Personenrätsel: „Ich sage, seid Menschen!“  

Ein Fernrohr und Fragezeichen.
Rätselt bei unserem Personenrätsel mit und testet euer Wissen über besondere Persönlichkeiten!
Celina Thümen, funky-Jugendreporterin

In unserer Rätselrubrik testen wir euer Wissen über bedeutende Persönlichkeiten und führen euch durch den Dschungel wichtiger geschichtlicher Ereignisse. Könnt ihr erraten, wer sich hinter diesem Personenrätsel versteckt? 

Die gesuchte Person wurde am 5. November 1921 als jüdische Deutsche in Berlin geboren. Sie wuchs in einem gutbürgerlichen Haushalt gemeinsam mit der Mutter Auguste, dem Vater Arthur und ihrem jüngeren Bruder Ralph auf. 1937 ließen sich die Eltern scheiden. Die Familie pflegte jüdische Traditionen, feierte neben Chanukka jedoch auch Weihnachten. Nach ihrer Schulzeit begann die gesuchte Person zunächst eine Lehre als Schneiderin, konnte diese allerdings nicht mehr abschließen und musste ab 1940 Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten.  

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten versuchte die Familie Deutschland zu verlassen, doch alle Bemühungen blieben vergeblich. 1942 wurde der Vater in Auschwitz ermordet. Am 20. Januar 1943 verhaftete die Gestapo auch den 17-jährigen Bruder, kurz darauf stellte sich die Mutter den Behörden, um ihren Sohn nicht allein zu lassen. Beide wurden in Auschwitz getötet. Ihrer Tochter hinterließ die Mutter einen Zettel mit einem Satz, der das Leben der gesuchten Person prägen sollte: „Versuche, dein Leben zu machen“.  

Die gesuchte Person tauchte anschließend unter. Sie veränderte ihr Aussehen und lebte in unterschiedlichen Verstecken in Berlin. 1944 flog ihre Tarnung auf. Im Mai desselben Jahres wurde sie deportiert und am 6. Juni 1944 in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Dort traf sie auf ihren späteren Ehemann Adolf, den sie noch aus Berlin kannte. Gemeinsam überlebten die Beiden die Schoa und heirateten kurz darauf. 1946 emigrierten sie in die USA. In New York lebte die gesuchte Person schließlich mehr als sechs Jahrzehnte. 1997 starb ihr Ehemann.  

2004 kehrte die gesuchte Person erstmals zu Besuch nach Berlin zurück. Sie hatte die Stadt immer als ihre Heimat empfunden und sich in den USA, trotz US-amerikanischer Staatsbürgerschaft, staatenlos gefühlt. Im bereits hohen Alter zog sie 2008 endgültig zurück nach Berlin und wurde wieder deutsche Staatsbürgerin. Fortan engagierte sie sich unermüdlich als Zeitzeugin und besuchte insbesondere Schulen, um jungen Menschen von der Schoa zu erzählen. Sie sagte, sie spreche für all jene, die nicht mehr sprechen konnten, weil sie von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Zentral für ihr Wirken war die Botschaft: „Ich sage, seid Menschen! Wir sind alle gleich. Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut.“  

Für ihr Engagement erhielt die gesuchte Person zahlreiche Auszeichnungen. Darunter das Große Verdienstkreuz und das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland sowie den Sonderpreis des Westfälischen Friedenspreises. Sie verstarb am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin.

Margot Friedländer

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