Meinung

Skincare bei Kindern: ein fragwürdiger TikTok-Trend

Für viele eine Idealvorstellung einer reinen und ebenmäßigen Haut.
Für viele eine Idealvorstellung einer reinen und ebenmäßigen Haut.
Alina Kunz, funky-Jugendreporterin

Die großen Unternehmen für Hautpflege haben eine neue Zielgruppe entdeckt: Kinder. Social Media hat die Tore für einen ganz neuen Markt geöffnet, auf TikTok überschwemmen rund 18 Millionen Videos zum Thema Skincare die Feeds. Obwohl die Richtlinien der Social-Media-Plattform besagen, dass die Nutzung von TikTok erst ab einem Alter von 13 Jahren erlaubt ist, sind es zunehmend Kinder, die sich diesem Beauty-Trend anschließen. Ein wahres Geschenk für die Kosmetikindustrie. Diese begrüßt die Entwicklung mit offenen Armen und entwirft bereits Hautpflegeprodukte für die ganz jungen Verbraucherinnen und Verbraucher. Doch welche Folgen hat das für Kinder? Abermals offenbart dieser Trend die Macht der Schönheitsindustrie.

In den USA ist Verwendung von Pflegeprodukten für Kinder bereits seit einigen Jahren etabliert. Die Zahlen sprechen für sich: Laut Schätzungen der deutschen Online-Plattform Statista setzt die Kosmetikbranche im Jahr 2024 allein in den USA rund 475 Millionen Dollar mit Hautpflegeprodukten für Babys und Kinder um. Und während die Umsätze steigen, steigt erstmals auch die Besorgnis darüber, welche Auswirkungen diese Produkte auf die zarte Kinderhaut haben könnten.

Die schwedische Apothekenkette Hjärtat hat bereits Maßnahmen ergriffen, um dem entgegenzuwirken, beispielweise indem sie den Verkauf von Skincare-Produkten an unter 15-Jährige begrenzt und nur mit Erlaubnis der Eltern entsprechende Artikel herausgibt. Und das aus gutem Grund: Viele der Produkte, die auf TikTok beworben werden, enthalten aktive Inhaltsstoffe wie Retinol, Hyaluronsäure, Niacinamid oder Vitamin C. Diese können die ohnehin dünnere Hautbarriere von Kindern reizen und zu Hautproblemen wie Akne und Ausschlägen führen.

Trotz einiger öffentlich geäußerten Bedenken scheint der Skincare-Trend unaufhaltsam zu sein. Es kursieren unzählige Videos, in denen Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren bereits ihre festen Skincare-Routinen zum Besten geben. Die Kosmetikindustrie sieht darin eine lukrative Gelegenheit, ihre Produkte zu vermarkten. Eine einfache Reinigung, Feuchtigkeitscreme und Sonnenschutz ist für die meisten Kinder völlig ausreichend. Es ist beunruhigend, dass in vielen Drogerien nur wenige Produkte ohne potente Inhaltsstoffe erhältlich sind, und die Kinder als eine neue, profitbringende Zielgruppe betrachtet werden.

Die Folgen dieser Entwicklung sind bereits spürbar: Immer mehr Kinder suchen dermatologische Hilfe für Hautprobleme wie Akne, und die Zahl der betroffenen Kinder steigt stetig an. Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft diese Entwicklung kritisch hinterfragt und das Wohlergehen von Kindern über kurzfristige Trends und wirtschaftliche Interessen stellt. Der Gesetzgeber muss nachrüsten!

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