Es gibt wieder eine neue Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Was ist unter einem Femizid zu verstehen? Ein Überblick über Definitionen, Ursachen, Zahlen und Präventionsmöglichkeiten
16. März 2025: Eine Frau wird in einer Straßenbahn im thüringischen Gera mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, angezündet und lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter: ihr Ehemann. Die abscheuliche Tat macht fassungslos, doch versuchte oder vollendete Femizide sind in Deutschland keineswegs Einzelfälle.
Als „Femizid“ wird die gezielte Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechts bezeichnet. Das bedeutet, dass die Tat nicht aus rein individuellen Motiven geschieht, sondern, dass die Frau getötet wird, weil sie eine Frau ist. Die feministische Soziologin Diana E. H. Russell prägte den Begriff in den 1970er-Jahren.
Es lassen sich verschiedene Ausprägungen von Femiziden unterscheiden. Die weitaus häufigste ist der sogenannte „intime Femizid“, bei dem Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet werden. Daneben gibt es auch Femizide im familiären Kontext, also die Tötung von Frauen oder Mädchen durch Angehörige, sowie nicht-intime Femizide, die beispielsweise mit organisierter Kriminalität oder kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden sind.
Femizide sind die extremste Variante der Gewalt gegen Frauen, die Unterformen wie psychische Manipulation, körperliche Misshandlung und sexualisierte Gewalt einschließt. Frauen erleben geschlechtsspezifische Gewalt in verschiedenen Lebensbereichen, nicht selten über lange Zeiträume hinweg. Gewalt innerhalb von Partnerschaften kann sich über Monate oder Jahre in ihrer Intensität steigern, bis es schließlich zur Tötung der Frau kommt. Laut einer Studie der britischen Wissenschaftlerin Jane Monckton-Smith, die 372 Femizide im Kontext von Partnerschaften untersuchte, handelt es sich in den meisten Fällen jedoch nicht um spontane, affektgeladene Taten. Oft sind die Täter Männer, die Besitzansprüche gegenüber der Frau hegen. Besonders hoch ist das Risiko, wenn die Frau versucht, sich der Gewaltspirale zu entziehen – etwa durch eine Trennung.
Die Statistiken zu Femiziden sind alarmierend. In Deutschland wurden laut Bundeskriminalamt im Jahr 2023 insgesamt 360 Frauen und Mädchen Opfer vollendeter Tötungsdelikte. Dies bedeutet, dass es 2023 fast täglich einen Femizid gab. In 155 Fällen wurden die Frauen Opfer eines Partners oder Ex-Partners, 92 Frauen wurden durch Familienmitglieder getötet. Dazu kommen 578 unvollendete Tötungsdelikte. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld: Es gibt hierzulande mehr Femizide als in den Niederlanden, Finnland oder Frankreich.
Bislang existiert in Deutschland jedoch keine spezifische rechtliche Definition von Femiziden. Derartige Tötungen von Frauen werden etwa als Mord oder Totschlag behandelt. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass dieser Umstand dazu führt, dass der geschlechtsspezifische Hintergrund der Tat oft nicht ausreichend erkannt wird. Italien zeigt aktuell, dass es anders geht: Femizide werden dort in Kürze als eigener Straftatbestand im Gesetz verankert. Die Neuregelung sorgt dafür, dass Femizide künftig grundsätzlich mit lebenslanger Haft bestraft werden.
Um Femizide zu verhindern, braucht es umfassende gesellschaftliche und rechtliche Maßnahmen. Gewalt in Paarbeziehungen beginnt zumeist schleichend, weshalb eine frühzeitige Präventionsarbeit in Bildungseinrichtungen essenziell ist. Ebenso muss der Zugang zu Schutz- und Hilfsangeboten erheblich verbessert werden. Viele Frauenhäuser und Beratungsstellen sind chronisch unterfinanziert oder stehen in ländlichen Regionen gar nicht zur Verfügung. Frauen, die Gewalt erleben, müssen jedoch schnelle, niedrigschwellige Hilfe erhalten. Zudem ist die mediale Darstellung von Femiziden äußerst problematisch. Oft werden sie als „Familientragödie“, „Ehedrama“ oder „Beziehungstat“ verharmlost und nicht als Extremform geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen benannt. Derartige Formulierungen implizieren eine beidseitige Verantwortung, obwohl die Ursache allein der objektivierende Besitzanspruch des Mannes ist. Femizide sind keine zufälligen oder individuell motivierten Verbrechen, keine tragischen Einzelschicksale. Sie sind ein systematisches Problem, das Ausdruck gesellschaftlich tief verwurzelter patriarchaler Strukturen ist.
