Larissa Menne, funky-Jugendreporterin
Endlich Sommer! Für viele Menschen sind die warmen Monate die schönste Zeit des Jahres. Aber nicht für alle. Während die Winterdepression allseits bekannt ist, gibt es auch die sogenannte Sommerdepression. Diese ist ernst zu nehmen und, trotz schönem Wetter, nicht einfach mit den Worten „Geh doch mal an die frische Luft“ zu lösen.
Was gehört zu einem perfekten Sommer? Die Antworten auf diese Frage können je nach Person ganz unterschiedlich ausfallen. Viele beliebte Sommeraktivitäten bedeuten nämlich nicht nur Spaß und gute Laune, sondern können ebenso mit Stress, Hitze und anderen Belastungen einhergehen.
Denn nicht jede:r hat im Sommer frei und fährt in den Urlaub, in vielen Branchen steht gerade im Hochsommer die anstrengendste Zeit an. Nach einem langen Arbeitstag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad sind viele Menschen außerdem so müde, dass sie sich nur noch ausruhen wollen. Das wiederum führt häufig zur sogenannten „Fomo“: Stell dir vor, du siehst in den sozialen Medien, wie gefühlt alle Menschen im Urlaub, am See oder auf der geselligen Grillparty im Park sind, während du selbst keine Zeit, Lust oder Energie hast. Die häufig aufkommende Angst davor, etwas zu verpassen, ist die sogenannte „fear of missing out“, oder kurz: „fomo“. Der Druck, den außenstehenden Personen und die sozialen Medien ausüben, verstärkt nicht selten auch das schlechte Gewissen, die sonnigen und heißen Tage bestmöglich nutzen zu müssen.
Zudem kommen im Sommer gefühlt alle Termine zusammen – am Samstag eine Hochzeit, am Sonntag ein Flohmarkt und am darauffolgenden Wochenende das Sommerfest der Uni. So entsteht schnell mal das Gefühl, jedes Wochenende unterwegs sein zu müssen, ohne zwischendurch mal durchatmen zu können.
Während die Winterdepression vermutlich aufgrund des fehlenden Sonnenlichts verstärkt wird, sind die Ursachen für eine Sommerdepression noch nicht weitreichend erforscht. Wissenschaftler:innen vermuten aber, dass die Melatonin-Produktion des Körpers im Sommer durch das viele Sonnenlicht gedrosselt wird. Das kann dazu führen, dass weitere biochemische Prozesse im Körper gestört werden, was wiederum Depressionen verstärken oder zu vorübergehenden mentalen Tiefs führen kann. Ein weiterer Faktor kann ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus sein, da viele Menschen aufgrund des länger vorhandenen Tageslichtes im Sommer weniger schlafen als im Winter. Auch Wetterveränderungen können sich auf die Stimmung und die Psyche auswirken. Betroffen davon sind anscheinend mehr Frauen als Männer – die genauen Ursachen hierfür sind allerdings noch unerforscht. Die körperlichen Auswirkungen von Hitze, ein unsicheres Körperbild bis hin zum Wunsch nach der „perfekten Strandfigur“ können noch hinzukommen.
Letztlich lässt sich sagen, dass höhere Temperaturen nicht bei allen Menschen gleichbedeutend mit einem gesteigerten Bedürfnis nach Action und Gesellschaf sind. Auch individuelle Ängste, wie etwa bei sportlichen Sommeraktivitäten nicht mithalten zu können oder die weniger schönen Sommerkleider zu besitzen, können bei Sonnenschein eher ans Licht kommen – und den Einzelnen merklich belasten.
Wie bei allen Formen von Depressionen können auch die Symptome einer Sommerdepression individuell sein. Zu den Warnsignalen zählen länger anhaltende innere Unruhe, ein geringeres Hungergefühl, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Bei länger anhaltenden Symptomen ist ein Arztbesuch ratsam. Halten diese Symptome über mehrere Wochen an und besteht die jahreszeitliche Symptomatik seit mindestens zwei Jahren, so spricht man von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). Grundsätzlich ist eine solche Sommerdepression aber recht selten und die Gefühle von Stress und Überforderung verringern sich nach einigen Tagen wieder. Unabhängig von der Schwere der Erkrankung tut ein offenes Ohr bei allen Formen der Erkrankung immer gut. Besonders, wenn es für Außenstehende schwierig zu begreifen ist, warum es Anderen in der vermeintlich schönsten Zeit des Jahres schlecht geht, ist ein offener und ehrlicher Austausch sehr wichtig.
