Besserwisserwissen: Der Islamische Fastenmonat Ramadan

Tausende Muslime stehen vor einer Moschee während die Sonne untergeht
Die Jama Masjid ist die größte Moschee Indiens (Deli), und eine der größten der Welt.

Bis zum 2.Mai fasten Millionen Muslime*a in Deutschland, denn es ist Ramadan, der islamische Fastenmonat. In Deutschland leben zwischen 4,4 – 4,7 Millionen Muslime*a, das sind mehr als fünf Prozent der deutschen Bevölkerung. Viele Gläubige leben während des Ramadans ein besonderes Leben. Doch was bedeutet das konkret für ihren Alltag?

Amelie Bahlert, funky-Jugendreporterin

Im Koran werden fünf Pflichten formuliert, die ein*e Gläubige*r zu befolgen hat. Diese werden auch die fünf Säulen des Islams genannt und gelten als essenzielle Lehre. Neben dem Glaubensbekenntnis zu Allah und Mohammed (Schahada) sowie der Wallfahrt nach Mekka (Hadjdj), gehören das fünfmalige tägliche Gebet (Salat), die Almosenabgabe (Zakat), sowie das Fasten selbst (Saum) zu den Säulen des Islams.

Ramadan liegt im neunten Monat des islamischen Mondkalenders und dauert 29-30 Tage. Da dieser Kalender nur 355 Tage hat, wandert der Ramadan jährlich rund 10 Tage und kann daher zu jeder Jahreszeit beginnen.

Wer am Ramadan teilnimmt, ist dazu angehalten fünfmal täglich zu beten. Außerdem soll der Monat zur intensiven Studie des Korans genutzt werden. Hauptmerkmal des Ramadans ist das Fasten, bei dem von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts in die natürlichen Körperöffnungen geführt werden darf. Das bedeutet konkret, das Essen, Trinken (auch Wasser), Sex und Rauchen verboten sind. Jeden Abend wird nach Sonnenuntergang das Fasten, beim so genannten Iftār gebrochen. Ein Abendmahl an dem oft die ganze Familie, Nachbarn und andere Gläubige feierlich teilnehmen. Ramadan hat also eine nicht zu unterschätzende soziale Komponente, die eine Gemeinschaft durch die gemeinsamen Erfahrungen des Fastens, und Fastenbrechens, näher zusammenführt.

Das Fasten soll den*die Gläubige*n jedes Jahr dazu anregen den eigenen Glauben zu festigen. Es soll den Fastenden in Geduld lehren, und zeigen, dass man seinen Trieben widerstehen kann. Da niemand das eigene Fasten kontrolliert, dreht sich im Ramadan alles um Selbstbeherrschung und die persönliche Bindung zu Allah. Es soll aber auch eine rechtschaffende muslimische Gemeinschaft stärken. Viele empfinden das Fasten auch als Stärkung der Empathie, ganz besonders für die Menschen, die nicht freiwillig verzichten, sondern aus Armut hungern.

Ab der Pubertät kann jede*r Muslime*a  am Ramadan teilnehmen. Diejenigen, die sehr mühsame Arbeit verrichten, also Schwangere, Stillende, Reisende sowie sehr hart arbeitende Menschen oder alte Menschen und Kinder sind davon ausgenommen. Die Almosenabgabe spielt während des Ramadans eine große Rolle, weshalb besonders die, die nicht am Ramadan teilnehmen, ihre Gastfreundlichkeit und Wohltätigkeit anbieten sollen.

Mit dem Fest des Fastenbrechens, das auch Zuckerfest (Arabisch: Eid al-Fitr) genannt wird, wird die Fastenzeit am Ende des Monats feierlich beendet, und der Monat Schawwal eingeleitet. Das Fest ist eines der wichtigsten im Islamischen Glauben, kann bis zu drei Tage andauern, und variiert je Region in ihrer Ausführung.

Der Fastenmonat ist im Leben eines Gläubigen ein wichtiger und heiliger Bestandteil. Das Fasten ist eine Probe der mentalen Stärke, und physisch anspruchsvoll. Bevor du dich also fragst, weshalb sich dein*e muslimische*r Bekannte*r etwas anders während Ramadan verhält, probier’s doch auch mal aus! Oder habe zumindest im Hinterkopf, dass Muslime im Fastenmonat besonderen Herausforderungen im Alltag gegenüberstehen. Denn Verständnis fördert Toleranz.

Disclaimer: Natürlich ist kein*e Muslim*a zum Fasten verpflichtet. Der Glaube und ob/wie man ihn auslegt ist eine höchst persönliche Angelegenheit, bei der es kein richtig und kein falsch gibt (so lange ein respektvoller, toleranter Umgang gewahrt wird). Außerdem ist das Fasten an keine Religion gebunden, viele Religionen haben eine Zeit des Fastens oder Verzichts. Deine persönlichen Gründe zu fasten, müssen nichts mit einer Religion zu tun haben.

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