Früh aufstehen, Verantwortung übernehmen und Menschen begleiten: Für Jan Bichl gehört das längst zum Alltag. Der 33-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zum Pflegefachmann in der Stiftung Anscharhöhe in Hamburg-Eppendorf. Im Gespräch erzählt er, was ihn an der Arbeit mit älteren Menschen begeistert, welche Herausforderungen die Pflege mit sich bringt und warum mehr junge Menschen den Beruf kennenlernen sollten.
Lieber Jan, wie bist du auf die Idee gekommen, eine Ausbildung in der Altenpflege zu machen? Jan Bichl: Lustigerweise durch meine Mom. Sie arbeitet schon viele Jahre in der Pflege und ist jetzt mit mir im selben Pflegeheim tätig. Sie ist meine große Motivation. Damals habe ich zunächst sechs Jahre lang in der Hauswirtschaft im Pflegeheim gearbeitet. Da habe ich die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger gesehen und fand ihren Beruf sehr interessant. Zunächst habe ich mich nicht getraut, aber weil ich so gut mit den Menschen umgehen konnte, wurde ich von meinem Anleiter und der Stiftung motiviert, die Ausbildung zu beginnen.
Hattest du anfangs Vorurteile gegenüber dem Beruf? Nicht wirklich. Da ich bereits in der Hauswirtschaft tätig war und viel Kontakt zu älteren Menschen hatte, gab es bei mir keine Berührungsängste. Auch meine kontaktfreudige Art war ein großer Vorteil.
Wenn Bewohnerinnen oder Bewohner verstarben, war das anfangs sehr hart. Man baut eine starke Bindung zu den Menschen auf, verbringt viel Zeit mit ihnen und lernt ihre Geschichte kennen. Da sind auch Tränen geflossen.
Jan Bichl
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus? Ich stehe morgens früh auf, um vier Uhr. Um sechs Uhr fange ich an zu arbeiten, aber ich brauche vorher noch Zeit für mich, damit ich vorbereitet und mental stabil zur Arbeit gehen kann. Angekommen im Wohnbereich hole ich mir zuerst einen Kaffee. Im Dienstzimmer lese ich mir den Übergabebogen durch. Die Nachtschicht berichtet dann, auf was wir achten müssen und was nachts passiert ist. Als Auszubildender habe ich fünf Bewohner, um die ich mich persönlich als Bezugspfleger kümmere. Je nach ihren Vorlieben, wann sie am liebsten aufstehen, gehe ich dann nacheinander zu ihnen.
Welche Aufgaben machen dir am meisten Spaß? Bewegungsübungen, die Menschen mobilisieren. Dadurch können beispielsweise Schmerzen gelindert werden. Ich mag es, Menschen zu motivieren, denen es schwerfällt aufzustehen, indem ich ihnen bewusst mache, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist.
Gab es Momente in deiner bisherigen Ausbildung, die dir ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind? Insbesondere ist das ein anderer Auszubildender. Wir haben eine ähnliche Einstellung gegenüber der Pflege, zusammen die Ausbildung zur Gesundheits- und Pflegeassistenz absolviert und dann gemeinsam beschlossen, auch Pflegefachmann zu werden. Im Pflegeheim ist mir besonders in Erinnerung geblieben, dass die Bewohnerinnen und Bewohner am Ende des Tages glücklich waren und ich immer ein sehr gutes Feedback bekommen habe. Natürlich ist der Beruf manchmal stressig, aber ich sehe uns als eine große Familie.
Was sind die größten Herausforderungen in der Ausbildung oder im Pflegealltag? Vor allem Meinungsverschiedenheiten bezüglich pflegetechnischer Ansätze. Ich habe viele Ideen, die ich gerne einbringen möchte. Gerade in der Berufsschule gibt es jedoch schon ein festes System und man ist als Schüler untergeordnet. Es ist eine Herausforderung, mich erstmal zurückzuhalten und abzuwarten, meine Ideen nach der Ausbildung umzusetzen.
Viele Auszubildende möchten später lieber in Gewerkschaften agieren oder sich selbstständig machen, statt im starren System der klassischen Festanstellung zu bleiben.
