Rita Rjabow, funky-Jugendreporterin
Ikkimel ist zu Gast im ZDF-Morgenmagazin und Bernhard (74) verschluckt sich fast beim morgendlichen Decaf. Mal wieder wird darüber diskutiert, was Frauen sagen, wie Frauen auftreten und welche Sprache Frauen benutzen dürfen.
Das ist passiert: Die Rapperin Ikkimel war zu Gast im ZDF-Morgenmagazin und performte ihren Song „Fußballmänner“. Und wie so oft, wenn eine junge Frau sich nicht in die erwarteten Grenzen pressen lässt, folgte prompt die Empörung.
Kurz gesagt: Ikkimel ist laut. Sie ist, dass was Oma als vulgär beschreibt. Sie provoziert. Und genau das ist Teil ihrer Kunst. Man muss ihre Musik nicht mögen. Man muss ihre Texte nicht feiern. Man darf sie sogar schlecht finden. Aber warum wird ausgerechnet bei einer jungen Frau so schnell die große gesellschaftliche Debatte darüber geführt, was „man“ sagen darf und was nicht?
Denn sind wir ehrlich: Männer dürfen seit Jahrzehnten provozieren, beleidigen, sexualisieren und Grenzen überschreiten. In der Musik, insbesondere im Rap, im Fernsehen, auf Bühnen und in Talkshows. Das wird dann gerne als Kunst, Satire oder Ausdruck von Freiheit verkauft. Kommt eine junge Frau und nimmt sich dieselbe Freiheit, ist plötzlich von schlechtem Einfluss, Anstand und Moral die Rede.
Das Problem ist die Doppelmoral, mit der wir Frauen begegnen, die sich nicht kleinmachen lassen. Ikkimel spielt mit Rollenbildern, mit Sexualität und mit Sprache. Sie überzeichnet bewusst. Sie provoziert bewusst. Und genau darin liegt auch eine politische Dimension: Sie nimmt sich einen Raum, der Frauen historisch gesehen viel zu oft verwehrt wurde. Den Raum, selbst zu bestimmen, wie sie gesehen werden wollen und eben auch, wie sie nicht gesehen werden wollen.
Natürlich darf man darüber diskutieren, ob jede Provokation gelungen ist. Natürlich ist es berechtigt, zu fragen, ob Ikkimels Auftritt bereichernd für die Herzgesundheit der üblichen MoMa-Zuschauer:innen war. Natürlich darf man sich fragen, welche Wirkung bestimmte Texte haben. Aber eine ernsthafte Debatte beginnt nicht damit, einer jungen Frau vorzuschreiben, wie sie sich zu benehmen hat.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, der viele so wütend macht: Ikkimel wartet nicht darauf, dass sie jemand für „angemessen“ erklärt. Sie macht einfach.
Das ZDF-Morgenmagazin ist dabei natürlich ein besonderer Ort. Ein öffentlich-rechtliches Format, das ein breites Publikum erreichen soll. Aber gerade deshalb sollte dort auch Platz für unterschiedliche Lebensrealitäten, Kunstformen und Generationen sein. Kunst muss nicht jedem gefallen. Aber öffentlich-rechtlicher Rundfunk sollte die Gesellschaft abbilden, wie sie ist und „Mama Ikkimel“ ist nun mal eine musikalische Ikone einer Generation.
Ein Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn wir aufhören, Menschen vorzuschreiben, wie sie zu sein haben?
Und wem nicht gefällt, was er oder sie hört, ist das eben auch Teil von Kunst und Freiheit.
Denn eine Gesellschaft, die nur dann tolerant ist, wenn ihr niemand widerspricht, ist nicht tolerant. Und eine Gesellschaft, die Frauen nur dann akzeptiert, wenn sie sich leise und angepasst verhalten, hat noch einiges zu lernen.
Du willst mehr? Du bekommst mehr!
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Kurz gesagt: Ikkimel ist laut. Sie ist, dass was Oma als vulgär beschreibt. Sie provoziert. Und genau das ist Teil ihrer Kunst. Man muss ihre Musik nicht mögen. Man muss ihre Texte nicht feiern. Man darf sie sogar schlecht finden. Aber warum wird ausgerechnet bei einer jungen Frau so schnell die große gesellschaftliche Debatte darüber geführt, was „man“ sagen darf und was nicht?
Denn sind wir ehrlich: Männer dürfen seit Jahrzehnten provozieren, beleidigen, sexualisieren und Grenzen überschreiten. In der Musik, insbesondere im Rap, im Fernsehen, auf Bühnen und in Talkshows. Das wird dann gerne als Kunst, Satire oder Ausdruck von Freiheit verkauft. Kommt eine junge Frau und nimmt sich dieselbe Freiheit, ist plötzlich von schlechtem Einfluss, Anstand und Moral die Rede.
Das Problem ist die Doppelmoral, mit der wir Frauen begegnen, die sich nicht kleinmachen lassen. Ikkimel spielt mit Rollenbildern, mit Sexualität und mit Sprache. Sie überzeichnet bewusst. Sie provoziert bewusst. Und genau darin liegt auch eine politische Dimension: Sie nimmt sich einen Raum, der Frauen historisch gesehen viel zu oft verwehrt wurde. Den Raum, selbst zu bestimmen, wie sie gesehen werden wollen und eben auch, wie sie nicht gesehen werden wollen.
Natürlich darf man darüber diskutieren, ob jede Provokation gelungen ist. Natürlich ist es berechtigt, zu fragen, ob Ikkimels Auftritt bereichernd für die Herzgesundheit der üblichen MoMa-Zuschauer:innen war. Natürlich darf man sich fragen, welche Wirkung bestimmte Texte haben. Aber eine ernsthafte Debatte beginnt nicht damit, einer jungen Frau vorzuschreiben, wie sie sich zu benehmen hat.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, der viele so wütend macht: Ikkimel wartet nicht darauf, dass sie jemand für „angemessen“ erklärt. Sie macht einfach.
Das ZDF-Morgenmagazin ist dabei natürlich ein besonderer Ort. Ein öffentlich-rechtliches Format, das ein breites Publikum erreichen soll. Aber gerade deshalb sollte dort auch Platz für unterschiedliche Lebensrealitäten, Kunstformen und Generationen sein. Kunst muss nicht jedem gefallen. Aber öffentlich-rechtlicher Rundfunk sollte die Gesellschaft abbilden, wie sie ist und „Mama Ikkimel“ ist nun mal eine musikalische Ikone einer Generation.
Ein Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn wir aufhören, Menschen vorzuschreiben, wie sie zu sein haben?
Und wem nicht gefällt, was er oder sie hört, ist das eben auch Teil von Kunst und Freiheit.
Denn eine Gesellschaft, die nur dann tolerant ist, wenn ihr niemand widerspricht, ist nicht tolerant. Und eine Gesellschaft, die Frauen nur dann akzeptiert, wenn sie sich leise und angepasst verhalten, hat noch einiges zu lernen.
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