Erfahrungsbericht: Wie wirkt ein Akzent auf den Alltag und die Identität?

Zwei Mädchen sitzen sich auf dem Fußboden gegenüber und unterhalten sich
Mehrsprachigkeit hat viele Vorteile, aber manchmal auch Nachteile.
Arsa Bushi, funky-Jugendreporterin

Wenn man viele Sprachen spricht, ist das erstmal ein Vorteil. Doch wie verhält es sich, wenn man dabei einen Akzent hat?  Ich bin mehrsprachig aufgewachsen, und obwohl ich hier in Deutschland zur Schule gehe und aufwachse, begleitet mich mein „nicht-deutscher“ Akzent schon immer. 

Schon als Kind habe ich gemerkt, dass mein albanischer Akzent mich von den anderen Kindern unterscheidet. Ob beim Einkaufen, begrüßen, Fragen stellen, in der Schule oder einfach im Gespräch mit Freundinnen und Freunden – oft war sofort klar, woher ich komme, noch bevor ich selbst ein Wort darüber verloren habe. Anfangs war mir das unangenehm. Ich wollte einfach dazugehören und nicht ständig erklären müssen, woher ich komme oder warum ich manche Wörter anders ausspreche. Ich habe sogar schon vor einem Gespräch überlegt, meinen Akzent zu unterdrücken, und mich manchmal dafür entschuldigt, dass ich so rede, wie ich rede. 

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mein Akzent ein Teil von mir ist – ein Teil meiner Identität. Er ist meine Geschichte, meine Herkunft, meine Familie, mein Zuhause, meine Vergangenheit. Gleichzeitig macht er mir den Alltag manchmal schwerer. Mitschülerinnen und Mitschüler haben mich häufiger korrigiert oder ausgelacht. Manchmal wollten Leute in meinem Alter gar nicht mit mir sprechen, weil meine Sprache für sie „komisch“ klang. 

Es gibt Momente, in denen ich gern neutral klingen würde, um nicht aufzufallen – und Momente, in denen ich meinen Akzent bewusst einsetze, um mich zu zeigen. 

Durch meine Art, zu reden, wurde ich auch oft als besonders wahrgenommen. Es ist schließlich auch eine Fähigkeit, die viele nicht haben: Ich spreche eine weitere Sprache, ich kann mich anpassen, mich integrieren. Dafür wurde ich gelobt. Meine Klassenlehrerin sagte einmal: „Dass du einen Akzent hast, ist kein Grund, dich schlechter zu bewerten. Das nimmt dir keine Chance auf eine Eins.“ 

Menschen fragen nach, wollen mehr über mich erfahren. Ein Akzent bedeutet, dass man eine Sprache spricht – und eine Sprache zu sprechen heißt, sich einzufügen, sich anzupassen und dazuzugehören. Das ist eine Stärke, keine Schwäche. Ich kann stolz darauf sein, dass ich Spuren meiner Herkunft mit mir trage. Und genau das stärkt mein Selbstbewusstsein.  

Im Alltag bedeutet das manchmal, dass ich unbewusst reagiere: mich korrigiere, lächle und weiterspreche – oder einfach meinen Akzent bewusst einsetze, um zu zeigen, wer ich bin. 

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.