5 funky facts

Fünf medizinische Entdeckungen von Frauen

Zwei Frauen arbeiten mit Reagenzgläsern im Labor
Viele Frauen haben durch ihre medizinischen Entdeckungen die Welt verändert.
Magdalena Naumann, funky-Jugendreporterin

Viele wegweisende medizinische Entdeckungen werden bis heute mit männlichen Forschern verbunden, zum Beispiel Edward Jenners Entwicklung der Pockenimpfung, Alexander Flemings Entdeckung des Penicillins oder Wilhelm Röntgens Innovation der Röntgenstrahlen. Diese Errungenschaften haben die moderne Medizin entscheidend geprägt und Millionen Menschenleben gerettet. Gleichzeitig wurden jedoch zahlreiche bedeutende Leistungen von Frauen lange übersehen oder unterschätzt. Erst nach und nach rückt das Gewicht ihrer Beiträge stärker in den Fokus der Forschungs- und Medizingeschichte. Folgende fünf medizinischen Entdeckungen sind Frauen zuzuschreiben und haben die Medizin nachhaltig verändert.

Die Frauen, die die Welt verändert haben, mussten nie etwas ,zeigen‘, außer ihrer Intelligenz. Der Körper spielt keine Rolle, was zählt, ist der Geist.

Rita Levi-Montalcini

Rita Levi-Montalcini
(c) Kurt Hagblom

1. Zellwachstum
Als ihr Kindermädchen unheilbar an Krebs erkrankte, beschloss Rita Levi-Montalcini, Medizin zu studieren. Die 1909 in Turin, Italien, geborene Jüdin begann 1930 ihr Medizinstudium und spezialisierte sich im Anschluss auf die neurologische Grundlagenforschung. Der italienische Diktator Moussolini verweigerte Frauen zu der Zeit jedoch den Zugang zu akademischen Positionen. Daher zog Levi-Montalcini 1936 nach Brüssel, Belgien, um dort als Gastwissenschaftlerin am Institut für Neurologie zu forschen. Zurück in Italien leitete sie in Rom ab 1969 das Laboratorium für Zellbiologie. In diesem Zeitraum konzentrierte sie sich auf die zelluläre Nachrichtenübertragung und die Steuerungsmechanismen hinter dem Zell- und Gewebewachstum. Dabei entdeckte sie die bedeutenden Wachstumsfaktoren EGF und NGF, die für Zellteilung und Zellwachstum zuständig sind. Für deren Charakterisierung erhielt sie 1986 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Tu Youyou
(c) Bengt Nyman

2. Malaria-Impfung
Tu Youyou wurde 1930 in China geboren. Sie studierte von 1951 bis 1955 Pharmazie an der Medizinischen Universität Peking. Mit ihrer Arbeitsgruppe suchte sie im Auftrag der chinesischen Regierung nach einem Wirkstoff gegen Malaria, einer Tropenkrankheit, die durch Parasiten und Mücken übertragen wird. Dafür nutzte sie unter anderem Überlieferungen der chinesischen Heilpflanzenkunde. 1971 gelang ihr der Durchbruch: die Entdeckung eines Wirkstoffes gegen Malaria – auf Basis der Beifußpflanze. Für die Forschung, Entdeckung und Weiterentwicklung eines Malaria-Therapeutikums erhielt Youyou 2011 den „Lasker-DeBakey Clinical Medical Research Award“. Im Jahr 2015 wurde ihr dann, gemeinsam mit W.C. Campbell und S. Ōmura, der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen. Durch ihre Arbeit wurden weltweit Millionen Leben gerettet.

