Kaum etwas bringt mich so sehr runter wie zwei Wochen im Zeltlager. Warum? Weil es dort kein Internet gibt.

Von Conrad Bornemann

„Wie bitte? Du fährst in ein Zeltlager, in dem du kein Internet hast?!“ Diese ungläubige Frage eines Bekannten sagt eigentlich schon alles. Dass ich sogar zwei Wochen dort war, war nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Denn Internetabstinenz ist für viele eine krasse Sache.

Das Internet ist der „Ort“ für alles: Vergnügen, lernen, lesen, arbeiten, treffen, einkaufen … Kaum verwunderlich, dass wir Jugendlichen Studien zufolge im Schnitt knapp drei Stunden am Tag „dort“ verbringen. Auch ich höre Musik auf einer Streaming-Plattform, bin auf Instagram und habe WhatsApp. Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind, haben wir doch alle häufig das Gefühl, viel zu viel online zu sein. Es vergeht kein Tag, an dem das Handy nicht weniger als zehnmal irgendwelche Geräusche von sich gibt. Es ist eine solche Fülle an Informationen, dass man sie kaum noch verarbeiten kann. Ich finde das, neben dem normalen Schulstress, häufig ausgesprochen anstrengend.

Auch wenn Ruhe eingekehrt ist, verbringe ich die Zeit lieber ohne Handy

Schon seit vielen Jahren fahre ich in den Ferien mit einer Jugendorganisation als Betreuer weg. Mittlerweile verbinde ich das Zeltlager schon mit der Internet-Abstinenz. Einmal auf dem Zeltplatz angekommen, ist während der ersten Tage so viel zu tun, dass ich gar nicht auf die Idee komme, mein Handy in die Hand zu nehmen. Da freuen sich meine Eltern schon über eine kurze Nachricht wie „Bin heil angekommen.“ Das Interessante ist: Auch wenn Ruhe eingekehrt ist, verbringe ich lieber meine Zeit mit den Kindern und lese, wenn es hoch kommt, alle zwei Tage meine Nachrichten. Zu einem Blick auf Instagram oder in die Nachrichten kommt es erst gar nicht.

Und ich finde das toll! Ich bin ohnehin auf Dauer genervt von den vielen Infos, Fotos und Videos, die man so zugeschickt bekommt. Ein herrliches Gefühl, einfach offline zu sein. Oder das Internet zumindest nur noch für die notwendige Kommunikation und zum Heraussuchen von Öffnungszeiten zu nutzen. Auch wenn mir manchmal die Informationen über das, was meine Freunde so machen und wie es ihnen geht, fehlen – das möchte ich nicht abstreiten –, finde ich die zwei Wochen immer ausgesprochen entspannend und intensiv. Ich konzentriere mich voll auf die Leute um mich herum und werde nicht mehr ständig abgelenkt.

Deshalb konnte ich die Nachricht, dass der Chef von Birkenstock sein Smartphone aus dem Alltag verbannt hat, auf jeden Fall nachvollziehen. Er ist der Meinung, dass das Gerät eine „Zeitklaumaschine“ sei. Im Zeltlager hatte ich tatsächlich viel mehr Zeit und war entspannter, weil nicht plötzlich eine Textnachricht den halben Tagesplan umgeworfen hat.

Man muss ja nicht ganz drauf verzichten, aber ich finde es sinnvoll zu überlegen, wofür und wie häufig man dieses Medium nutzt.

 

Titelbild: Kiwihug / unsplash.com