Meinung

Türchen 5: Das Weihnachtsbaum-Dilemma

Am 5. Dezember ist der Tag des Ehrenamtes.
Am 5. Dezember ist Tag des Ehrenamtes. Doch warum engagieren sich Menschen eigentlich freiwillig?
Sonja Walke, funky-Jugendreporterin

In ihrer Kolumne „faircheckt“ beschäftigt sich Sonja alle vier Wochen mit Themen aus dem Bereich der sozialen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

Der Weihnachtsmarkt in meiner Heimatstadt Münster wird in diesem Jahr tagsüber nicht beleuchtet, in Karlsruhe versucht man es mit Rollschuhen statt Schlittschuhen und in Bochum soll vor dem Rathaus in diesem Jahr kein großer Weihnachtsbaum aufgestellt werden. Die Vorweihnachtszeit scheint im Jahr 2022 von Einsparungsmaßnahmen geprägt zu sein. Auch ich mache mir als Teil der „Generation Greta“ Gedanken darüber, wie ich Strom, Gas und Geld sparen kann – und natürlich nebenbei noch das das Klima schone.

Sonja_Walke

Nur auf eins möchte ich nicht verzichten, und das ist ein Tannenbaum. Seit ich mich erinnern kann liegen die Geschenke bei uns nun mal unter den nadeligen Zweigen. Klar, früher gab es mehr Lametta – das wurde irgendwann aus ästhetischen und ökologischen Gründen abgeschafft. Aber irgendetwas Grünes mit Nadeln hält jedes Jahr spätestens in der Woche vor Weihnachten Einzug in das elterliche Wohnzimmer. Geschmückt wird der Baum Jahr für Jahr mit denselben kitschigen Kugeln und der altbekannten Sternen-Lichterkette, die dann bis in den Januar hinein jeden Abend vor sich hin leuchtet. Angesichts der gestiegenen Strompreise würde es sich allerdings lohnen, die betagten Glühbirnchen so langsam mal gegen ein Modell mit LEDs auszutauschen.

Trotzdem gibt es einige Gründe, die gegen einen Weihnachtsbaum sprechen – auch einen unbeleuchteten: Viele Tannen werden in Monokulturen angebaut und mit Pestiziden und Herbiziden besprüht. Und das schadet nun mal der Umwelt. Eine regionale Tanne mit Bio-Siegel ist da sicherlich die bessere Wahl, aber auch diese wird abgeholzt und belastet letztlich das Klima. Trotzdem scheint mir die Bio-Tanne die beste Wahl zu sein, denn die Alternative – eine Plastiktanne – ist quasi der Müll von morgen, der sich klimatechnisch erst nach mehreren Nutzungsjahren „auszahlt“.

Und mal ehrlich: Weihnachten bringt noch einen Haufen anderer Umweltprobleme mit sich. Berge an Geschenkpapier, das Schenken generell, das in manchen Haushalten zu Konsumschlacht ausartet, das mehr als üppige ´gekaufte und gekochte Essen, von dem am Ende des Tages die Hälfte weggeworfen wird. Deshalb habe ich neben der Tannenbaum-Tradition in den letzten Jahren eine neue, eigene Weihnachtstradition entwickelt: An Heiligabend esse ich mittags gerettete Lebensmittel. Und ich glaube, wenn jede und jeder von uns sich eine neue, umweltfreundliche Tradition überlegt – und diese nicht nur an Weihnachten umsetzt – , wäre schon viel gewonnen und wir müssten nicht darüber diskutieren, ob es vertretbar ist, sich einen Tannenbaum zu gönnen.

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