Ein „Tapetenwechsel“ ist derweil nicht immer förderlich, denn eine fremde Umgebung kann zusätzlichen Stress verursachen und die Betroffenen beunruhigen. Denn wenn zusätzlich zur schlechten psychischen Verfassung auch noch die Urlaubsfreude ausbleibt, dann können sich Schuldgefühle noch weiter verstärken. Im Gegensatz zu der Aussage „Dann mach dir doch einfach nicht so viel Stress“, kann es stattdessen helfen, ganz untypische Sommeraktivitäten zu machen. Zum Beispiel eine neue Indoor-Sportart oder ein Serienabend – wenn mal ein bisschen Abstand vom stressigen Sommer benötigt wird. Um sich selbst nicht zu überfordern, kann es zudem guttun, auf Selfcare zu achten und Routinen aufzubauen. Das kann von morgens zuerst einen Liter Wasser trinken bis hin zum Schreiben des Tagebuches reichen. Viele Freibäder und Badeseen bieten zum auch Frühschwimmen in den Morgenstunden an – so startet ihr frisch und wach Start in den Tag und kommt mit ein wenig Glück sogar ohne „fomo“ aus.
Bei einer Sommerdepression ist es wichtig, auf sich selbst zu hören. Andere sollten außerdem darauf achten, betroffene Personen nicht zusätzlich mit Sätzen wie „Kommst du etwa schon wieder nicht mit?“ oder „Du hast ja nie Zeit?“ zu stressen. Auch die Absage einer Verabredung ist in den allermeisten Fällen nicht persönlich gemeint. Stattdessen lohnt es sich, aufmerksam zuzuhören und auch mal ungewöhnliche Dinge zu machen, damit es für alle ein möglichst schöner Sommer wird. Egal ob mit einem Eis im Freibad oder mit Tee und Snacks auf der Couch.
Du willst mehr? Du bekommst mehr!
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Endlich Sommer! Für viele Menschen sind die warmen Monate die schönste Zeit des Jahres. Aber nicht für alle. Während die Winterdepression allseits bekannt ist, gibt es auch die sogenannte Sommerdepression. Diese ist ernst zu nehmen und, trotz schönem Wetter, nicht einfach mit den Worten „Geh doch mal an die frische Luft“ zu lösen.
Was gehört zu einem perfekten Sommer? Die Antworten auf diese Frage können je nach Person ganz unterschiedlich ausfallen. Viele beliebte Sommeraktivitäten bedeuten nämlich nicht nur Spaß und gute Laune, sondern können ebenso mit Stress, Hitze und anderen Belastungen einhergehen.
Denn nicht jede:r hat im Sommer frei und fährt in den Urlaub, in vielen Branchen steht gerade im Hochsommer die anstrengendste Zeit an. Nach einem langen Arbeitstag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad sind viele Menschen außerdem so müde, dass sie sich nur noch ausruhen wollen. Das wiederum führt häufig zur sogenannten „Fomo“: Stell dir vor, du siehst in den sozialen Medien, wie gefühlt alle Menschen im Urlaub, am See oder auf der geselligen Grillparty im Park sind, während du selbst keine Zeit, Lust oder Energie hast. Die häufig aufkommende Angst davor, etwas zu verpassen, ist die sogenannte „fear of missing out“, oder kurz: „fomo“. Der Druck, den außenstehenden Personen und die sozialen Medien ausüben, verstärkt nicht selten auch das schlechte Gewissen, die sonnigen und heißen Tage bestmöglich nutzen zu müssen.
Zudem kommen im Sommer gefühlt alle Termine zusammen – am Samstag eine Hochzeit, am Sonntag ein Flohmarkt und am darauffolgenden Wochenende das Sommerfest der Uni. So entsteht schnell mal das Gefühl, jedes Wochenende unterwegs sein zu müssen, ohne zwischendurch mal durchatmen zu können.
