Markus Knall, Chefredakteur bei Ippen.Media, und Meinolf Ellers, Journalist bei der DPA sowie Mitgründer des Medienkompetenzprojekts „Usethenews“, wollen den Lokaljournalismus wieder sichtbar machen. Gemeinsam haben sie den Tag des Lokaljournalismus ins Leben gerufen, um wieder stärker mit den Menschen vor Ort in den Austausch zu gehen. Am 5. Mai planen lokale Medienhäuser aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz besondere Aktionen, um neugierig zu machen, Nähe zu demonstrieren und auch junge Menschen stärker in die journalistische Arbeit einzubinden. Im Interview sprechen die beiden darüber, was guten Lokaljournalismus ausmacht, wie er junge Zielgruppen erreichen kann und welche Bedeutung er für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat.
Markus Knall
Lieber Markus, lieber Meinolf, was macht guten Lokaljournalismus aus? Markus Knall: Guter Lokaljournalismus lebt von der Nähe zu den Menschen der Region. Lokale Medien machen dann einen guten Job, wenn sie die Themen, die die Menschen bewegen – ganz egal, welche politische Ausrichtung oder welchen sozialen Hintergrund sie haben – aufnehmen, gut einsortieren, reflektieren und darüber berichten. Anders als nationale Medien, die oft eine weltanschauliche Ausrichtung haben, geht es bei lokalen Medien um alle Menschen einer Region. Dieses verbindende Element charakterisiert lokale Medien und ist auch der gesellschaftliche Wert, den wir als Mediengattung haben. Meinolf Ellers: Leider kommt das bei den meisten jungen Menschen nicht an. Sie wissen nicht, was Nachrichten und Journalismus mit dem eigenen Leben zu tun haben. Es gibt eine massive Entkopplung zwischen unserer journalistischen Mission und der Lebenswirklichkeit der Menschen. Je jünger die Leute sind und je mehr social-media-sozialisiert sie sind, desto größer ist die Entfremdung. Doch diese Entkopplung lässt sich heilen. Der digitale Raum wird in bestimmten Aspekten als toxisch wahrgenommen: Wem kann ich trauen? Was ist das, was ich da gerade sehe? Und wem gehe ich auf den Leim? Lokaljournalismus vor Ort steht für Präsenz, Nahbarkeit und Vertrauenswürdigkeit. Diese Karte müssen wir völlig neu spielen. Wir haben uns zu weit zurückgezogen als Lokaljournalismus, wir sind viel zu unsichtbar geworden. Das müssen wir ändern. Der Tag des Lokaljournalismus ist der Startpunkt, um zu sagen: Wir müssen wieder hin zu den Menschen.
Meinolf Ellers
Wie schafft man es denn, dass junge Menschen mehr lokale Nachrichten konsumieren? Meinolf Ellers: Aus meiner Erfahrung bei Usethenews kann ich drei Dinge hervorheben: Wir müssen Journalismus wieder erklären und ihn als Handwerk zeigen. Junge Menschen müssen verstehen, dass unsere Arbeit direkt relevant für ihr eigenes Leben und eine funktionierende Demokratie ist. Zweitens: Wir müssen uns von den Grenzen des Papiers lösen und uns neu definieren. Das heißt vermutlich: Lokaljournalismus wird künftig auf vielen Kanälen stattfinden. Dabei muss auch die KI helfen, sonst können wir das gar nicht leisten. Auch die Personalisierung ist ein Riesenthema. Und der letzte Punkt: Man muss den Menschen auf Augenhöhe begegnen, ihnen zuhören und sich vom Sender-Empfänger-Prinzip lösen. Junge Menschen wollen partizipieren – das muss Journalismus noch lernen.
Gerade die Gen Z unterliegt dem Missverständnis, Journalistinnen und Journalisten müssten Aktivistinnen und Aktivisten sein..
