Verschenkte Instagram-Accounts – Wie Joko und Klaas iranischen Aktivistinnen Gehör verschaffen

Fernsehpersönlichkeiten Joko und Klaas sehen nebeneinander
Joko und Klaas verschenken ihre 2 Millionen Follower Instagram-Accounts an die iranischen Aktivistinnen Azam Jangravi und Sarah Ramani - "Frauen, Leben, Freiheit"
Marie Wilcke, funky-Jugendreporterin

„Ich bin Azam Jangravi, eine iranische Frauenrechtsaktivistin und ab sofort werde ich diesen Account nutzen, um über die aktuelle Protestbewegung für Frauenrechte im Iran zu berichten.“ Dies ist der Beginn des Videos, welches im Instagram-Feed der 1,4 Millionen Follower des Accounts @officiallyjoko auftauchte. Zuvor fand man auf diesem Account noch die Beiträge des deutschen Entertainers Joko Winterscheidt. Ähnliches fand zeitgleich auf dem offiziellen Account seines Kollegen Klaas Heufer-Umlauf (@damitdasklaas) statt.

Zwei der beiden größten Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens verschenken ihre Instagram-Accounts – mit der dazugehörigen Reichweite von über 2 Millionen Followern. Eine Aktion, die eine starke Solidarität mit einer der größten aktuellen Protestbewegungen zeigt, sowie ein modernes Verständnis für das Nutzen sozialer Medien und ihrem Einfluss beweist.

Bereits seit Wochen toben die Straßen Irans: Unter dem Slogan „Women, Life, Freedom“ („Frauen, Leben, Freiheit“) protestieren tausende Iraner*innen gegen das unterdrückende System ihrer Regierung und riskieren damit ihr Leben. Es ist eine Revolution für Frieden, für Freiheit und insbesondere für die Rechte von Frauen. Nach dem gewaltsamen Tod der 22-jährigen Mahsa Jina Amini durch die iranische Sittenpolizei Mitte September, wurde dem Aufstand nicht nur ein Gesicht, sondern auch neue Dimensionen verliehen. Darauffolgende Proteste überschritten die nationalen Grenzen des Irans und erreichten vor allem durch die sozialen Medien große internationale Aufmerksamkeit.

Auch das Entertainer-Duo Joko und Klaas widmeten sich dieser Thematik in ihrem Format „Joko und Klaas 15 Minuten live“, welches am 26. Oktober auf ProSieben ausgestrahlt wurde.

Innerhalb von 15 Minuten fassten die beiden Moderatoren die Motivation und das Ausmaß der iranischen Proteste übersichtlich und unter Einbindung von Interviews mit zwei iranischen Aktivistinnen zusammen: Azam Jangravi musste 2018 aus ihrem Heimatland fliehen, nachdem sie an einem Protest teilnahm und ihr nun eine Gefängnisstrafe droht. „Man kann sich nicht vorstellen, wie schwierig es für Frauen im Iran ist. Selbst auf der Straße entlanglaufen ist dort nicht sicher. Die sogenannte „Sittenpolizei“ ist überall und kann Frauen grundlos verhaften“, schildert Jangravi bewegt. Auch Sarah Ramani, die seit einem Jahr aktiv die erdrückenden Zustände des iranischen Systems auf den sozialen Medien teilt, erklärt: „Das Regime verbreitet im Staatsfernsehen Propaganda, dass alles ruhig und unter Kontrolle sei. Aber gleichzeitig töten sie Menschen auf den Straßen. Also nutze ich meine Plattform, um der Wahrheit Gehör zu verschaffen. […] Wir müssen die Stimme der Iraner*innen sein.“

Diesem finalen Appell folgte eine Ankündigung von Joko und Klaas: Ab sofort werden ihre jeweiligen Instagram-Accounts, mit der geballten Reichweite für immer zu den Sprachrohren der beiden mutigen Aktivistinnen Azam Jangravi und Sarah Ramani. „Wir haben den Eindruck, dass alles, was wir auf Instagram posten würden, nicht viel wert ist, gegenüber dem, was von diesen beiden Damen im Moment gepostet werden muss. Denn das Schlimmste, was passieren kann, ist das niemand hinschaut, was im Iran passiert“, begründet Klaas den gemeinsamen Entschluss der beiden Fernsehgrößen.

Das Lob und die Anerkennung für diese Aktion ertönten bereits kurz nach der Ausstrahlung der Sendung aus allen Ecken der deutschen Medienlandschaft. Schließlich ist das wortwörtliche Schenken von Reichweite, eine sehr neue und unerwartete Steigerung des „einfachen“ Nutzens von Reichweite für einen guten Zweck. Joko und Klaas zeugen mit dieser Aktion einen großen Respekt vor der iranischen Protestbewegung und beweisen ein fortschrittliches Gespür für den Unterschied zwischen eigener medialer Präsenz und Relevanz in Zeiten großer gesellschaftspolitischer Krisen. In der virtuellen und oftmals trügerischen Welt der sozialen Medien bestätigen Joko und Klaas also das Paradox, dass Bescheidenheit manchmal die größte Aufmerksamkeit erzielt.

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