In einem Punkt sind sich wohl alle einig: Es wird immer Menschen geben, mit denen man sich uneinig ist. In dieser Rubrik diskutieren junge Menschen über Themen, die für ordentlich Zündstoff sorgen.
Gelangweilte Gesichter sind im Deutschunterricht keine Seltenheit: Goethes „Faust“, Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ oder Lessings „Emilia Galotti“ zählen zu den Klassikern, die seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Lehrplans sind, und sorgen schon lange nicht mehr für Euphorie. Statt sich selbst intensiv mit den Werken zu beschäftigen, lassen die Schülerinnen und Schüler sich immer häufiger die Zusammenfassungen und Kernideen der Werke von ChatGPT ausspucken. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob der schulische Lesestoff möglicherweise veraltet ist und eine Anpassung benötigt. Die Jugendredaktion ist geteilter Meinung.
PRO: Der Bezug zur eigenen Lebensrealität fehlt Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal eine schulische Pflichtlektüre aufgeschlagen und wirklich das Gefühl gehabt, dass sie etwas mit deinem Leben zu tun hat? Wahrscheinlich ist das eher die Ausnahme. Denn während wir uns im Alltag mit modernen Fragen beschäftigen, fühlt sich der Deutschunterricht oft so an, als wäre er in einer ganz anderen Zeit stehen geblieben.
Das Problem dabei sind weniger die alten Geschichten an sich, sondern die Weltbilder, die sie transportieren. Viele Klassiker, die im Unterricht gelesen werden, stammen aus Epochen, in denen Rassismus, Sexismus oder starre Rollenbilder völlig normal waren. Wenn wir diese Werke heute einfach nur als „große Kunst“ abheften, ohne die Diskriminierung darin klar zu benennen, verpassen wir die Chance auf echtes kritisches Denken. Statt alte Klischees zu wiederholen und Klassiker als Weltliteratur abzufeiern, nur weil es eben immer schon so gemacht wurde. brauchen wir Literatur, die die Vielfalt der heutigen Gesellschaft ernst nimmt und abbildet.
Dazu kommt ein ganz praktisches Problem: die Motivation. Nichts macht das Lesen mühsamer als hunderte Seiten voller Schachtelsätze in einer Sprache, die heute niemand mehr nutzt. Wenn der Bezug zur eigenen Lebenswelt fehlt, wird das Lesen zur reinen Fleißaufgabe. Motivation entsteht aber vor allem dann, wenn uns Themen emotional berühren oder uns helfen, die Welt um uns herum besser zu verstehen.
Heißt das jetzt: Ab in die Tonne mit Goethe und Co.? Sicher nicht. Aber wir sollten die Autoren nicht mehr unreflektiert auf ein Podest stellen. Wenn Klassiker gelesen werden, dann am besten als Ausgangspunkt für Diskussionen: Warum wurde das damals so geschrieben? Was davon ist heute problematisch? Anstatt die Texte nur zu bewundern, sollten wir sie kritisch hinterfragen und einordnen.
Am Ende sollte Schule uns ja auf das Leben hier und jetzt vorbereiten. Ein moderner Lehrplan benötigt den Mut, öfter Platz für aktuelle Werke zu schaffen. Denn nur, wenn wir uns mit Stoff auseinandersetzen, der heute relevant ist, lernen wir auch, die Zukunft mitzugestalten.
Judith Abrahams, funky-Jugendreporterin
CONTRA: Bildung heißt nicht Bequemlichkeit Klassische Werke sind Teil des kulturellen Erbes. Sie können den Zeitgeist einer Epoche einfangen und uns ein Gefühl für die damalige Kultur vermitteln. Ein Paradebeispiel ist „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann. Die politische Parabel aus der späten Phase der Weimarer Republik thematisiert die aufkommende Gefahr des Faschismus und Nationalsozialismus. Sobald man Werke wie „Mario und der Zauberer“ vereinfacht oder gar durch neuere Werke ersetzt, besteht die Gefahr, die Weitergabe zentraler Teile einer Epoche zu unterbrechen.