Meinolf Ellers
Wie könnte das ganz praktisch aussehen? Meinolf Ellers: Man muss Jugendliche bei der Themensetzung mit ins Boot holen. Dann versuchen wir, Angebote zu machen und sie einzubeziehen. Markus Knall: Doch selbst mit den richtigen Themen erreichen wir junge Menschen nicht, solange wir nicht die richtigen Kanäle bespielen. Ich habe neulich ein spannendes Zitat gehört, als es um das Format Podcast ging. Eine sehr junge Nutzerin sagte: „Wenn ich etwas in der Zeitung lese, weiß ich gar nicht, wer das geschrieben hat und ob ich der Person vertrauen kann. Aber wenn ich einen Podcast höre, habe ich das Gefühl, ich kenne die Person.“ Der Wert von Inhalten – unabhängig von der eigentlichen Information – wird vermehrt an den Kanal und den Botschafter gekoppelt. Das ist eine substanzielle Veränderung für Medien. Es geht nicht mehr nur um die objektiv richtige Nachricht. Es kommt ein neuer, zweiter Faktor hinzu: Nutzer suchen Autoren als Vertrauensbasis. Das Sichtbarmachen von Journalistinnen und Journalisten, und zwar auf vielen Kanälen, spielt daher eine große Rolle.
Wo läge dann die Grenze zwischen Meinungsjournalismus und neutraler Berichterstattung? Markus Knall: Das ist ein großes Thema. Wenn der Autor stärker im Mittelpunkt steht, wie wichtig ist dann die Nachricht an sich? Es ist unser Schulungsauftrag, mit dem journalistischen Handwerk gemeinsam zu lehren: Mit der Sichtbarkeit müssen auch immer die Sachfragen vermittelt werden, die die Grundlage für Entscheidungen bilden. Der Diskurs allein reicht nicht für eine Entscheidung aus. Ich sage das wohl wissend, dass sich die Gesellschaft gerade in eine andere Richtung bewegt und Entscheidungen oft aus einer Sympathie heraus getroffen werden. Es ist Teil unseres Jobs, dieser Tendenz entgegen zu wirken, denn am Ende des Tages ist das der Kern des Journalismus. Meinolf Ellers: Gerade die Gen Z unterliegt dem Missverständnis, Journalistinnen und Journalisten müssten Aktivistinnen und Aktivisten sein. Doch im Journalismus muss man mit allen Beteiligten sprechen. Ich kann abends auf eine Klimademo gehen, aber im Job muss ich neutral bleiben und auch der Gegenseite eine Stimme geben. Der Politiker und Kommunikationsforscher Peter Glotz sagte in den 80er-Jahren: „Der Journalist ist zu allererst Anwalt des öffentlichen Gesprächs.“ Und das geht nur, indem man nicht vorher festlegt, wer zu Wort kommen darf.
Wir brauchen sichtbare Autorinnen und Autoren mit Nähe zu den Menschen und Wirksamkeit in einer Region.
Markus Knall
Was passiert am Tag des Lokaljournalismus? Markus Knall: Der Tag des Lokaljournalismus ist eine Bewegung, bei der ein erheblicher Teil der deutschsprachigen Lokal- und Regionalmedien mitmacht. Die UNESCO hat daher die Schirmherrschaft übernommen. Am 5. Mai bieten die Medienhäuser viel an: Events, Social Media, besondere Aktionen – alles, was dabei hilft, den Menschen zu vermitteln, wie wichtig Lokaljournalismus für Demokratie und Gesellschaft ist. Gerne auch mit dem Schwerpunkt auf jüngeren Menschen. Natürlich spielt Social Media eine große Rolle. Wir müssen auf den Kanälen präsent sein, auf denen unsere heutigen und künftigen Leserinnen und Leser sind. Dazu planen wir beispielsweise die Newsrooms für Creatoren zu öffnen, sodass sie „Behind the Scenes“ für ihre Zuschauerinnen und Zuschauer drehen können. Physische Events sind ebenfalls ein wichtiges Element, weil gemeinsames Erleben in der realen Welt eine Rolle für lokale Medien sein kann. In München bereiten wir daher eine Veranstaltung mit der Philipp-Lahm-Stiftung vor. Sportevents sind ein gutes Mittel, damit junge Menschen einen ersten Kontakt zu einem lokalen Medium erleben. Meinolf Ellers: Die Kolleginnen und Kollegen bei Somedia in der Südostschweiz werden am 5. Mai beispielsweise jedes Dorf im Verbreitungsgebiet besuchen, damit die Leute dort vor Ort mit ihnen ins Gespräch kommen können. Das finde ich unglaublich, das ist der Spirit, den wir an diesem Tag wollen. In Garmisch plant eine Lokalredaktion, auf die Zugspitze zu gehen und die höchste Lokalredaktion Deutschlands zu machen. Das erzeugt auch eine große symbolische Wirkung.
