Weit in den schroffen Norden Schottlands, bis auf die einsamen und unwirtlichen Orkney Inseln, hat sich der Schweizer Dekorateur Paul zurückgezogen. Abseits aller Annehmlichkeiten der urbanen Moderne versucht er sich der Schlichtheit des Dorflebens und der rauen Landschaft hinzugeben, während seine Arbeit weiter aus Designmöbeln und Farbpaletten besteht. Im Grunde träumt er nur von noch mehr Askese und noch größerer Einsamkeit, bis ihn eines Tages ein lukrativer Auftrag von einem seltsamen Tech-Mogul erreicht, der ihn kurzerhand nach Norwegen einfliegen lässt.
(c) Kiepenheuer & Witsch
Unterdessen, in einer Zeit, die offenbar dem Hochmittelalter gleicht, und doch nicht so ganz zu unserer Welt zu gehören scheint, muss die neunjährige Waise Ildr einen merkwürdigen Fremden in ihrer Hütte aufnehmen, nachdem sie ihn auf der Jagd versehentlich angeschossen hat. Er verfügt über allerlei Wissen und behauptet, ein Magier zu sein. Doch schon bald müssen die beiden vor den Handlangern des grausamen Herzogs fliehen – weiter, als sie beide jemals geglaubt hätten.
Die Kombination dieser zwei Handlungsstränge in Christian Krachts neuem Roman „Air“ erscheint zunächst willkürlich, bis die Zeitebenen und Charaktere ganz subtil und spielerisch zu verschwimmen beginnen. Wie in einem Traum, der auch nur selten rationalen Regeln folgt, mag man sich dabei von dem Wunsch nach einer linearen und logischen Verkettung der Ereignisse befreien müssen und sich stattdessen von Krachts formvollendeten Schreibstil und dem feinen Humor tragen lassen. Denn auch wenn hier die Fantasy-Geschichte nicht neu erfunden wird und die Auflösung am Ende wenig überrascht, ist das Thema zwischen den Zeilen ein seltsam gegenwärtiges: die spätkapitalistische Sehnsucht nach der vermeintlichen Einfachheit vergangener Zeiten, die nostalgische Verklärung des Landlebens, die hier unauffällig ad absurdum geführt wird. Wie beinahe alle Romane Christian Krachts lebt „Air“ von seinen schrullig-liebenswerten Figuren und dem ebenso detailreichen wie leichtfüßigen Realismus. Ein unkonventioneller Genre-Mix und ein zeitweise bizarres, aber äußerst kurzweiliges und vergnügliches Buch.
Weit in den schroffen Norden Schottlands, bis auf die einsamen und unwirtlichen Orkney Inseln, hat sich der Schweizer Dekorateur Paul zurückgezogen. Abseits aller Annehmlichkeiten der urbanen Moderne versucht er sich der Schlichtheit des Dorflebens und der rauen Landschaft hinzugeben, während seine Arbeit weiter aus Designmöbeln und Farbpaletten besteht. Im Grunde träumt er nur von noch mehr Askese und noch größerer Einsamkeit, bis ihn eines Tages ein lukrativer Auftrag von einem seltsamen Tech-Mogul erreicht, der ihn kurzerhand nach Norwegen einfliegen lässt.
Unterdessen, in einer Zeit, die offenbar dem Hochmittelalter gleicht, und doch nicht so ganz zu unserer Welt zu gehören scheint, muss die neunjährige Waise Ildr einen merkwürdigen Fremden in ihrer Hütte aufnehmen, nachdem sie ihn auf der Jagd versehentlich angeschossen hat. Er verfügt über allerlei Wissen und behauptet, ein Magier zu sein. Doch schon bald müssen die beiden vor den Handlangern des grausamen Herzogs fliehen – weiter, als sie beide jemals geglaubt hätten.
Die Kombination dieser zwei Handlungsstränge in Christian Krachts neuem Roman „Air“ erscheint zunächst willkürlich, bis die Zeitebenen und Charaktere ganz subtil und spielerisch zu verschwimmen beginnen. Wie in einem Traum, der auch nur selten rationalen Regeln folgt, mag man sich dabei von dem Wunsch nach einer linearen und logischen Verkettung der Ereignisse befreien müssen und sich stattdessen von Krachts formvollendeten Schreibstil und dem feinen Humor tragen lassen. Denn auch wenn hier die Fantasy-Geschichte nicht neu erfunden wird und die Auflösung am Ende wenig überrascht, ist das Thema zwischen den Zeilen ein seltsam gegenwärtiges: die spätkapitalistische Sehnsucht nach der vermeintlichen Einfachheit vergangener Zeiten, die nostalgische Verklärung des Landlebens, die hier unauffällig ad absurdum geführt wird. Wie beinahe alle Romane Christian Krachts lebt „Air“ von seinen schrullig-liebenswerten Figuren und dem ebenso detailreichen wie leichtfüßigen Realismus. Ein unkonventioneller Genre-Mix und ein zeitweise bizarres, aber äußerst kurzweiliges und vergnügliches Buch.
Christian Kracht: Air, Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, 25 Euro
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