Meinung

Zurückgespult: Ein Sonntag mit „We Can’t Dance“ (1991)

„We Can't Dance“ ist das kommerziell erfolgreichste Album der Rockband Genesis.
„We Can't Dance“ ist das kommerziell erfolgreichste Album der Rockband Genesis.

Celina Thümen, funky-Jugendreporterin

Wie wirken die großen Klassiker aus vergangenen Jahrzehnten aus heutiger Sicht? In dieser Rubrik widmen sich junge Augen alter Kunst.

Genesis war eine der erfolgreichsten Rockbands überhaupt – mehr als 150 Millionen verkaufte Alben sprechen für sich. We Can’t Dance, erschienen 1991, wurde zu ihrem größten kommerziellen Erfolg: Über zehn Millionen Exemplare gingen weltweit über die Ladentheken, dazu gab es mehrere Gold- und Platin-Auszeichnungen.

(c) 1991 Anthony Banks LTD/Philip Collins LTD/Michael Rutherford LTD/Warner Music/Warner Company

Bisher hatten es nur zwei Songs der Band auf meine persönliche Playlist geschafft. Vor allem das Lied Invisible Touch blieb mir durch den schnellen, fröhlichen Sound direkt im Gedächtnis. Grund genug, mal tiefer einzutauchen.

Wenn man zum ersten Mal ein Album hört, das älter ist als man selbst, weiß man nie so genau, was einen erwartet. Und ehrlich gesagt: Durch We Can’t Dance musste ich mich stellenweise durchkämpfen. Zunächst klingt das Album wie ein Soundtrack für einen verregneten Sonntagnachmittag – eher ruhig, melancholisch, stellenweise fast etwas schwerfällig. Das trifft nicht unbedingt meinen persönlichen Musikgeschmack, da ich meist Musik höre, wenn ich gute Laune habe oder mich aufmuntern möchte.

Die Intros sind oft so lang, dass ich manchmal gerne weitergeskippt hätte, bevor überhaupt jemand anfing zu singen. Jesus He Knows Me fällt aus dem Rahmen: Der Song ist deutlich temperamentvoller als der Rest und eine klare Abrechnung mit religiöser Doppelmoral. Endlich werde ich wachgerüttelt! Und Tell Me Why hat mich inhaltlich überrascht: Genesis kritisieren die Heuchelei im Umgang mit Armut – der Text äußert Unverständnis darüber, warum es in einer Welt des Überflusses immer noch an Essen und Obdach fehlt.

Klanglich retro und nicht durchgängig mein Fall, aber dennoch hochaktuell – We Can’t Dance erinnert mich daran, dass wir mehr als 30 Jahre später noch immer mit ähnlichen Problemen kämpfen.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.