Warum ist Lokaljournalismus wichtig für die Demokratie? Meinolf Ellers: Auf lokaler Ebene erodiert der gesellschaftliche Zusammenhalt zunehmend. Die Polarisierung nimmt zu, die Bindungswirkung von Vereinen und Kirche lässt nach. Wenn wir etwas tun wollen, um die Demokratie wieder zu beleben, dann muss man der Basis anfangen – im Lokalen. Lokaljournalismus ist dafür da, Menschen vor Ort zusammenzubringen und die großen Themen zu moderieren. Und er ermöglicht den Menschen Selbstwirksamkeit: Demokratie ist dafür da, sich zu beteiligen, Probleme zu lösen und Dinge besser zu machen. Doch wer mitmachen will, muss sich erstmal schlau machen, um diskursfähig zu sein. Und das geht nur, wenn wir uns darauf verständigen: Was sind die Fakten? Wer ist die vertrauenswürdige Quelle? Darauf kann ich immer nur entgegnen: Lokaljournalismus.
Immer wieder hört man, der Lokaljournalismus sei vom Aussterben bedroht. Wie sieht Lokaljournalismus in zehn Jahren aus? Markus Knall: Zwei Dinge werden den Lokaljournalismus in den nächsten Jahren verändern: Das eine ist KI. Sie eröffnet Möglichkeiten für Lokaljournalismus, die wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können. Das zweite ist die Rolle der Journalistinnen und Journalisten als Creator. Wir brauchen sichtbare Autorinnen und Autoren mit Nähe zu den Menschen und Wirksamkeit in einer Region. Beides wird in den nächsten fünf oder zehn Jahren spürbar dazu führen, dass Lokaljournalismus seine Bedeutung ausbaut. Beide Entwicklungen haben schon begonnen.
Markus Knall, Chefredakteur bei Ippen.Media, und Meinolf Ellers, Journalist bei der DPA sowie Mitgründer des Medienkompetenzprojekts „Usethenews“, wollen den Lokaljournalismus wieder sichtbar machen. Gemeinsam haben sie den Tag des Lokaljournalismus ins Leben gerufen, um wieder stärker mit den Menschen vor Ort in den Austausch zu gehen. Am 5. Mai planen lokale Medienhäuser aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz besondere Aktionen, um neugierig zu machen, Nähe zu demonstrieren und auch junge Menschen stärker in die journalistische Arbeit einzubinden. Im Interview sprechen die beiden darüber, was guten Lokaljournalismus ausmacht, wie er junge Zielgruppen erreichen kann und welche Bedeutung er für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat.
Lieber Markus, lieber Meinolf, was macht guten Lokaljournalismus aus?
Markus Knall: Guter Lokaljournalismus lebt von der Nähe zu den Menschen der Region. Lokale Medien machen dann einen guten Job, wenn sie die Themen, die die Menschen bewegen – ganz egal, welche politische Ausrichtung oder welchen sozialen Hintergrund sie haben – aufnehmen, gut einsortieren, reflektieren und darüber berichten. Anders als nationale Medien, die oft eine weltanschauliche Ausrichtung haben, geht es bei lokalen Medien um alle Menschen einer Region. Dieses verbindende Element charakterisiert lokale Medien und ist auch der gesellschaftliche Wert, den wir als Mediengattung haben.
