Studie: Junge Menschen sind perfektionistischer denn je

Eine Frau sitzt vor dem Laptop und hält sich die Hände vor das Gesicht
Junge Menschen stehen heute stärker unter Druck als früher.
Jenna Wolfram, funky-Jugendreporterin

Junge Menschen setzen sich heute stärker unter Druck als frühere Generationen.  Zu diesem Ergebnis kam eine Metastudie der American Psychological Association (APA), in der über eine Zeitspanne von 35 Jahren untersucht wurde, wie sich Perfektionismus bei Studierenden ausprägt. Dafür analysierten sie 307 Stichproben mit insgesamt fast 83.000 amerikanischen, kanadischen und britischen Studierenden.

Die Forschenden fanden heraus, dass insbesondere seit den 2000er-Jahren soziale Perfektionismusansprüche, die Angst vor Fehlern und Selbstzweifel deutlich zugenommen haben. Weil der Anstieg des Perfektionismus jedoch nicht allein durch eine Zunahme von Depressionen oder Angststörungen erklärt werden kann, vermuten die Forschenden, dass Perfektionismus ein breiteres gesellschaftliches Phänomen ist und nicht nur Personen mit psychischen Erkrankungen betrifft.

Die Studie unterscheidet hier zwischen drei Teilbereichen: Selbstorientierter, sozial bedingter und fremdbezogener Perfektionismus. In allen Bereichen konnte ein deutlicher Anstieg beobachtet werden, wobei die Ursachen oft weniger beim Individuum, sondern mehr in der Gesellschaft liegen. Aufgrund des immensen Anstiegs in den frühen 2000er-Jahren sprechen Einzelne sogar von einer „perfectionism pandemic“.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei einerseits das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und soziale Ungleichheiten. Die Studie fand einen Zusammenhang zwischen einem geringeren BIP und stärkeren perfektionistischen Befürchtungen, auch zwischen sozialer Ungleichheit und höheren perfektionistischen Bestrebungen fanden die Forschenden Zusammenhänge. Sie schlossen daraus, dass junge Menschen aus Sorge vor Armut dazu tendieren, besonders hohe Anforderungen an sich und ihre Zukunft zu stellen, um die Wahrscheinlichkeit für die befürchtete Notlage zu reduzieren.

Andere Gründe umfassen prägende Ereignisse der letzten Jahre, wie etwa die Corona-Pandemie, im Zusammenhang mit der steigenden Social Media-Nutzung. Gerade soziale Medien ermöglichen einen ständigen Vergleich mit scheinbar perfekten Lebensläufen, Körperbildern oder Karrierewegen. Dadurch wird jungen Menschen etwa ein Lebensstil vorgeführt, der das eigene Leben als unzureichend aussehen lassen könnte. Die Bestrebungen, solchen Idealen zu entsprechen, werden auch auf diese Weise verstärkt.  

Perfektionismus wirkt sich ebenfalls auf die mentale Gesundheit aus: Der Studie zufolge führt er zu erhöhter Anspannung und Stress, kann allerdings auch depressive Verstimmungen, Selbstzweifel und Ängste begünstigen. Ob Perfektionismus jedoch direkt zu Depressionen oder Angststörungen führe, konnte noch nicht nachgewiesen werden.

Die Forschenden verweisen wiederholt darauf, dass diese Entwicklungen überwiegend sozioökonomischen Ursprungs sind. Somit rufen sie am Ende Politiker, Experten für mentale Gesundheit und Pädagogen dazu auf, diese Erkenntnisse ernst zu nehmen und gegen sie vorzugehen, um schwerwiegendere Folgen zu verhindern. Dies kann entweder durch Präventionsangebote, bessere psychologische Unterstützung oder den Abbau sozialer Ungleichheiten erreicht werden.

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