Haben attraktive Menschen es wirklich leichter?

Attraktive Frau im Spiegel
Für Frauen kann Attraktivität auch ein Nachteil sein.
Jenna Wolfram, funky-Jugendreporterin

Es gibt wieder eine neue Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Dieses Mal geht es um Äußerlichkeiten. Stimmt es, dass attraktive Menschen es wirklich leichter im Leben haben?

Dass Schönheit in unserer Gesellschaft zu einem Privileg oder sogar zu einem Statussymbol geworden ist, ist spürbar. Die Zahlen kosmetischer Eingriffe steigen, der Absatzmarkt für Skin-Care-Produkte wird immer größer. Viel Wert auf sein Äußeres zu legen, zahlt sich scheinbar aus: Man bekommt mehr Aufmerksamkeit, wird tendenziell eher respektiert und häufig als sympathischer wahrgenommen. Doch wieviel steckt tatsächlich hinter diesen Erwartungen – und ist Schönheit wirklich ein reiner Segen?

In der Soziologie gibt es einen Bereich, der sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt: die Attraktivitätsforschung. Diese fand heraus, dass Menschen oft dazu tendieren, ästhetische Merkmale direkt mit ethischen, also „guten“ Charaktereigenschaften, zu assoziieren. Dadurch entsteht der in der Sozialpsychologie beschriebene „Halo-Effekt“, bei dem attraktiven Personen Merkmale wie Geselligkeit, Aufrichtigkeit, Fleiß und Intelligenz zugeschrieben werden. Die Auswirkungen dessen lassen sich über das ganze Leben hinweg beobachten: „Hübsche“ Babys erfahren tendenziell mehr Zuneigung und Aufmerksamkeit, in der Schule haben diese Kinder oft mehr Freunde und im späteren Berufs- und Liebesleben verspricht ein gutes Aussehen ebenfalls bessere Erfolgschancen. Weshalb diese Verbindung von Ästhetik und Ethik jedoch zustande kommt, ist Forschenden noch unklar. Da sie jedoch schon im Alter von wenigen Monaten beobachtbar ist, lässt sich eine rein gesellschaftliche Prägung ausschließen.

Auch in der Berufswelt kann Attraktivität von Vorteil sein. Neben den Aspekten, dass wir Schönheit eher wahrnehmen und uns daran erinnern, was die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Bewerbungsprozess oder eine Beförderung erhöhen kann, gibt es sogar Studien, die einen Zusammenhang zwischen Gehalt und Attraktivität fanden. Einer Untersuchung der Universität Wuppertal zufolge verdienen attraktive Menschen im Schnitt bis zu fünf Prozent mehr, trotz Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht oder Berufserfahrung.

Doch objektive Schönheit hat auch Nachteile. Wenn auch ein Großteil der Assoziationen gegenüber attraktiven Mitmenschen positiv ist, gibt es dennoch schlechte Charaktereigenschaften, die viele mit Attraktivität in Verbindung setzen, etwa Attribute wie Eitelkeit, Arroganz oder sogar Narzissmus. Außerdem führt Neid gegenüber diesen Personen besonders in beruflich-sozialen Kontexten zu einem starken Konkurrenzdenken, woraus eine gewisse Feindseligkeit entstehen kann. Wichtig ist hier die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Stereotypen: Besonders attraktive Frauen werden oft belächelt, und vor allem in männlich-dominierten Berufen nicht vollständig ernstgenommen. Von Frauen, die dem typisch-weiblichen Schönheitsideal entsprechen, wird häufig auch das Erfüllen eines traditionellen Rollenbilds erwartet. Diesem zufolge seien Frauen schwächer, emotionaler und weniger logisch-denkend. Somit müssen sie ihre Kompetenz eher beweisen, besonders in praktisch-orientierten Berufen. Und auch attraktive Männer können Stereotypen-bedingte Einschränkungen erfahren: Im Zwischenmenschlichen wurde festgestellt, dass Männer, die als objektiv attraktiv wahrgenommen werden, häufig als unehrlich oder oberflächlich eingeordnet werden, was das Sozialleben beeinträchtigen kann.

Insgesamt ist jedoch klar: Die Vorteile eines guten Aussehens überwiegen in unserer Gesellschaft. Ein gutes Aussehen kann einem im Leben also tatsächlich vieles erleichtern.

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