Meinolf Ellers: Leider kommt das bei den meisten jungen Menschen nicht an. Sie wissen nicht, was Nachrichten und Journalismus mit dem eigenen Leben zu tun haben. Es gibt eine massive Entkopplung zwischen unserer journalistischen Mission und der Lebenswirklichkeit der Menschen. Je jünger die Leute sind und je mehr social-media-sozialisiert sie sind, desto größer ist die Entfremdung. Doch diese Entkopplung lässt sich heilen. Der digitale Raum wird in bestimmten Aspekten als toxisch wahrgenommen: Wem kann ich trauen? Was ist das, was ich da gerade sehe? Und wem gehe ich auf den Leim? Lokaljournalismus vor Ort steht für Präsenz, Nahbarkeit und Vertrauenswürdigkeit. Diese Karte müssen wir völlig neu spielen. Wir haben uns zu weit zurückgezogen als Lokaljournalismus, wir sind viel zu unsichtbar geworden. Das müssen wir ändern. Der Tag des Lokaljournalismus ist der Startpunkt, um zu sagen: Wir müssen wieder hin zu den Menschen.
Wie schafft man es denn, dass junge Menschen mehr lokale Nachrichten konsumieren? Meinolf Ellers: Aus meiner Erfahrung bei Usethenews kann ich drei Dinge hervorheben: Wir müssen Journalismus wieder erklären und ihn als Handwerk zeigen. Junge Menschen müssen verstehen, dass unsere Arbeit direkt relevant für ihr eigenes Leben und eine funktionierende Demokratie ist. Zweitens: Wir müssen uns von den Grenzen des Papiers lösen und uns neu definieren. Das heißt vermutlich: Lokaljournalismus wird künftig auf vielen Kanälen stattfinden. Dabei muss auch die KI helfen, sonst können wir das gar nicht leisten. Auch die Personalisierung ist ein Riesenthema. Und der letzte Punkt: Man muss den Menschen auf Augenhöhe begegnen, ihnen zuhören und sich vom Sender-Empfänger-Prinzip lösen. Junge Menschen wollen partizipieren – das muss Journalismus noch lernen.
Wie könnte das ganz praktisch aussehen?
Meinolf Ellers: Man muss Jugendliche bei der Themensetzung mit ins Boot holen. Dann versuchen wir, Angebote zu machen und sie einzubeziehen.
Markus Knall: Doch selbst mit den richtigen Themen erreichen wir junge Menschen nicht, solange wir nicht die richtigen Kanäle bespielen. Ich habe neulich ein spannendes Zitat gehört, als es um das Format Podcast ging. Eine sehr junge Nutzerin sagte: „Wenn ich etwas in der Zeitung lese, weiß ich gar nicht, wer das geschrieben hat und ob ich der Person vertrauen kann. Aber wenn ich einen Podcast höre, habe ich das Gefühl, ich kenne die Person.“ Der Wert von Inhalten – unabhängig von der eigentlichen Information – wird vermehrt an den Kanal und den Botschafter gekoppelt. Das ist eine substanzielle Veränderung für Medien. Es geht nicht mehr nur um die objektiv richtige Nachricht. Es kommt ein neuer, zweiter Faktor hinzu: Nutzer suchen Autoren als Vertrauensbasis. Das Sichtbarmachen von Journalistinnen und Journalisten, und zwar auf vielen Kanälen, spielt daher eine große Rolle.
Wo läge dann die Grenze zwischen Meinungsjournalismus und neutraler Berichterstattung?
Markus Knall: Das ist ein großes Thema. Wenn der Autor stärker im Mittelpunkt steht, wie wichtig ist dann die Nachricht an sich? Es ist unser Schulungsauftrag, mit dem journalistischen Handwerk gemeinsam zu lehren: Mit der Sichtbarkeit müssen auch immer die Sachfragen vermittelt werden, die die Grundlage für Entscheidungen bilden. Der Diskurs allein reicht nicht für eine Entscheidung aus. Ich sage das wohl wissend, dass sich die Gesellschaft gerade in eine andere Richtung bewegt und Entscheidungen oft aus einer Sympathie heraus getroffen werden. Es ist Teil unseres Jobs, dieser Tendenz entgegen zu wirken, denn am Ende des Tages ist das der Kern des Journalismus.
