Jule Noike, funky-Jugendreporterin
Bücher öffnen Tore in fremde Welten und geben Lesenden die Möglichkeit, in tausend verschiedene Leben zu schlüpfen. Und während man bei den schrecklichen Schicksalen einiger Charaktere froh darüber ist, dieser Welt nach dem Lesen wieder entfliehen zu können, gibt es auch Bücher, in denen man gerne für immer bleiben würde.
Eines dieser Bücher ist für mich „Uncharmed“ von Lucy Jane Wood. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Hexe Annie Wildwood, die ein scheinbar perfektes Leben führt. Mit den Köstlichkeiten in ihrer kleinen Bäckerei in London und einer Prise Magie erfüllt sie ihrer Kundschaft jeden Wunsch. Alles mit ihrem jahrelang praktiziertem Perfektionszauber unter Kontrolle zu haben und alle Menschen in ihrem Umfeld glücklich machen – das ist Annies Bestimmung. Zumindest glaubt sie das, bis ihr Hexenzirkel ihr plötzlich die Aufgabe überträgt, auf die rebellische Teenagerhexe Maeve aufzupassen. Zu allem Überfluss muss Annie dafür ihr strukturiertes Leben verlassen und in ein kleines, chaotisches Cottage auf dem Land ziehen. Dort trifft sie auf den grumpy Hausbesitzer und Hexer Hal, der genauso wenig in ihre Ordnung passt wie Maeve mit ihren unkontrollierten Hexenkräften.
Was nach einem ersten Blick auf das rosarote Cover vielleicht nach einer überzuckerten Liebesgeschichte klingt, ist in Wirklichkeit eine tiefgreifende Geschichte, die sich mit Perfektion und gesellschaftlichem Leistungsdruck befasst. Annie mag eine Hexe und kein gewöhnlicher Mensch sein, doch steht sie genauso unter Druck, den Erwartungen anderer zu genügen wie wir alle in der modernen Leistungsgesellschaft. Es ist authentisch und bewegend, wie sie sich im Schutz des kleinen Cottages langsam von ihrem Perfektionszauber löst und dabei feststellt, dass der ständige Kontrollzwang ihr die echte Freude am Gegenwärtigen genommen hat.
Neben dieser starken Charakterentwicklung ist das Setting definitiv ein Grund, warum ich gerne für immer bei Annie, Hal und Maeve wohnen würde: Überwuchertes Gemäuer, ein magischer Garten und tierische Bewohner des Waldes, die sich angelockt vom Duft der Backwaren unter dem Küchenfenster versammeln. „Uncharmed“ beweist, dass Magie in den kleinen Dingen des Alltags steckt. Staubkörner werden bei genauerem Hinschauen zu kleinen Feen und vermeintlich unbewegliche Statuen verziehen ihr Gesicht zu einem Lächeln. Aber nicht nur der Gedanke, ein friedliches Leben fernab von Stress und Hektik zu führen, ist ein gutes Argument für ein dauerhaftes Verweilen in dieser Geschichte. Denn mal ehrlich, wer von uns würde nicht gerne wie Annie mit einem Fingerwinken das Chaos nach dem Backen beseitigen oder den Kleidungsstücken befehlen, sich selbst zu einem stimmigen Outfit zusammenzufügen?
„Uncharmed“ ist mehr als nur ein Ausflug in eine magische, alltagsferne Welt. Das Buch beweist, welche Schönheit abseits von Perfektion und Kontrolle liegt – wenn man, genau wie Annie, mutig genug ist, loszulassen.
Du willst mehr? Du bekommst mehr!
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„Uncharmed“ ist mehr als nur ein Ausflug in eine magische, alltagsferne Welt. Das Buch beweist, welche Schönheit abseits von Perfektion und Kontrolle liegt – wenn man, genau wie Annie, mutig genug ist, loszulassen.
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