Es gibt wieder eine neue Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Was ist unter einem Femizid zu verstehen? Ein Überblick über Definitionen, Ursachen, Zahlen und Präventionsmöglichkeiten
16. März 2025: Eine Frau wird in einer Straßenbahn im thüringischen Gera mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, angezündet und lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter: ihr Ehemann. Die abscheuliche Tat macht fassungslos, doch versuchte oder vollendete Femizide sind in Deutschland keineswegs Einzelfälle.
Als „Femizid“ wird die gezielte Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechts bezeichnet. Das bedeutet, dass die Tat nicht aus rein individuellen Motiven geschieht, sondern, dass die Frau getötet wird, weil sie eine Frau ist. Die feministische Soziologin Diana E. H. Russell prägte den Begriff in den 1970er-Jahren.
Es lassen sich verschiedene Ausprägungen von Femiziden unterscheiden. Die weitaus häufigste ist der sogenannte „intime Femizid“, bei dem Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet werden. Daneben gibt es auch Femizide im familiären Kontext, also die Tötung von Frauen oder Mädchen durch Angehörige, sowie nicht-intime Femizide, die beispielsweise mit organisierter Kriminalität oder kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden sind.
Femizide sind die extremste Variante der Gewalt gegen Frauen, die Unterformen wie psychische Manipulation, körperliche Misshandlung und sexualisierte Gewalt einschließt. Frauen erleben geschlechtsspezifische Gewalt in verschiedenen Lebensbereichen, nicht selten über lange Zeiträume hinweg. Gewalt innerhalb von Partnerschaften kann sich über Monate oder Jahre in ihrer Intensität steigern, bis es schließlich zur Tötung der Frau kommt. Laut einer Studie der britischen Wissenschaftlerin Jane Monckton-Smith, die 372 Femizide im Kontext von Partnerschaften untersuchte, handelt es sich in den meisten Fällen jedoch nicht um spontane, affektgeladene Taten. Oft sind die Täter Männer, die Besitzansprüche gegenüber der Frau hegen. Besonders hoch ist das Risiko, wenn die Frau versucht, sich der Gewaltspirale zu entziehen – etwa durch eine Trennung.
Die Statistiken zu Femiziden sind alarmierend. In Deutschland wurden laut Bundeskriminalamt im Jahr 2023 insgesamt 360 Frauen und Mädchen Opfer vollendeter Tötungsdelikte. Dies bedeutet, dass es 2023 fast täglich einen Femizid gab. In 155 Fällen wurden die Frauen Opfer eines Partners oder Ex-Partners, 92 Frauen wurden durch Familienmitglieder getötet. Dazu kommen 578 unvollendete Tötungsdelikte. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld: Es gibt hierzulande mehr Femizide als in den Niederlanden, Finnland oder Frankreich.
Bislang existiert in Deutschland jedoch keine spezifische rechtliche Definition von Femiziden. Derartige Tötungen von Frauen werden etwa als Mord oder Totschlag behandelt. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass dieser Umstand dazu führt, dass der geschlechtsspezifische Hintergrund der Tat oft nicht ausreichend erkannt wird. Italien zeigt aktuell, dass es anders geht: Femizide werden dort in Kürze als eigener Straftatbestand im Gesetz verankert. Die Neuregelung sorgt dafür, dass Femizide künftig grundsätzlich mit lebenslanger Haft bestraft werden.
Um Femizide zu verhindern, braucht es umfassende gesellschaftliche und rechtliche Maßnahmen. Gewalt in Paarbeziehungen beginnt zumeist schleichend, weshalb eine frühzeitige Präventionsarbeit in Bildungseinrichtungen essenziell ist. Ebenso muss der Zugang zu Schutz- und Hilfsangeboten erheblich verbessert werden. Viele Frauenhäuser und Beratungsstellen sind chronisch unterfinanziert oder stehen in ländlichen Regionen gar nicht zur Verfügung. Frauen, die Gewalt erleben, müssen jedoch schnelle, niedrigschwellige Hilfe erhalten. Zudem ist die mediale Darstellung von Femiziden äußerst problematisch. Oft werden sie als „Familientragödie“, „Ehedrama“ oder „Beziehungstat“ verharmlost und nicht als Extremform geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen benannt. Derartige Formulierungen implizieren eine beidseitige Verantwortung, obwohl die Ursache allein der objektivierende Besitzanspruch des Mannes ist. Femizide sind keine zufälligen oder individuell motivierten Verbrechen, keine tragischen Einzelschicksale. Sie sind ein systematisches Problem, das Ausdruck gesellschaftlich tief verwurzelter patriarchaler Strukturen ist.
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