JIM-Studie 2022: 204 Minuten Internet pro Tag

Junge schaut auf sein Handy während er sitzt.
Im Verlauf der letzten zehn Jahre ist ein deutlicher Anstieg der Onlinenutzung zu erkennen.
Larissa Menne, funky-Jugendreporterin

204 Minuten – so viel Zeit verbrachten deutsche Jugendliche im letzten Jahr durchschnittlich am Tag im Internet. Diese Daten gehen aus der kürzlich veröffentlichten JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs), der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und dem Südwestrundfunk hervor. Die Studie erhebt seit 1998 jährlich, wie Jugendliche in Deutschland Medien nutzen. Dafür werden repräsentativ rund 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren telefonisch sowie online nach ihrem durchschnittlichen Medienverhalten gefragt. Ferienzeiten werden ausgelassen.

Die wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen Studie sind, dass die Mediennutzungszeit wieder auf Vor-Corona-Niveau gesunken ist und dass der Ukraine-Krieg einen neuen Fokus in der Lebenswelt der Jugendlichen einnimmt. Weitere wichtige Themen waren der Klimawandel und Corona. Dabei spielen auch Desinformation und Fake News in sozialen Netzwerken eine Rolle. Für viele Jugendliche ist die Konfrontation mit Fake News, Hasskommentaren und Beleidigungen im Internet alltäglich geworden.

Bei der Befragung gaben 56 Prozent der Jugendlichen an, im letzten Monat mit „Fake News“ konfrontiert worden zu sein, im Jahr 2020 waren es nur 34 Prozent. Auch knapp die Hälfte der Befragten gab an, dass ihnen im letzten Monat online beleidigende Kommentare oder extreme politische Ansichten begegneten. 

Beim Thema Cybergrooming gab ein Viertel der Jugendlichen an, schon einmal von Fremden im Netz kontaktiert worden zu sein. Dabei waren Mädchen mit 28 Prozent etwas häufiger betroffen als Jungen (21 Prozent).

Nahezu alle Jugendlichen (99 Prozent) haben ein eigenes Smartphone und nutzen dieses täglich. Neben dem Internet nutzen sie es vor allem zum Musik hören, um Videos zu schauen oder Kontakt mit Freundinnen und Freunden zu halten. Die mit Abstand meistgenutzte App ist WhatsApp (93 Prozent). Direkt folgen die Social-Media-Plattformen Instagram (62 Prozent) und TikTok (54 Prozent). Fast drei Viertel der Befragten gaben dabei an, dass sie mehr Zeit am Smartphone verbringen würden, als sie es eigentlich wollen.

Auffällig ist, dass Jungen mit 63 Prozent deutlich häufiger über einen eigenen Computer und eine feste, also nicht-tragbare, Spielekonsole (45 Prozent) verfügen als Mädchen (24 Prozent Computerbesitz; 37 Prozent besitzen eine feste Spielekonsole). Gründe dafür liefert die Studie nicht.

Im Vergleich zu den letzten Jahren zeigt sich, dass Jugendliche 2019 im Schnitt 205 Minuten online waren, 2020 dagegen 258 Minuten und 2021 241 Minuten. Grund für die gestiegenen Zahlen war die Corona-Pandemie. Im Verlauf der letzten zehn Jahre ist insgesamt ein deutlicher Anstieg der Onlinenutzung zu erkennen. 2012 waren Jugendliche noch durchschnittlich 131 Minuten pro Tag online.

Auch hören Jugendliche häufiger Podcasts (19 Prozent), nutzen Sprachassistenten (48 Prozent) und spielen digitale Spiele (76 Prozent) als im Vorjahr. 

Gleichzeitig sind aber auch „Offline-Beschäftigungen“ für die meisten Jugendlichen sehr wichtig, so treffen sich 73 Prozent der Befragten regelmäßig mit Freundinnen und Freunden, 59 Prozent machen regelmäßig Sport und jeweils knapp 30 Prozent lesen Bücher und unternehmen etwas mit der Familie.

Insgesamt bestätigt die Studie den Trend der letzten Jahre und betont, dass das Smartphone immer mehr zum alleskönnenden Alltagsmedium wird. Die Studie zeigt daher auch, dass ein geschulter Umgang mit Medien für Jugendliche aufgrund der Allgegenwärtigkeit von Internet und digitalen Medien von großer Bedeutung ist.

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