Der Journalismus ist tot – es lebe der Journalismus! In „Das Prinzip Trotzdem – Warum wir den Journalismus vor den Medien retten müssen“ beschreibt der Schweizer Publizist Roger de Weck, wie die Dynamiken und Gesetze des modernen Medienbetriebs, der Online-Plattformen und der sozialen Netzwerke den Prinzipien des klassischen Journalismus widersprechen. Gleichzeitig betont er, warum Journalist:innen trotzdem die ethischen und handwerklichen Grundlagen ihres Berufes auf keinen Fall vergessen dürfen.
In aller Kürze umreißt de Weck zunächst die Geschichte des Journalismus und seine fundamentale Bedeutung für die Demokratie, bevor er die oft zitierte Medienkrise anschaulich und fundiert seziert: wie der Online-Journalismus der Aufmerksamkeitsökonomie von Social Media hinterherrennt, wie populistische und antidemokratische Kräfte jede Form von unabhängiger Berichterstattung zu unterdrücken versuchen und nicht zuletzt, dass das journalistische Geschäftsmodell in einer tiefen finanziellen Krise steckt.
(c) Suhrkamp Verlag
Statt kritischer Einordnung oder investigativer Recherche identifiziert de Weck eine Flut von Infotainment-Formaten wie den „Inhaltebesorgungsjournalismus“ oder den „Ich-Journalismus“, die einzig auf Klicks im unüberschaubaren Online-Konkurrenzkampf abzielen – nicht nur im Boulevardjournalismus, sondern auch in den sogenannten Qualitätsmedien. Der Grund sei ein strukturelles Problem: Immer kleinere Redaktionen müssen eine immer größere Zahl medialer Kanäle bespielen. Das schmälere nicht nur das Selbstbewusstsein der Branche, sondern spiele letzten Endes den Feinden einer kritischen Presse in die Karten.
Im letzten Drittel des Buches schlägt Roger de Weck schließlich eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, um den Journalismus aus der Krise zu holen und seine bedeutsame Stellung als vierte Gewalt im Staat zu sichern. Journalist:innen, Redaktionen und Verlage müssten sich ihrer Ursprünge als kritischer Beobachter der Demokratie und „Spielverderber“ gegenüber den Mächtigen vergewissern. Das bedeutet de Weck zufolge auch, dem Publikum nicht grundsätzlich eine kurze Aufmerksamkeitsspanne zu unterstellen und es mit hastig produzierten „Produkten“ zu beliefern. Stattdessen könne das Vertrauen der Leser:innen auch mit qualitativ hochwertigen, umfassend recherchierten und kritisch-informativen Inhalten zurückgewonnen werden. Dafür brauche es aber eine bessere öffentliche Förderung von unabhängigem Journalismus sowie einen stärkeren juristischen Schutz der Pressefreiheit, etwa nach dem Vorbild der skandinavischen Länder.
„Das Prinzip Trotzdem“ ist ein hochaktuelles und aufrüttelndes Buch, das die Rückversicherung auf die Werte und Prinzipien von Journalismus fordert, statt in blinden Alarmismus zu verfallen. Dass die sozialen Medien die öffentliche Debatte massiv verändern und der klassische Journalismus in der Krise steckt, liest man zwar häufig – doch selten so trennscharf und analytisch beobachtet. Eine Pflichtlektüre, nicht nur für angehende Journalist:innen, sondern für alle Medieninteressierten.
Der Journalismus ist tot – es lebe der Journalismus! In „Das Prinzip Trotzdem – Warum wir den Journalismus vor den Medien retten müssen“ beschreibt der Schweizer Publizist Roger de Weck, wie die Dynamiken und Gesetze des modernen Medienbetriebs, der Online-Plattformen und der sozialen Netzwerke den Prinzipien des klassischen Journalismus widersprechen. Gleichzeitig betont er, warum Journalist:innen trotzdem die ethischen und handwerklichen Grundlagen ihres Berufes auf keinen Fall vergessen dürfen.
In aller Kürze umreißt de Weck zunächst die Geschichte des Journalismus und seine fundamentale Bedeutung für die Demokratie, bevor er die oft zitierte Medienkrise anschaulich und fundiert seziert: wie der Online-Journalismus der Aufmerksamkeitsökonomie von Social Media hinterherrennt, wie populistische und antidemokratische Kräfte jede Form von unabhängiger Berichterstattung zu unterdrücken versuchen und nicht zuletzt, dass das journalistische Geschäftsmodell in einer tiefen finanziellen Krise steckt.
Statt kritischer Einordnung oder investigativer Recherche identifiziert de Weck eine Flut von Infotainment-Formaten wie den „Inhaltebesorgungsjournalismus“ oder den „Ich-Journalismus“, die einzig auf Klicks im unüberschaubaren Online-Konkurrenzkampf abzielen – nicht nur im Boulevardjournalismus, sondern auch in den sogenannten Qualitätsmedien. Der Grund sei ein strukturelles Problem: Immer kleinere Redaktionen müssen eine immer größere Zahl medialer Kanäle bespielen. Das schmälere nicht nur das Selbstbewusstsein der Branche, sondern spiele letzten Endes den Feinden einer kritischen Presse in die Karten.
Im letzten Drittel des Buches schlägt Roger de Weck schließlich eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, um den Journalismus aus der Krise zu holen und seine bedeutsame Stellung als vierte Gewalt im Staat zu sichern. Journalist:innen, Redaktionen und Verlage müssten sich ihrer Ursprünge als kritischer Beobachter der Demokratie und „Spielverderber“ gegenüber den Mächtigen vergewissern. Das bedeutet de Weck zufolge auch, dem Publikum nicht grundsätzlich eine kurze Aufmerksamkeitsspanne zu unterstellen und es mit hastig produzierten „Produkten“ zu beliefern. Stattdessen könne das Vertrauen der Leser:innen auch mit qualitativ hochwertigen, umfassend recherchierten und kritisch-informativen Inhalten zurückgewonnen werden. Dafür brauche es aber eine bessere öffentliche Förderung von unabhängigem Journalismus sowie einen stärkeren juristischen Schutz der Pressefreiheit, etwa nach dem Vorbild der skandinavischen Länder.
„Das Prinzip Trotzdem“ ist ein hochaktuelles und aufrüttelndes Buch, das die Rückversicherung auf die Werte und Prinzipien von Journalismus fordert, statt in blinden Alarmismus zu verfallen. Dass die sozialen Medien die öffentliche Debatte massiv verändern und der klassische Journalismus in der Krise steckt, liest man zwar häufig – doch selten so trennscharf und analytisch beobachtet. Eine Pflichtlektüre, nicht nur für angehende Journalist:innen, sondern für alle Medieninteressierten.
Roger de Weck: Das Prinzip Trotzdem, Suhrkamp Verlag, 224 Seiten, 17 Euro
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