Während die Winterdepression vermutlich aufgrund des fehlenden Sonnenlichts verstärkt wird, sind die Ursachen für eine Sommerdepression noch nicht weitreichend erforscht. Wissenschaftler:innen vermuten aber, dass die Melatonin-Produktion des Körpers im Sommer durch das viele Sonnenlicht gedrosselt wird. Das kann dazu führen, dass weitere biochemische Prozesse im Körper gestört werden, was wiederum Depressionen verstärken oder zu vorübergehenden mentalen Tiefs führen kann. Ein weiterer Faktor kann ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus sein, da viele Menschen aufgrund des länger vorhandenen Tageslichtes im Sommer weniger schlafen als im Winter. Auch Wetterveränderungen können sich auf die Stimmung und die Psyche auswirken. Betroffen davon sind anscheinend mehr Frauen als Männer – die genauen Ursachen hierfür sind allerdings noch unerforscht. Die körperlichen Auswirkungen von Hitze, ein unsicheres Körperbild bis hin zum Wunsch nach der „perfekten Strandfigur“ können noch hinzukommen.
Letztlich lässt sich sagen, dass höhere Temperaturen nicht bei allen Menschen gleichbedeutend mit einem gesteigerten Bedürfnis nach Action und Gesellschaf sind. Auch individuelle Ängste, wie etwa bei sportlichen Sommeraktivitäten nicht mithalten zu können oder die weniger schönen Sommerkleider zu besitzen, können bei Sonnenschein eher ans Licht kommen – und den Einzelnen merklich belasten.
Wie bei allen Formen von Depressionen können auch die Symptome einer Sommerdepression individuell sein. Zu den Warnsignalen zählen länger anhaltende innere Unruhe, ein geringeres Hungergefühl, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Bei länger anhaltenden Symptomen ist ein Arztbesuch ratsam. Halten diese Symptome über mehrere Wochen an und besteht die jahreszeitliche Symptomatik seit mindestens zwei Jahren, so spricht man von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). Grundsätzlich ist eine solche Sommerdepression aber recht selten und die Gefühle von Stress und Überforderung verringern sich nach einigen Tagen wieder. Unabhängig von der Schwere der Erkrankung tut ein offenes Ohr bei allen Formen der Erkrankung immer gut. Besonders, wenn es für Außenstehende schwierig zu begreifen ist, warum es Anderen in der vermeintlich schönsten Zeit des Jahres schlecht geht, ist ein offener und ehrlicher Austausch sehr wichtig.
Ein „Tapetenwechsel“ ist derweil nicht immer förderlich, denn eine fremde Umgebung kann zusätzlichen Stress verursachen und die Betroffenen beunruhigen. Denn wenn zusätzlich zur schlechten psychischen Verfassung auch noch die Urlaubsfreude ausbleibt, dann können sich Schuldgefühle noch weiter verstärken. Im Gegensatz zu der Aussage „Dann mach dir doch einfach nicht so viel Stress“, kann es stattdessen helfen, ganz untypische Sommeraktivitäten zu machen. Zum Beispiel eine neue Indoor-Sportart oder ein Serienabend – wenn mal ein bisschen Abstand vom stressigen Sommer benötigt wird. Um sich selbst nicht zu überfordern, kann es zudem guttun, auf Selfcare zu achten und Routinen aufzubauen. Das kann von morgens zuerst einen Liter Wasser trinken bis hin zum Schreiben des Tagebuches reichen. Viele Freibäder und Badeseen bieten zum auch Frühschwimmen in den Morgenstunden an – so startet ihr frisch und wach Start in den Tag und kommt mit ein wenig Glück sogar ohne „fomo“ aus.
Bei einer Sommerdepression ist es wichtig, auf sich selbst zu hören. Andere sollten außerdem darauf achten, betroffene Personen nicht zusätzlich mit Sätzen wie „Kommst du etwa schon wieder nicht mit?“ oder „Du hast ja nie Zeit?“ zu stressen. Auch die Absage einer Verabredung ist in den allermeisten Fällen nicht persönlich gemeint. Stattdessen lohnt es sich, aufmerksam zuzuhören und auch mal ungewöhnliche Dinge zu machen, damit es für alle ein möglichst schöner Sommer wird. Egal ob mit einem Eis im Freibad oder mit Tee und Snacks auf der Couch.
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