Manifestieren: Die (gefährliche) Kraft der Gedanken

Reicht wirklich das Manifestieren allein aus, um Berge zu versetzen?
Reicht wirklich das Manifestieren allein aus, um Berge zu versetzen?
Jule Noike, funky-Jugendreporterin

Wer nur fest genug an seine Wünsche glaubt, der wird mit ihrer Erfüllung belohnt: Aus dieser spirituellen Idee, auch Manifestieren genannt, ist in den letzten Jahren in den sozialen Medien ein regelrechter Hype entstanden. Doch reicht wirklich der sprichwörtliche Glaube allein aus, um Berge zu versetzen?

In mehr als 12 Millionen Beiträgen auf Instagram und sechs Millionen Videos auf TikTok werben zahlreiche Influencer und Influencerinnen mit dem Versprechen, einen Wunschzustand durch ihr Coaching in den Ist-Zustand zu verwandeln. Es ist ein richtiges Geschäftsmodell entstanden, das mit dem Bedürfnis der Menschen nach Glück, Geld und Liebe Profit macht. Jedoch verbergen die ausgeschmückten Erfolgsgeschichten auf den Websites der Coaches oft die horrenden Kosten, die man für diese heißt ersehnte „Transformation in allen Lebensbereichen“ aufbringen muss. Recherchen des SWR-Investigativformats „Vollbild“ ergaben, dass die Kunden und Kundinnen teilweise 60.000 Euro für ein neunmonatiges Coaching ausgegeben haben.

Getäuscht durch die „wahrgewordenen Wunder“, die in den sozialen Medien fleißig gestreut werden, entstehen Schuldenberge, die sicher nicht zu einem unbeschwerten Leben beitragen. Zudem beklagen viele der Teilnehmenden, dass die Investition sich nicht einmal gelohnt hätte und die erhofften Effekte ausgeblieben wären.

Psychologen und Psychologinnen befürchten sogar zusätzliche negative Auswirkungen auf die Psyche, da die erzwungene Positivität des Manifestierens zu einer regelrechten Angst vor pessimistischen Gedanken führen kann. Ungeachtet der Tatsache, dass negative Gedanken vollkommen normal sind, blendet Manifestation diese häufig komplett aus, was in der sogenannten „erlernte Hilfslosigkeit“ münden kann. Durch das konsequente Ignorieren negativer Gedanken verlernt die Psyche, mit ihnen umzugehen, und reagiert mit Hilfslosigkeit und Selbstzweifeln auf jeden Anflug von Negativität.

Besonders gefährlich wird es laut den Experten und Expertinnen, wenn Menschen die Schuld an schlimmen Ereignissen in ihren eigenen Gedanken suchen. Sie sehen die Gefahr, dass zum Beispiel jemand schwer Erkranktes sich Vorwürfe macht, diese Krankheit aufgrund negativer Gedanken oder Glaubenssätze selbst verursacht zu haben.

Jedoch endet nicht jeder Versuch, dem Leben mit mehr Positivität zu begegnen und an wahr gewordene Wünsche zu glauben, mit Depressionen oder Selbsthass. Im Gegenteil, Studien belegen die fördernde Wirkung positiver Affirmationen auf die mentale und körperliche Gesundheit. Es muss ja auch nicht zwingend jedes Mantra die Worte „Ich bin glücklich“ beinhalten. Sich einzugestehen, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein, ist eine ebenso wertvolle Erkenntnis, die den Umgang mit negativen Gedanken erleichtern kann. Bei dem ganzen Denken sollte man jedoch nicht vergessen: Um Träume in die Tat umzusetzen, schadet es manchmal nicht, dem Handeln den Vorrang vor dem ständig kreisenden Gedankenkarussell einzuräumen.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.