Was tun, wenn man von einem Freund oder einer Freundin geghostet wird

Mädchen liegt mit unbeantwortetem Telefonhörer auf einem Sofa.
Ghosting ist eine sehr bequeme und ungerechte Art, sich abzugrenzen. Dem anderen die Chance zu verwehren, sich erklären oder entschuldigen zu dürfen, kann großen Schmerz verursachen.
Veronika Hensing, funky-Jugendreporterin

Funkstille nach einer Auseinandersetzung mit Freundinnen oder Freunden, einer unangenehmen Situation oder einfach, weil man gerade Zeit für sich braucht, ist ganz normal. Manchmal braucht es eben einen Moment, sich zu sortieren, hochgekochte Emotionen abkühlen zu lassen oder die soziale Batterie wieder aufzuladen. Zeit für sich kann auch dabei helfen, mit Abstand auf die Dinge zu schauen und mit einem kühlen Kopf das Gespräch neu aufzunehmen. Wichtig ist allerdings, dass man kommuniziert, dass man diese Zeit benötigt und sich meldet, wenn man wieder bereit für Kontakt ist.

Aber was ist, wenn die Versuche, mit der anderen Person wieder in Kontakt zu treten, unbeantwortet bleiben? Wenn WhatsApp Nachrichten und Telefonanrufe ignoriert werden – und das über mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate?

Das plötzliche unerklärte Abbrechen einer Freundschaft oder Bekanntschaft kann einen ganz schön aus der Bahn werfen. Wenn der Dialog nicht mehr möglich, ist fängt man leider oft an, einen Monolog mit sich selbst zu führen, der viele Fragen offenlässt. Besonders schmerzlich ist das dann, wenn dem Moment, in dem man bemerkt, dass die andere Person nicht mehr erreichbar ist, nicht einmal ein einschneidendes Erlebnis zugeordnet werden kann, das für beide ersichtlich ist.  So ist es schwer, sich zu erklären, woher die Funkstille rührt.  

Dass Situationen nicht immer gleich wahrgenommen werden, ist klar. Und dass man eventuell etwas Verletzendes gesagt oder getan hat, ohne es selbst zu merken, kann immer mal passieren. Mit Ghosting zu reagieren, liegt meistens an der Unfähigkeit der anderen Person, das Problem anzusprechen. Manchmal ist die Verletzung auch so unüberwindbar, dass nur noch ein radikaler Kontraktbruch möglich ist.

Ghosting ist eine sehr bequeme und ungerechte Art, sich abzugrenzen. Dem anderen die Chance zu verwehren, sich erklären oder entschuldigen zu dürfen, kann großen Schmerz verursachen. Dinge, die unausgesprochen und ungeklärt sind, können sehr hartnäckig an einem nagen und bewirken oft ein Gedankenkarussell an Fragen und Zweifeln, die in emotionale Untiefen abdriften können. Das Gefühl der Ohnmacht kann Verzweiflung verursachen, denn viel mehr, als die andere Person per Nachricht um ein Gespräch zu bitten, kann man nicht tun. Ghosting ist ein klares Signal, dass eine Grenze erreicht wurde, die man trotz der Radikalität, die mitschwingt, akzeptieren muss.

Was helfen kann, ist mit anderen Freunden und der Familie zu sprechen. Auch das Gespräch mit Personen zu suchen, die in Kontakt mit Person XY sind und nachzufragen, ob und wie man die Sache einordnen soll, kann helfen – insbesondere,  wenn man sich um die andere Person sorgt. Denn auch das ist eine mögliche Auslegung von Ghosting: der anderen Person kann es nicht gut gehen.

Manchmal kann es auch helfen einen Brief zu schreiben, in dem man seinen Gefühlen und der Enttäuschung über den abrupten Kontaktabbruch Ausdruck verleiht. Damit wahrt man die Grenzen der anderen Person und kann wenigstens loswerden, was einen selbst verletzt und eventuell nochmal um ein Gespräch bitten. Ein Brief kann helfen, mit der Situation abzuschließen und im schlimmsten Fall auch mit der Beziehung zu der Person, die plötzlich aus dem eigenen Leben verschwunden ist.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.