Besserwisserwissen: Wann ist eine Nachricht es wert, dass darüber berichtet wird?

Damit eine Nachricht in der Zeitung oder im Fernsehen erscheint, gibt es bestimmte Kriterien, nach denen sie gefiltert und ausgesucht werden.
Damit eine Nachricht in der Zeitung oder im Fernsehen erscheint, gibt es bestimmte Kriterien, nach denen sie gefiltert und ausgesucht werden.
Pauline Dörrich, funky-Jugendreporterin

Es gibt eine neue Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Dieses Mal geht um den sogenannten Nachrichtenwert. Weißt du, was dieser Begriff bedeutet und welche Rolle er in der Berichterstattung einnimmt?

Nie war die Welt der Informationen so schnelllebig und undurchsichtig. Täglich geschehen weltweit unzählige Ereignisse, die bedeutend sind – von Umweltkatastrophen über Kriege und politische Entscheidungen bis hin zu sportlichen oder kulturellen Events. All das erfährt man durch Nachrichten, ob über Social Media, die klassische Zeitung oder den Rundfunk. Hast du dich schon einmal gefragt, wie entschieden wird, wann eine Information als (journalistische) Nachricht verbreitet wird?

Es gibt eine Reihe an Kriterien, die eine Nachricht erfüllen muss, damit sie als solche wahrgenommen wird. Der sogenannte Nachrichtenwert bestimmt darüber, ob ein Ereignis von den Medien als berichtenswert ausgewählt wird, oder nicht. Ein hoher Nachrichtenwert steigert die Wahrscheinlichkeit, dass Ereignisse von Journalistinnen und Journalisten wahrgenommen und für die Berichterstattung aufbereitet werden. Es gibt verschiedene Dimensionen, die einer Nachricht zugeschrieben werden.

Das ist zum einen die Zeit: Ist das Ereignis aktuell? Handelt es sich um ein Langzeit-oder Kurzzeitereignis? Die Aktualität ist folglich ein entscheidender Faktor, über Dinge zu berichten, die soeben erst passiert sind. 

Geschieht ein Ereignis unmittelbar in der Nähe, kommt hier die Dimension der Nähe ins Spiel. Eine Nachricht aus dem eigenen Land oder der Region ist meist wichtiger als aus dem Ausland. Da es einen direkten Bezug gibt und Menschen unmittelbar betrifft. Diese Nähe bezieht sich jedoch nicht nur auf die räumliche, also geographische Nähe, sondern berücksichtigt auch die politische oder kulturelle Nähe eines Geschehens zu den Menschen. So wird die Relevanz bestimmt, also die Bedeutung des Ereignisses und der Grad der Betroffenheit.

Der Status ist ebenfalls ein wichtiger Faktor des Nachrichtenwerts. Nachrichten erhalten viel Aufmerksamkeit, wenn eine prominente Person involviert ist.

Sorgt eine Nachricht für einen Überraschungseffekt oder behandelt Unvorhergesehenes, so spielt die Dimension der Dynamik hinein. Doch nicht nur eine Überraschung erhöht den Sensationsfaktor, sondern auch Konflikte, Kriminalität, Misserfolge sowie Erfolg und Fortschritt.

Inwiefern ist die Bevölkerung von einem Ereignis betroffen? Hier greift die Dimension der Identifikation. Das vor kurzer Zeit beschlossene Genderverbot in Bayern beispielsweise erzeugte gesellschaftliche und politische Debatten um die Gendersprache in Schreiben von Behörden, Schulen und Hochschulen. Das führte zu großem medialem Aufsehen, weil es ein Rückschritt ist für die Gleichstellung von Mann und Frau und für die geschlechtergerechte Sprache.

Diese sechs Dimensionen erleichtern es Redaktionen und Journalistinnen und Journalisten, ein Ereignis als relevant oder nicht relevant einzustufen und folglich zu filtern und zu sortieren. Die ohnehin schon beträchtliche Flut an täglichen Nachrichten wäre ohne den Nachrichtenwert ohne Halt und Boden.

So hilfreich der Nachrichtenwert für die Theorie und Praxis des Journalismus ist – er wirft auch Kritik auf. So stellt sich die Frage, warum intensiv über den Krieg in Gaza oder der Ukraine berichtet wird, während Konflikte, Umweltkatastrophen und anschließende Hungersnöte auf dem afrikanischen Kontinent nur wenig Beachtung in den Medien finden. Vor knapp einem Jahr verschwand ein U-Boot der Firma Ocean Gate, das wohlhabende Touristen zur gesunkenen Titanic bringen sollte. Dieses Ereignis hielt sich besonders prominent und lange in der Berichterstattung, während täglich viele Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ihr Leben verlieren. Vor diesem Hintergrund beschreibt der Nachrichtenwert zwar ein reelles Phänomen, sollte dennoch stets kritisch hinterfragt werden.

funky-instagram-banner

Du willst mehr? Du bekommst mehr!

Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.