Was ihr zum neuen Wehrdienstgesetz wissen müsst 

Rekrutinnen und Rekruten der Fahnenabordnung leisten stellvertretend für alle Rekruten ihren Diensteid beim Feierlichen Gelöbnis 2024 anlässlich des 80. Jahrestages des Deutschen Widerstands auf dem Paradeplatz im BMVg in Berlin, am 20.07.2024.
Was bedeutet das neue Wehrdienstgesetz konkret für die junge Generation?
Jenna Wolfram, funky-Jugendreporterin

In vielen Städten Deutschlands gingen am Freitag, den 5. Dezember 2025, mehrere Jugendliche auf die Straße. Auf Plakaten, die sie bei sich trugen, war zu lesen: „Wir wollen eine Zukunft!“ Sie demonstrierten gegen das neue Wehrdienstgesetz, über das an diesem Tag abgestimmt werden sollte. Doch was hatte der Bundestag an diesem Freitag konkret beschlossen?   

Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage verschärfen einige EU-Staaten bereits ihre Verteidigungsmaßnahmen. Kroatien führt die 2008 abgeschaffte Wehrpflicht ab dem kommenden Jahr wieder ein, Dänemark weitet den verpflichtenden Wehrdienst auf Frauen aus. Nun scheint auch die deutsche Regierung aufzuschließen: Mit dem Ziel, die Anzahl der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr zu erhöhen, um auf die möglichen Bedrohungen aus Russland zu reagieren, stimmten 323 Bundestagsabgeordnete für den Gesetzesentwurf zur sogenannten Modernisierung des Wehrdienstes. Am 19. Dezember ging der Entwurf zur Abstimmung in den Bundesrat, der das Gesetz abschließend genehmigte. Doch was bedeutet dieses Wehrdienstgesetz eigentlich genau für junge Menschen? 

Was ändert sich? 
Der neue Wehrdienst beinhaltet unter anderem das verpflichtende Ausfüllen sogenannter Bereitschaftserklärungen ab 2026. Damit sind Fragebögen gemeint, die das Interesse und die Fähigkeit zur Wehrdienstleistung erfassen. Bis jetzt ist vorgesehen, dass ab dem 1. Juli 2027 ebenfalls wieder verpflichtende Musterungen eingeführt werden, damit die Regierung einen besseren Überblick darüber bekommt, wie viele Personen für den Wehrdienst in Frage kommen würden.  

Ab dem Jahr 2026 sollen also alle jungen Leute nach ihrem 18. Geburtstag einen Brief zugeschickt bekommen. Wehrpflichtige Männer ab dem Geburtenjahrgang 2008 müssen diesen Fragebogen ausgefüllt zurücksenden, für Personen anderen Geschlechts gilt diese Pflicht nicht. Auch die Musterungen sind nur für junge Männer verpflichtend. Wenn man sich für den Wehrdienst entscheidet, dauert dieser mindestens sechs Monate, kann aber individuell verlängert werden. 

Außerdem soll der Wehrdienst attraktiver gestaltet werden: Die Bundeswehr wirbt mit einer modernen Ausbildung, einer monatlichen Vergütung von mindestens 2.600 Euro und Zuschüssen für den Führerschein.  

Wie steht es aktuell um eine Wehrpflicht? 
Im Bundestag wird also vorerst auf Freiwilligkeit gesetzt und man geht davon aus, dass die nötige Anzahl an Soldatinnen und Soldaten erreicht wird. Ziel ist es, die Bundeswehr auf eine Personenzahl von aktuell 186.000 auf 460.000 auszuweiten. Sollten sich nicht genug Freiwillige melden, entscheidet der Bundestag über weitere Strategien und Gesetzentwürfe. Bis jetzt sieht der neue Entwurf zwar noch keine konkrete Aktivierung einer Wehrpflicht vor, kann aber mit einem neuen Verfahren eine „Bedarfswehrpflicht“ beschließen. Das bedeutet, dass der Bundestag eine zwangsweise Einberufung junger Menschen fordern kann, wenn die sicherheitspolitische Lage sich verschärft. Sie wird also nicht automatisch aktiviert, sondern muss ebenfalls mehrere Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. 

Wie geht es jetzt für die Jugend weiter? 
Jede junge Person, die im nächsten Jahr ihren 18. Geburtstag feiert, kann also mit Post von der Bundeswehr rechnen. Nach dem jetzigen Stand geht es dabei nur um eine Art „Bestandsaufnahme“ junger Wehrdienstleistender, gröbere Vorschriften für Jugendliche wurden noch nicht festgelegt. Der Verteidigungsminister Boris Pistorius zeigt sich optimistisch, schließt aber eine sogenannte Teilwehrpflicht nicht aus. Diesem Konzept entsprechend könnten alle Wehrpflichtigen sofort zwangsweise einberufen werden, stellen zu Friedenszeiten aber lediglich eine Reserve dar. Aus diesem Grund kritisieren viele junge Menschen diesen Gesetzesentwurf: Auch wenn die Regierung sich vorerst auf Freiwilligkeit fokussiert, wecken einige Formulierungen den Anschein, dass die Debatte nicht vollständig abgeschlossen ist. Befürchtet wird ein zu großer Eingriff in die Zukunftsplanung und Bildung der jungen Generation, sollte man zum Wehrdienst herangezogen werden. Denn auch, wenn der jetzige Entwurf keine Wehrpflicht beinhaltet, stehen noch immer Ausweitungen dieser Beschlüsse im Raum.   

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