Ist Klimaschutz uncool geworden? 

Ein Plakat mit der Aufschrift "Schule frei für FridaysForFuture"
Die glorreichen Tage von Fridays For Future scheinen vorüber zu sein.
Larissa Menne, funky-Jugendreporterin

Angesichts der aktuellen politischen Lage fühlt es sich für viele Menschen so an, als wäre Klimaschutz out. Themen wie Kriege, und Konflikte scheinen ihn zu verdrängen. Dabei ist er wichtiger denn je.  

Auf den ersten Blick sieht es nicht gut aus für die Vorkämpfer:innen des Klimaschutzes. Die glorreichen Zeiten von „Fridays for Future“, als freitags hunderttausende junge Menschen statt in die Schule auf die Straßen gingen, sind vorbei. Interne Streitigkeiten und Kontroversen um Greta Thunberg haben ihre Spuren hinterlassen. Junge Menschen gehen aktuell lieber wegen der Wehrpflicht-Debatte auf die Straße, weil sie befürchten, dass die Musterung sie eher trifft als die nächste Wetterkatastrophe. 

Selbst die Grünen, die Partei, die wie keine andere für Klimaschutz steht, wirken, als hätten sie ihr Kernthema aus den Augen verloren. Das spiegelt sich auch in den stark gesunkenen Zustimmungswerten unter der jungen Wählerschaft wider. 

Und während sich die Welt im permanenten Ausnahmezustand eingerichtet zu haben scheint, rutscht der Klimaschutz immer weiter aus dem Blickfeld. Doch nur, weil ein Thema momentan nicht auf allen Wahlplakaten steht, heißt das nicht, dass es unwichtig geworden ist. Die aktuelle Jugendstudie zeigt klar: Die Klimakrise bleibt eine der größten Sorgen junger Menschen. Sie verschwindet nicht, nur weil andere Krisen noch präsenter sind. Viele junge Menschen wünschen sich, dass die Politik handelt, statt nur zu diskutieren – sowohl auf regionaler, als auch auf Bundes- und EU-Ebene. Verkompliziert wird der Prozess allerdings häufig durch langwierige Diskussionen und Entscheidungsprozesse. Auch der Klimagipfel in Brasilien zeigte, dass viele unterschiedliche Interessensgruppen am Klimaschutz „mitwirken“ und internationale Kompromisse erschweren.   

Einer der wichtigsten Akteure für den Klimaschutz in Europa bleibt die EU. Zwar erhalten Debatten um das Verbrenner-Aus oder das Veggieburger-Verbot mehr Aufmerksamkeit – doch auch das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 bleibt bestehen. Die EU könnte auch dafür sorgen, dass Klimaschutz sozial gerecht gestaltet wird. Der neue EU-Sozial-Klimafonds, der 2026 erstmals ausgezahlt wird, soll genau das leisten und besonders kleine Unternehmen sowie Haushalte mit geringem Einkommen unterstützen. Denn der Klimawandel bedroht Lebensräume, Volkswirtschaften und soziale Sicherheit – in ganz Europa und weltweit. 

Und genau das ist bei allen Debatten zum Klimaschutz das wichtigste. Die Menschen müssen merken, dass Klimaschutz direkt bei ihnen vor Ort beginnt. Denn er ist nicht tot – er verlagert sich gerade nur mehr und mehr auf die lokale Ebene. Während große Massenproteste nachlassen, entstehen vielerorts lokale Projekte mit direkten Zielen. Jugendklimaräte in Bremerhaven oder Mainz-Bingen, Auszeichnungen für nachhaltige Projekte bei Jugend forscht, Klimainitiativen an Schulen und Hochschulen. Schul-AGs installieren Solaranlagen, Hochschulgruppen entwickeln CO₂-Tracker und nachhaltige Start-ups entstehen in WG-Küchen. An all diesen zukunftsweisenden Projekten sind engagierte Menschen direkt beteiligt. Sie merken, dass sie dort etwas bewegen können, ohne lange auf die Entscheidungen der Politik zu warten. 

Dennoch bleibt der Frust: Wenn Klimakonferenzen ohne Durchbruch enden und nationale Ziele wackeln, fühlt sich Engagement schnell klein und unbedeutend an. Gleichzeitig zeigen Dürren, Überschwemmungen und Hitzerekorde jedes Jahr aufs Neue: Die Klimakrise macht keine Pause. Warum sollte die Politik dann eine einlegen? 

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.