Ein „dummes Handy“ für mehr Gelassenheit? Der Dumbphone-Trend

Viele Menschen möchten ihre Bildschirmzeit reduzieren. Kann das „Dumbphone“ eine Lösung sein?
Viele Menschen möchten ihre Bildschirmzeit reduzieren. Kann das „Dumbphone“ eine Lösung sein?
Larissa Menne, funky-Jugendreporterin

Mal eben an der Bushaltestelle WhatsApp checken, an der Supermarktkasse parallel online shoppen und abends vor dem Schlafen noch eben die aktuellen Nachrichten ansehen. All das machen die meisten Menschen ganz selbstverständlich und dabei ist das Smartphone unser ständiger Begleiter. Gleichzeitig möchten einige ihre Bildschirmzeit reduzieren. Eine Möglichkeit dafür ist das sogenannte „Dumbphone“. Diese Handys haben Tasten anstelle eines Touchscreens, SMS statt Reels und weniger Speicherkapazität als das neueste Systemupdate bräuchte.

Der Trend ist aus den USA nach Europa gekommen und erfreut sich auch hierzulande immer größerer Beliebtheit. Die Wortschöpfung „Dumbphone“ ist dabei als Gegenteil zum „Smartphone“ zu verstehen und setzt sich aus den englischen Wörtern „dumb“ für dumm und „phone“ für Telefon zusammen.

Die Geräte, die weder Internet noch Bluetooth haben, werden es von namenhaften Herstellern wie Samsung hergestellt, aber auch von Firmen wie Nokia, die für „klassische Handys“ bekannt sind,. Die handlichen Dumbphones sind bereits ab 20 Euro zu haben und zeichnen sich durch eine lange Akkudauer und eine Speicherkapazität von meist 32 Mega(!)byte aus. Der Speicher reicht also gerade einmal für die wichtigsten Kontakte im Telefonbuch und ein paar Kalendereinträge. Musik hören oder gar Fotos und Videos machen ist nicht drin.

Aber genau das möchten „Dumbphone“-Nutzende. Die einfachen Telefone sollen dabei helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und somit mehr Zeit für das reale Leben zu haben und zudem das eigene Umfeld intensiver wahrzunehmen.

Die Handys werden nicht, wie es von vielen vermutet, hauptsächlich von Älteren genutzt, die möglicherweise nicht gut mit Smartphones umgehen können oder sich dadurch Nostalgie-Gefühle ersehnen, sondern von jungen Menschen der Generation Z, die sich bewusst für die Offline-Zeit entscheiden. Wie lange der Trend anhält, ist noch ungewiss. Denn die meistverkauften Handys sind immer noch Smartphones, die bekanntlich die „dummen Handys“ vor einigen Jahren überholten.

Dennoch werden die Vorteile der Tastenhandys schnell deutlich. Neben dem fairen Preis und einem langlebigen Akku sind sie auch handlich und robust, sodass der Bildschirm nicht direkt nach dem ersten Sturz einem Spinnennetz gleicht. Auch bei der Bedienung – wenn dann doch mal eine Nachricht versendet werden muss – setzt schnell ein Entschleunigungsgefühl ein, da durch die unauffällige Farbgebung des Displays einfach nicht so viel los ist wie auf dem Smartphonebildschirm. Man gerät nicht in einen Teufelskreis, weil man immer weiter swipen möchte, sondern macht wirklich nur das Nötigste an seinem Telefon. Auch sind die Nutzenden durch die wenigen Benachrichtigungen weniger abgelenkt und möglicherweise auch produktiver. Für den ein oder die andere kann das „unsmarte Telefon“ vielleicht auch zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen.

Dennoch werden auch die begrenzten Möglichkeiten des Telefons bereits nach einer kurzen Nutzungszeit deutlich. Telefonieren während der Autofahrt ist nicht möglich, Bezahlen per NFC mit dem Handy oder smarte To-Do-Listen dabeizuhaben auch nicht und auch das Musikhören wird vielen wohl schnell fehlen. Zudem könnte bald das Gefühl aufkommen, abgehängt zu sein, da kein Zugang zu den Whatsappgruppen, Mails von der Arbeit oder aktuellen Nachrichten möglich ist.

Insgesamt kann ein „Dumbphone“ aber eventuell doch ein erster Schritt sein, um weniger Zeit am Handy zu verbringen. Insbesondere für alle, die nicht sofort komplett auf ihr Smartphone verzichten möchten, sondern es für einen kurzen Zeitraum gegen das „Dumbphone“ austauschen möchten, um einfach mal zu erleben, wie oft man einfach so nebenbei am Handy ist.

Inwieweit das „Dumbphone“ wirklich dazu beitragen kann, die Bildschirmzeit zu reduzieren, kommt vor allem auch auf die persönliche Ausdauer und Willensstärke an. All die „Verlockungen des Internets“ sind natürlich weiterhin über den Computer oder das Tablet möglich. Aber um zu verhindern, mal eben in der Schlange beim Bäcker, im Wartezimmer beim Arzt oder sogar auf der Toilette das Smartphone zu zücken, um Mails oder die sozialen Medien zu checken und dennoch im Notfall telefonisch erreichbar zu sein, kann das „Dumbphone“ ein zuverlässiger (Teilzeit-)Begleiter sein.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.