Meinolf Ellers: Gerade die Gen Z unterliegt dem Missverständnis, Journalistinnen und Journalisten müssten Aktivistinnen und Aktivisten sein. Doch im Journalismus muss man mit allen Beteiligten sprechen. Ich kann abends auf eine Klimademo gehen, aber im Job muss ich neutral bleiben und auch der Gegenseite eine Stimme geben. Der Politiker und Kommunikationsforscher Peter Glotz sagte in den 80er-Jahren: „Der Journalist ist zu allererst Anwalt des öffentlichen Gesprächs.“ Und das geht nur, indem man nicht vorher festlegt, wer zu Wort kommen darf.
Was passiert am Tag des Lokaljournalismus?
Markus Knall: Der Tag des Lokaljournalismus ist eine Bewegung, bei der ein erheblicher Teil der deutschsprachigen Lokal- und Regionalmedien mitmacht. Die UNESCO hat daher die Schirmherrschaft übernommen. Am 5. Mai bieten die Medienhäuser viel an: Events, Social Media, besondere Aktionen – alles, was dabei hilft, den Menschen zu vermitteln, wie wichtig Lokaljournalismus für Demokratie und Gesellschaft ist. Gerne auch mit dem Schwerpunkt auf jüngeren Menschen. Natürlich spielt Social Media eine große Rolle. Wir müssen auf den Kanälen präsent sein, auf denen unsere heutigen und künftigen Leserinnen und Leser sind. Dazu planen wir beispielsweise die Newsrooms für Creatoren zu öffnen, sodass sie „Behind the Scenes“ für ihre Zuschauerinnen und Zuschauer drehen können. Physische Events sind ebenfalls ein wichtiges Element, weil gemeinsames Erleben in der realen Welt eine Rolle für lokale Medien sein kann. In München bereiten wir daher eine Veranstaltung mit der Philipp-Lahm-Stiftung vor. Sportevents sind ein gutes Mittel, damit junge Menschen einen ersten Kontakt zu einem lokalen Medium erleben.
Meinolf Ellers: Die Kolleginnen und Kollegen bei Somedia in der Südostschweiz werden am 5. Mai beispielsweise jedes Dorf im Verbreitungsgebiet besuchen, damit die Leute dort vor Ort mit ihnen ins Gespräch kommen können. Das finde ich unglaublich, das ist der Spirit, den wir an diesem Tag wollen. In Garmisch plant eine Lokalredaktion, auf die Zugspitze zu gehen und die höchste Lokalredaktion Deutschlands zu machen. Das erzeugt auch eine große symbolische Wirkung.
Warum ist Lokaljournalismus wichtig für die Demokratie?
Meinolf Ellers: Auf lokaler Ebene erodiert der gesellschaftliche Zusammenhalt zunehmend. Die Polarisierung nimmt zu, die Bindungswirkung von Vereinen und Kirche lässt nach. Wenn wir etwas tun wollen, um die Demokratie wieder zu beleben, dann muss man der Basis anfangen – im Lokalen. Lokaljournalismus ist dafür da, Menschen vor Ort zusammenzubringen und die großen Themen zu moderieren. Und er ermöglicht den Menschen Selbstwirksamkeit: Demokratie ist dafür da, sich zu beteiligen, Probleme zu lösen und Dinge besser zu machen. Doch wer mitmachen will, muss sich erstmal schlau machen, um diskursfähig zu sein. Und das geht nur, wenn wir uns darauf verständigen: Was sind die Fakten? Wer ist die vertrauenswürdige Quelle? Darauf kann ich immer nur entgegnen: Lokaljournalismus.
Immer wieder hört man, der Lokaljournalismus sei vom Aussterben bedroht. Wie sieht Lokaljournalismus in zehn Jahren aus?
Markus Knall: Zwei Dinge werden den Lokaljournalismus in den nächsten Jahren verändern: Das eine ist KI. Sie eröffnet Möglichkeiten für Lokaljournalismus, die wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können. Das zweite ist die Rolle der Journalistinnen und Journalisten als Creator. Wir brauchen sichtbare Autorinnen und Autoren mit Nähe zu den Menschen und Wirksamkeit in einer Region. Beides wird in den nächsten fünf oder zehn Jahren spürbar dazu führen, dass Lokaljournalismus seine Bedeutung ausbaut. Beide Entwicklungen haben schon begonnen.
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