Besserwisserwissen: Die Wiederentdeckung des Rete ovarii

Eine Mutter erklärt ihrer Tochter die weibliche Anatomie.
Weibliche Körper sind in der Medizin bisher nur unzureichend erforscht – das zeigt auch das Rete ovarii.
Nele Heimann, funky-Jugendreporterin

Es gibt eine neue Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Eine „Neuentdeckung“ in der weiblichen Anatomie fasziniert momentan die Welt, das sogenannte Rete ovarii. Doch „neu“ trifft es nicht ganz: Tatsächlich wurde dieses anatomische Merkmal bereits vor rund 150 Jahren entdeckt. Warum es dennoch erst jetzt in der Berichterstattung auftaucht, ist eine spannende Geschichte. 

Die Entwicklungsbiologin Jennifer McKey von der University of Colorado stieß bei Untersuchungen an Mäuse-Eierstöcken auf eine Struktur, die sie zunächst nicht einordnen konnte. Durch Nachforschungen in medizinischen Aufzeichnungen stellte sie schließlich fest: Es muss sich hierbei um das Rete ovarii (auf deutsch: Eierstocknetz) handeln. 

Eine wirklich neue Entdeckung war das also nicht, bereits im 19. Jahrhundert wurde es in anatomischen Werken beschrieben. Doch weil sich kein konkreter „Nutzen“ dieser Struktur erschloss, verschwand das Rete ovarii rasch wieder aus den Büchern. Ein Schicksal, dass es mit einem weiteren Körperteil teilt: Auch die Klitoris wird erst seit 2022 (!) korrekt in den Prometheus-Anatomiebüchern, welche Medizin-Studierende zum Lernen nutzen, dargestellt. 

Das Rete ovarii ist eine Gewebestruktur, die aus kleinen Röhren besteht. Es gibt einen äußeren und einen inneren Teil bei den Eierstöcken. Seine Funktion ist bisher nicht eindeutig geklärt – es wird jedoch vermutet, dass es mit dem Hormonhaushalt in Zusammenhang steht und eine Rolle bei der Embryonalentwicklung der Eierstöcke spielen könnte. Das Rete ovarii kommt bei vielen Säugetieren vor, auch beim Menschen. Bislang wurde keine Säugetierart gefunden, bei der es nicht existiert. 

Dass der weibliche Körper in der Medizin häufig unterrepräsentiert ist, zeigt sich nicht nur an diesem Beispiel. Die fehlende Darstellung weiblicher Körperteile in medizinischen Standardwerken kann zu Fehldiagnosen führen. Es ist daher essenziell, dass die Medizin den weiblichen Körper künftig stärker mitdenkt und ihm die gebührende Priorisierung schenkt. 

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