Jan Bichl
Wie gehst du mit den emotionalen Belastungen um, die eine Ausbildung in der Altenpflege mit sich bringt? Wenn Bewohnerinnen oder Bewohner verstarben, war das anfangs sehr hart. Man baut eine starke Bindung zu den Menschen auf, verbringt viel Zeit mit ihnen und lernt ihre Geschichte kennen. Da sind auch Tränen geflossen. Ich habe deshalb auch etwas gezweifelt, ob der Beruf wirklich das Richtige für mich ist. Allerdings war die Person letztendlich glücklich, solange ich sie gepflegt habe. Ich habe mich bemüht, den Menschen ein Lächeln zu schenken und alles richtig zu machen. Nach einiger Zeit erlernt man einen geschulteren Umgang mit dem Leben und Sterben, aber es ist immer noch schwer.
Wie nimmst du die öffentliche Wahrnehmung des Pflegeberufs wahr? Findest du, dass ihr genügend Anerkennung für eure Arbeit erhaltet? Es ist ein schwieriges Thema. Social-Media-Aktionen zum Pflegeberuf sind zum Beispiel cool, aber es kann auch gefährlich werden, wenn die Pflege zum Hype und der Beruf dadurch weniger ernstgenommen wird. Man wird insgesamt nicht gut angesehen, finde ich. Viele Auszubildende möchten später lieber in Gewerkschaften agieren oder sich selbstständig machen, statt im starren System der klassischen Festanstellung zu bleiben. Dahinter steckt der Wunsch nach Autonomie und Selbstbestimmung. Durch gewerkschaftliche Arbeit wollen sie aktiv Druck aufbauen, um politisch etwas zu verändern. Andere wählen den Weg in die Honorarpflege oder zu Zeitarbeitsfirmen. Auch wenn die Politik aktuell versucht, diese flexiblen Arbeitsformen gesetzlich einzuschränken, bieten sie Pflegenden derzeit oft die einzige Möglichkeit, die eigenen Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, „Nein“ zum ständigen Einspringen zu sagen und ein faires Gehalt zu bekommen. Es ist ein Akt der Selbstverteidigung gegen ein System, das uns zu lange ignoriert hat.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Altenpflege und was würdest du jungen Menschen sagen, die über diesen Beruf nachdenken? Ich denke, man sollte sich trauen. Es wäre gut, bereits vorher einen ersten Einblick in die Pflege zu erhalten. Der Beruf bietet viele viel Flexibilität und viele Möglichkeiten sich fortzubilden. Ansonsten wünsche ich mir, dass der ambulante Bereich größer wird und die Menschen sich nicht davor fürchten müssen, im Alter auf Unterstützung angewiesen zu sein. Die Einstellung der Gesellschaft zum Pflegeberuf hat sich darüber hinaus schon stark verändert und es entscheiden sich mehr jüngere Menschen für eine Pflegeausbildung.
Früh aufstehen, Verantwortung übernehmen und Menschen begleiten: Für Jan Bichl gehört das längst zum Alltag. Der 33-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zum Pflegefachmann in der Stiftung Anscharhöhe in Hamburg-Eppendorf. Im Gespräch erzählt er, was ihn an der Arbeit mit älteren Menschen begeistert, welche Herausforderungen die Pflege mit sich bringt und warum mehr junge Menschen den Beruf kennenlernen sollten.
Lieber Jan, wie bist du auf die Idee gekommen, eine Ausbildung in der Altenpflege zu machen?
Jan Bichl: Lustigerweise durch meine Mom. Sie arbeitet schon viele Jahre in der Pflege und ist jetzt mit mir im selben Pflegeheim tätig. Sie ist meine große Motivation. Damals habe ich zunächst sechs Jahre lang in der Hauswirtschaft im Pflegeheim gearbeitet. Da habe ich die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger gesehen und fand ihren Beruf sehr interessant. Zunächst habe ich mich nicht getraut, aber weil ich so gut mit den Menschen umgehen konnte, wurde ich von meinem Anleiter und der Stiftung motiviert, die Ausbildung zu beginnen.
Hattest du anfangs Vorurteile gegenüber dem Beruf?
Nicht wirklich. Da ich bereits in der Hauswirtschaft tätig war und viel Kontakt zu älteren Menschen hatte, gab es bei mir keine Berührungsängste. Auch meine kontaktfreudige Art war ein großer Vorteil.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Ich stehe morgens früh auf, um vier Uhr. Um sechs Uhr fange ich an zu arbeiten, aber ich brauche vorher noch Zeit für mich, damit ich vorbereitet und mental stabil zur Arbeit gehen kann. Angekommen im Wohnbereich hole ich mir zuerst einen Kaffee. Im Dienstzimmer lese ich mir den Übergabebogen durch. Die Nachtschicht berichtet dann, auf was wir achten müssen und was nachts passiert ist. Als Auszubildender habe ich fünf Bewohner, um die ich mich persönlich als Bezugspfleger kümmere. Je nach ihren Vorlieben, wann sie am liebsten aufstehen, gehe ich dann nacheinander zu ihnen.
