Mit „Sorry, Baby“ gelingt Regisseurin Eva Victor ein durch und durch bemerkenswerter Film über sexualisierte Gewalt – vor allem über das Leben danach.
Im Zentrum des Films steht Agnes, eine talentierte Literaturdoktorandin, die mit ihrer besten Freundin Lydie im ländlichen Massachusetts lebt. Als ihr Professor sie zu einem Gespräch in sein Privathaus einlädt, entwickelt sich eine zunächst einvernehmliche Annäherung zu einem sexuellen Übergriff.
Doch anders als viele Filme über sexualisierte Gewalt, zwingt „Sorry, Baby“ die Zuschauenden nicht in die Rolle voyeuristischer Zeuginnen und Zeugen. Die Gewalttat wird weder gezeigt noch akustisch angedeutet. Die Kamera verharrt vor dem Haus, während es langsam dunkel wird. Als Agnes später heraustritt – aufgelöst, mit offenen Schnürsenkeln – ist klar, dass etwas Schlimmes geschehen ist. Dieses Auslassen ist kein Ausweichen, sondern zeigt einen respektvollen und empathischen Umgang mit der schweren Thematik. Man sieht kein Bild der Gewalt, aber man spürt ihre Folgen in jeder Szene danach.
(c) DCM Film Distribution
Die Erzählung verläuft nicht chronologisch, sondern spring in Kapiteln durch Agnes‘ Leben. Das zeigt, wie sich das Leben der Protagonistin nach „dem Jahr mit der schlimmen Sache“ in ein Davor und Danach teilt. Jahre später ringt sie noch immer mit den Folgen. Ihre Erinnerung erscheint bruchstückhaft, vorsichtig tastend, mit Unsicherheiten – so, wie traumatische Erlebnisse in der Realität häufig zurückkehren. Das Publikum erhält keine lückenlose Rekonstruktion der Tat. Daraus lässt sich viel über den Umgang mit Betroffenen lernen, denen allzu oft mit Misstrauen begegnet wird.
Bemerkenswert ist zudem der trockene Humor, der den Film durchzieht und insbesondere von Agnes selbst ausgeht. Gleichzeitig werden die sekundären Verletzungen deutlich: Die kühle Distanz des Arztes, der Agnes nach dem Übergriff untersucht. Die formale Sprache der Mitarbeiterin ihrer Hochschule, der sie den Übergriff meldet. Die Reaktionen zeugen davon, dass eine traumatische Erfahrung oft nicht mit dem Übergriff endet, sondern sich im Verhalten des Umfelds fortsetzt.
„Sorry, Baby“ ist zerstörerisch und hoffnungsvoll zugleich, schmerzhaft und tröstlich. Der Film vermeidet die bequeme Lösung, dem Leid und der Gewalt einen höheren Sinn zu verleihen oder die Verarbeitung als persönliche Reifung umzudeuten. Er besteht darauf, dass Betroffene nichts aus dem Geschehen „lernen“ oder „wachsen“ müssen. Schlimme Dinge passieren. Punkt. Heilung entsteht stattdessen durch Freundschaft, Solidarität sowie dem Mut, trotz allem weiterzumachen und vorsichtig wieder Vertrauen zuzulassen.
Mit „Sorry, Baby“ gelingt Regisseurin Eva Victor ein durch und durch bemerkenswerter Film über sexualisierte Gewalt – vor allem über das Leben danach.
Im Zentrum des Films steht Agnes, eine talentierte Literaturdoktorandin, die mit ihrer besten Freundin Lydie im ländlichen Massachusetts lebt. Als ihr Professor sie zu einem Gespräch in sein Privathaus einlädt, entwickelt sich eine zunächst einvernehmliche Annäherung zu einem sexuellen Übergriff.
Doch anders als viele Filme über sexualisierte Gewalt, zwingt „Sorry, Baby“ die Zuschauenden nicht in die Rolle voyeuristischer Zeuginnen und Zeugen. Die Gewalttat wird weder gezeigt noch akustisch angedeutet. Die Kamera verharrt vor dem Haus, während es langsam dunkel wird. Als Agnes später heraustritt – aufgelöst, mit offenen Schnürsenkeln – ist klar, dass etwas Schlimmes geschehen ist. Dieses Auslassen ist kein Ausweichen, sondern zeigt einen respektvollen und empathischen Umgang mit der schweren Thematik. Man sieht kein Bild der Gewalt, aber man spürt ihre Folgen in jeder Szene danach.
Die Erzählung verläuft nicht chronologisch, sondern spring in Kapiteln durch Agnes‘ Leben. Das zeigt, wie sich das Leben der Protagonistin nach „dem Jahr mit der schlimmen Sache“ in ein Davor und Danach teilt. Jahre später ringt sie noch immer mit den Folgen. Ihre Erinnerung erscheint bruchstückhaft, vorsichtig tastend, mit Unsicherheiten – so, wie traumatische Erlebnisse in der Realität häufig zurückkehren. Das Publikum erhält keine lückenlose Rekonstruktion der Tat. Daraus lässt sich viel über den Umgang mit Betroffenen lernen, denen allzu oft mit Misstrauen begegnet wird.
Bemerkenswert ist zudem der trockene Humor, der den Film durchzieht und insbesondere von Agnes selbst ausgeht. Gleichzeitig werden die sekundären Verletzungen deutlich: Die kühle Distanz des Arztes, der Agnes nach dem Übergriff untersucht. Die formale Sprache der Mitarbeiterin ihrer Hochschule, der sie den Übergriff meldet. Die Reaktionen zeugen davon, dass eine traumatische Erfahrung oft nicht mit dem Übergriff endet, sondern sich im Verhalten des Umfelds fortsetzt.
„Sorry, Baby“ ist zerstörerisch und hoffnungsvoll zugleich, schmerzhaft und tröstlich. Der Film vermeidet die bequeme Lösung, dem Leid und der Gewalt einen höheren Sinn zu verleihen oder die Verarbeitung als persönliche Reifung umzudeuten. Er besteht darauf, dass Betroffene nichts aus dem Geschehen „lernen“ oder „wachsen“ müssen. Schlimme Dinge passieren. Punkt. Heilung entsteht stattdessen durch Freundschaft, Solidarität sowie dem Mut, trotz allem weiterzumachen und vorsichtig wieder Vertrauen zuzulassen.
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