Zündstoff | Politische Memes: Vergessen wir den Ernst der Lage?


In einem Punkt sind wir uns wohl alle einig: Es wird immer Leute geben, mit denen wir uneinig sind. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Überzeugungen und Ansichten, und das ist auch gut so! In dieser Rubrik diskutieren junge Menschen über Themen, die für ordentlich Zündstoff sorgen. Unser erstes Thema: Politische Memes.
Von Knut Löbe und Nina Sabo, funky-Jugendreporter*

Gebannt ließen uns die Nachrichten in den vergangenen Wochen in die USA blicken. Der Sturm auf das Kapitol in Washington D.C. und die Amtseinführung des neuen Präsidenten Joe Biden zogen alle Aufmerksamkeit auf sich. Nachrichtendienste berichteten über den Angriff auf die Demokratie, die Amtseinführung des neuen Präsidenten verfolgten viele unter Angst vor weiteren Angriffen.

Tippt man in der Google-Suche „Sturm auf“ ein, sind die ersten zwei Vorschläge „Sturm auf das Capitol“ und „Sturm auf den Reichstag“. Die Gemeinsamkeiten beider Ereignisse sind schockierend und machen fassungslos. Auch Soziale Medien setzten sich im Zuge dessen mit den Fragen auseinander: Wie kann so etwas in Deutschland oder in den USA passieren? Wie demokratisch sind die Staaten, in denen wir leben, tatsächlich? Wer hat versagt?

Memes ermöglichen jungen Nutzer*innen politische Partizipation

Es sind längst nicht mehr nur große Nachrichtendienste, die sich mit den genannten Ereignissen auseinandersetzen. Diskussionen über alles, was sich so auf der Welt ereignet, finden nicht mehr ohne Twitter, Instagram und Co. statt.

Michael Johann, der an der Universität Passau zu den Themen digitale und politische Kommunikation forscht, spricht in diesem Zusammenhang von politischer Partizipation. Wegen ihrer Beliebtheit bei jungen Nutzer*innen sieht er in Internet-Memes großes Potential für die politische Bildung. Memes werden als Kommunikationsmittel und Ausdrucksform einer Identitäts- oder Gruppenzugehörigkeit massenhaft verbreitet, erklärt auch Dirk von Gehlen dem Deutschlandfunk. Der Autor und Journalist beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung und unterscheidet zwischen zwei Kategorien von Memes: „Internetquatsch“ und „gekaperten Memes“.

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Bernie Sanders ist zum Kult-Meme geworden und taucht in jedem erdenklichen Setting auf. Foto: Instagram.

Kaum jemandem ist Bernie Sanders im grumpy chic-Look entgangen, der neuerdings als Meme in verschiedensten Settings auftaucht und unsere dunkelsten Lockdown-Stunden erhellt. Ein gutes Beispiel also für das Meme als „Internetquatsch“.

Von „gekaperten Memes“ ist dann die Rede, wenn ihre ursprüngliche Bedeutung anders besetzt wird und sie, wie im Fall von Pepe dem Frosch, von Gruppierungen instrumentalisiert werden. Juliane Hermes berichtet auf kurt.de über die Instrumentalisierung des Memes. Sie erklärt, dass „ … die sogenannte Alt-Right-Bewegung aus den USA, die gegen Migration, Feminismus und Sozialismus steht, das Meme für ihre Zwecke [nutzte] und die veränderten Bilder des Frosches [teilte].“

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Donald Trumps Sohn nutzt das Meme „Pepe der Frosch“ in einer Bildmontage, um Wahlkampf für seinen Vater zu betreiben. Foto: Instagram.

„Politische Memes sorgen dafür, dass wir den Ernst der Lage vergessen.“

(Nina, funky-Jugendreporterin)

Vom Sturm auf das Capitol wusste ich, noch bevor ich mir die Tagesnachrichten ansehen konnte, durch politische Memes auf Instagram. Die neuesten Nachrichten werden mir von meinen Follower*innen und dem Algorithmus automatisch in den Newsfeed gespült.

Die Begriffe hate speech, fake news und trolling sind nicht ohne Grund in aller Munde. Medienkritischer Umgang ist nichts Selbstverständliches, das alle User*innen mitbringen. Meiner Meinung nach sorgen Internet-Memes dafür, dass wir kritische, satirische oder humoristische Inhalte schnell aufnehmen. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind Hintergrundzusammenhänge und umfassende Informationen zur Sache.

Internet-Memes vereinfachen Sachverhalte, sie bringen uns zum Lachen und können provozieren. Trotzdem sollten wir im Hinterkopf behalten, dass jedes Meme aus einer bestimmten Perspektive heraus spricht. Ohne ständiges Prüfen der Hintergründe sehe ich die Gefahr, dass wir problematische Inhalte übernehmen, ohne uns richtig zu informieren. Das finde ich in politisch unruhigen Zeiten besonders problematisch.

„Ich sehe das Potential, mit Humor auf Politik aufmerksam zu machen.“

(Knut, funky-Jugendreporter)

Politische Memes können meiner Meinung nach eine Anregung sein, sich mit Politik auseinanderzusetzten, weil die Message und der Humor von Memes ohne Vorwissen oft schwer zu verstehen sind. Für mich sind sie ein kreativer Weg, um auf Politik aufmerksam zu machen.

Wer ein Problem mit politischen Memes hat, der*die muss sich die Frage gefallen lassen, wo denn nun der Unterschied zur Karikatur und Satire liegt? Ich glaube, nur weil Themen mit Humor verarbeitet werden, verlieren sie dadurch nicht automatisch an Ernsthaftigkeit. Das würde man bei Satire ja auch nicht behaupten. Außerdem gehen viele Memes kritisch mit der eigenen Situation um. Es wird also keineswegs nur mit dem Finger auf andere gezeigt.

Über die sehr direkte und humorvolle Art von Memes kann ich gut lachen. Ich sehe in politischen Memes das Potential, gesellschaftliche und politische Missstände offenzulegen. Problematisch wird es für mich bei Inhalten mit Hate Speech, Diskriminierung und Rassimus. Dafür aber alle Memes unter Generalverdacht zu stellen, halte ich für falsch.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.