Social-Media-Konsum sollte überprüft werden. Wer sich ständig vergleicht, ist anfälliger für Druck. Man sollte sich fragen: Tut mir das gerade gut? Auch Beziehungen, die mehr Energie ziehen als geben, dürfen hinterfragt werden.
Viele junge Menschen setzen sich selbst unter Druck. Was würdest du ihnen mitgeben?
Glaub nicht alles, was du denkst. Leistungsdruck ist oft ein Produkt der Gedanken. Der innere Kritiker kann sehr laut sein – aber das heißt nicht, dass er Recht hat. Perfektion ist eine Illusion. Niemand ist immer stark oder fehlerfrei. Zweifel sind normal, besonders in jungen Jahren. Es ist mutig, darüber zu sprechen und sich Unterstützung zu holen. Und es ist völlig okay, nicht alles sofort zu schaffen. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo – und das ist gut so.
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