Meinung

2016: Zwischen Erinnerung und Inszenierung 

Zwei junge Frauen machen ein Selfie von sich
Selfies mit Snapchat-Filter: Das war 2016 der Trend schlechthin!
Larissa Menne, funky-Jugendreporterin

Auf TikTok und Instagram ist das Jahr 2016 gerade überall. Ob alte Festivalfotos, Snapchat-Hundefilter, unscharfe Handyvideos mit schlechter Frontkamera – all das begleitet vom Hashtag #bringback2016. Viele junge Menschen blicken mit einem Hauch Melancholie auf dieses Jahr zurück. Doch was sagt diese kollektive Nostalgie eigentlich über unsere Gegenwart aus? 

Der Trend zeigt vor allem eines: Viele Menschen erinnern sich mit Freude, aber auch ein wenig Wehmut an die Vergangenheit vor zehn Jahren zurück. Kein Wunder, denn viele von ihnen waren damals noch Teenager oder gerade erst volljährig. Für sie war 2016 eine Zeit voller erster Male, neuer Freiheiten und intensiver Erlebnisse.  

Gleichzeitig offenbart der Trend, wie schnelllebig Popkultur und digitale Trends sind. Fidget-Spinner, Bottle-Flips oder der berühmte Hundefilter auf Snapchat waren allgegenwärtig, verschwanden jedoch ebenso schnell wieder aus dem kollektiven Gedächtnis. Beim Posten kommt einem also schnell der Gedanke: Was habe ich damals bloß gemacht? 

Doch so sehr die Throwback-Posts auch danach aussehen mögen: Auch 2016 war nicht alles gut. Politische Krisen, gesellschaftliche Konflikte und persönliche Probleme gab es damals genauso. Trotzdem erinnern wir uns lieber an die Highlights, seien das Sommerabende mit Freund:innen, eine lustige Klassenfahrt oder ein Trend auf Musical.ly. Beim Posten wird deutlich: Nostalgie ist kein ehrlicher Chronist. Und unser Gedächtnis ist kein Archiv, sondern eher ein Fotoalbum mit ausgewählten Eindrücken.  

Dass Menschen gerade jetzt verstärkt zur Nostalgie neigen, überrascht kaum. Die Weltordnung scheint mehr und mehr zu bröckeln. Politische Instabilität, Kriege, Klimakrise und eine Nachrichtenlage, die täglich neue Hiobsbotschaften bereithält, erzeugen Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Schon der Start ins neue Jahr war von Unglücken und Krisen geprägt. Das stimmt nicht gerade optimistisch und der Blick zurück erscheint dabei einfacher als der Blick nach vorn. 

Der 2016-Trend sollte aber auch nicht überinterpretiert werden. Er bedeutet nicht, dass junge Menschen lieber in der Vergangenheit leben wollen, statt die Zukunft anzupacken. Vielmehr ist er ein Schmunzeln über alte Fotos und Videos, das für einen kurzen Moment positive Gefühle auslöst. Vergleichbar sind vielleicht die Erzählungen unserer Eltern oder Großeltern von der „guten alten Zeit“, die wir ebenfalls nicht allzu ernst nehmen. 

Dabei darf man auch nicht vergessen, dass jeder Instagram-Post immer auch Selbstdarstellung ist. Viele zeigen, was sie 2016 schon erreicht hatten, oder wie sehr sie sich seitdem verändert haben und hoffen entsprechend auf lobende Worte ihrer Follower:innen. Instagram ist also nie nur Erinnerung, sondern auch Inszenierung. 

Kurzum bedeutet der Trend also nicht, dass wir bald wieder Choker-Ketten tragen, Pokémon Go spielen oder nur noch Selfies mit Snapchat-Filtern machen. Jedes Jahr hat seine eigenen Trends und 2026 ist definitiv nicht das neue 2016. Dafür hat sich die Welt – und haben wir alle uns – viel zu sehr verändert. 

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.