Welche Aufgaben machen dir am meisten Spaß?
Bewegungsübungen, die Menschen mobilisieren. Dadurch können beispielsweise Schmerzen gelindert werden. Ich mag es, Menschen zu motivieren, denen es schwerfällt aufzustehen, indem ich ihnen bewusst mache, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist.
Gab es Momente in deiner bisherigen Ausbildung, die dir ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Insbesondere ist das ein anderer Auszubildender. Wir haben eine ähnliche Einstellung gegenüber der Pflege, zusammen die Ausbildung zur Gesundheits- und Pflegeassistenz absolviert und dann gemeinsam beschlossen, auch Pflegefachmann zu werden. Im Pflegeheim ist mir besonders in Erinnerung geblieben, dass die Bewohnerinnen und Bewohner am Ende des Tages glücklich waren und ich immer ein sehr gutes Feedback bekommen habe. Natürlich ist der Beruf manchmal stressig, aber ich sehe uns als eine große Familie.
Was sind die größten Herausforderungen in der Ausbildung oder im Pflegealltag?
Vor allem Meinungsverschiedenheiten bezüglich pflegetechnischer Ansätze. Ich habe viele Ideen, die ich gerne einbringen möchte. Gerade in der Berufsschule gibt es jedoch schon ein festes System und man ist als Schüler untergeordnet. Es ist eine Herausforderung, mich erstmal zurückzuhalten und abzuwarten, meine Ideen nach der Ausbildung umzusetzen.
Wie gehst du mit den emotionalen Belastungen um, die eine Ausbildung in der Altenpflege mit sich bringt?
Wenn Bewohnerinnen oder Bewohner verstarben, war das anfangs sehr hart. Man baut eine starke Bindung zu den Menschen auf, verbringt viel Zeit mit ihnen und lernt ihre Geschichte kennen. Da sind auch Tränen geflossen. Ich habe deshalb auch etwas gezweifelt, ob der Beruf wirklich das Richtige für mich ist. Allerdings war die Person letztendlich glücklich, solange ich sie gepflegt habe. Ich habe mich bemüht, den Menschen ein Lächeln zu schenken und alles richtig zu machen. Nach einiger Zeit erlernt man einen geschulteren Umgang mit dem Leben und Sterben, aber es ist immer noch schwer.
Wie nimmst du die öffentliche Wahrnehmung des Pflegeberufs wahr? Findest du, dass ihr genügend Anerkennung für eure Arbeit erhaltet?
Es ist ein schwieriges Thema. Social-Media-Aktionen zum Pflegeberuf sind zum Beispiel cool, aber es kann auch gefährlich werden, wenn die Pflege zum Hype und der Beruf dadurch weniger ernstgenommen wird. Man wird insgesamt nicht gut angesehen, finde ich. Viele Auszubildende möchten später lieber in Gewerkschaften agieren oder sich selbstständig machen, statt im starren System der klassischen Festanstellung zu bleiben. Dahinter steckt der Wunsch nach Autonomie und Selbstbestimmung. Durch gewerkschaftliche Arbeit wollen sie aktiv Druck aufbauen, um politisch etwas zu verändern. Andere wählen den Weg in die Honorarpflege oder zu Zeitarbeitsfirmen. Auch wenn die Politik aktuell versucht, diese flexiblen Arbeitsformen gesetzlich einzuschränken, bieten sie Pflegenden derzeit oft die einzige Möglichkeit, die eigenen Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, „Nein“ zum ständigen Einspringen zu sagen und ein faires Gehalt zu bekommen. Es ist ein Akt der Selbstverteidigung gegen ein System, das uns zu lange ignoriert hat.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Altenpflege und was würdest du jungen Menschen sagen, die über diesen Beruf nachdenken?
Ich denke, man sollte sich trauen. Es wäre gut, bereits vorher einen ersten Einblick in die Pflege zu erhalten. Der Beruf bietet viele viel Flexibilität und viele Möglichkeiten sich fortzubilden. Ansonsten wünsche ich mir, dass der ambulante Bereich größer wird und die Menschen sich nicht davor fürchten müssen, im Alter auf Unterstützung angewiesen zu sein. Die Einstellung der Gesellschaft zum Pflegeberuf hat sich darüber hinaus schon stark verändert und es entscheiden sich mehr jüngere Menschen für eine Pflegeausbildung.
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