Mary-Claire King
(c) Uwe Dettmar/Paul-Ehrlich-Stiftung

3. Genetisch bedingter Brust- und Eierstockkrebs
Ursprünglich studierte die 1946 geborene Amerikanerin Mary-Claire King Mathematik. Nach ihrem Bachelor absolvierte sie jedoch noch ein Studium und eine Promotion im Bereich der Genetik. In ihrer Doktorarbeit wies sie nach, dass die genetische Grundlage, das Erbmaterial, von Mensch und Schimpanse zu 99 Prozent übereinstimmen. 1990 entdeckte King gemeinsam mit ihrem Team das Gen, das für etwa die Hälfte der genetischen Brust- und Eierstockkrebserkrankungen verantwortlich ist: BRCA 1. Für die Erforschung von Erbkrankheiten war genau das eine entscheidende Erkenntnis. Leider gelang King und ihrer Gruppe die Klonierung, das gezielte „Ausschneiden“ des Gens zu Forschungszwecken, nicht vor einer Gruppe um Mark Skolnick von der University of Utha, der 1997 und 2001 die Patente an der Lokalisation der Gene BRCA 1 und BRCA 2 erhielt. Dennoch wurde Mary-Claire Kings Arbeit oft geehrt, ausgezeichnet und zitiert. Ihre bedeutende Entdeckung trägt einen wichtigen Teil zur Forschung an Krebstherapeutika bei. King steht laut dem Medienkonzern Clarivate auf der Favoritenliste für einen Nobelpreis.

Ann S. Tsukamoto Weissmann
(c) Carlson Caspers

4. Stammzellforschung
Ann S. Tsukamoto Weissman wurde 1952 in Kalifornien geboren. Sie ist eine asiatisch-amerikanische Mikrobiologin und die Frau an der Spitze der Stammzellenforschung. Durch ihre medizinischen Forschungen und schuf sie eine Grundlage für das Verständnis des Blutsystems, vor allem von Krebspatienten. Dank dieser Entdeckungen konnten ganz neue Behandlungsansätze für als unheilbar geltende Krebsarten und neurologische Erkrankungen entwickelt werden. Nach ersten initialen Forschungen rund um die Isolierung von Stammzellen aus mit Krebszellen kontaminierten Blut von 1989 bis 1997 erhielt sie 1998 mehrere Führungspositionen eines spezialisierten kalifornischen Forschungsinstitutes. Dort leitete sie mehrere wissenschaftliche Gruppen, die sich mit Stammzellen im zentralen Nervensystem und der Leber befassten. Dabei gelang es ihnen, die aus Nagetier-Studien gewonnenen Erkenntnisse in Studien am Patienten mit Erfolg zu überprüfen und einzuordnen. Im Jahr 2021 hatte Tsukamoto insgesamt 13 US-Patente erteilt bekommen und hielt somit die kompletten Rechte an ihren Entdeckungen.

Françoise Barré-Sinoussi
(c) Prolineserver

5. HI-Virus
Die Virologin Françoise Barré-Sinoussi wurde 1947 in Paris geboren. Ihr Doktorat erhielt sich 1974 an der Faculté des sciences de Paris und startete ihre wissenschaftliche Forschungs-Karriere ein Jahr später am INSERM, einem Institut der französischen Gesundheits- und Forschungsministerien. Später arbeitete sie für das Pariser Institut Pasteur für medizinische Grundlagenforschung gemeinsam in einer Arbeitsgruppe mit Luc Montagnier. Innerhalb dieser Arbeitsgruppe gelang es Barré-Sinoussi, das HI-Virus zu identifizieren und somit den Auslöser für die globale Aids-Erkrankung zu finden. Durch eine zeitgleiche Veröffentlichung zum selben Virus kam es zu einem über Jahre anhaltenden Rechtsstreit mit einer anderen Forschergruppe um Robert Charles Gallo. Im Zeitraum von 1986 bis 1996 wurde Barré-Sinoussi zuerst Laborleiterin, später dann Abteilungsleiterin und schlussendlich Professorin und Leiterin der virenbezogenen Forschungsgruppen am Istitut Pasteur. Françoise Barré-Sinoussi setzte sich seither auf über 250 Konferenzen für den Kampf gegen Aids ein und steht der WHO als Beraterin zur Seite. Neben zahlreichen Auszeichungen und Ehrenpreisen wurde Barré-Sinoussi, gemeinsam mit Luc Mantagnier und dem deutschen Virologen Harald zur Hausen, mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.