Auch die Faszination für die sich verändernde Sprache geht verloren. Schließlich sind es doch gerade die sprachliche und inhaltliche Fremdheit, die diese Werke noch heute so besonders und interessant machen. Sich dieser Herausforderung zu stellen, fördert die Lese- und Denkkompetenz. Die IGLU-Studie untersuchte im Jahr 2021 die Lesekompetenz von Viertklässlern, wobei sich herausstellte, dass jeder Vierte Leseschwächen hat – ein Abwärtstrend, der sich seit 2001 hält. Um dem entgegenzuwirken, erscheint es unangebracht, den Lesestoff weiter zu vereinfachen. Beim Lesen schwieriger Texte geht es um Ausdauer, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz – alles Fähigkeiten, die für das Leben nach der Schule nützlich sein können.
Außerdem ist Bildung keinesfalls als Anpassung an Bequemlichkeiten zu verstehen, sondern als die Bereitschaft, sich intellektuellen Aufgaben zu stellen. In einer Gesellschaft, in der die Informationsnutzung stark von sozialen Medien geprägt ist, kommt der Förderung von Lesekompetenzen eine besondere Bedeutung zu. Digitalisierung sollte in diesem Zusammenhang eher dazu dienen, Verständnisprobleme zu identifizieren und zu überwinden, ohne dabei die inhaltliche oder sprachliche Komplexität zu reduzieren.
In einem Punkt sind sich wohl alle einig: Es wird immer Menschen geben, mit denen man sich uneinig ist. In dieser Rubrik diskutieren junge Menschen über Themen, die für ordentlich Zündstoff sorgen.
Gelangweilte Gesichter sind im Deutschunterricht keine Seltenheit: Goethes „Faust“, Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ oder Lessings „Emilia Galotti“ zählen zu den Klassikern, die seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Lehrplans sind, und sorgen schon lange nicht mehr für Euphorie. Statt sich selbst intensiv mit den Werken zu beschäftigen, lassen die Schülerinnen und Schüler sich immer häufiger die Zusammenfassungen und Kernideen der Werke von ChatGPT ausspucken. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob der schulische Lesestoff möglicherweise veraltet ist und eine Anpassung benötigt. Die Jugendredaktion ist geteilter Meinung.
PRO: Der Bezug zur eigenen Lebensrealität fehlt
Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal eine schulische Pflichtlektüre aufgeschlagen und wirklich das Gefühl gehabt, dass sie etwas mit deinem Leben zu tun hat? Wahrscheinlich ist das eher die Ausnahme. Denn während wir uns im Alltag mit modernen Fragen beschäftigen, fühlt sich der Deutschunterricht oft so an, als wäre er in einer ganz anderen Zeit stehen geblieben.
Das Problem dabei sind weniger die alten Geschichten an sich, sondern die Weltbilder, die sie transportieren. Viele Klassiker, die im Unterricht gelesen werden, stammen aus Epochen, in denen Rassismus, Sexismus oder starre Rollenbilder völlig normal waren. Wenn wir diese Werke heute einfach nur als „große Kunst“ abheften, ohne die Diskriminierung darin klar zu benennen, verpassen wir die Chance auf echtes kritisches Denken. Statt alte Klischees zu wiederholen und Klassiker als Weltliteratur abzufeiern, nur weil es eben immer schon so gemacht wurde. brauchen wir Literatur, die die Vielfalt der heutigen Gesellschaft ernst nimmt und abbildet.
Dazu kommt ein ganz praktisches Problem: die Motivation. Nichts macht das Lesen mühsamer als hunderte Seiten voller Schachtelsätze in einer Sprache, die heute niemand mehr nutzt. Wenn der Bezug zur eigenen Lebenswelt fehlt, wird das Lesen zur reinen Fleißaufgabe. Motivation entsteht aber vor allem dann, wenn uns Themen emotional berühren oder uns helfen, die Welt um uns herum besser zu verstehen.
Heißt das jetzt: Ab in die Tonne mit Goethe und Co.? Sicher nicht. Aber wir sollten die Autoren nicht mehr unreflektiert auf ein Podest stellen. Wenn Klassiker gelesen werden, dann am besten als Ausgangspunkt für Diskussionen: Warum wurde das damals so geschrieben? Was davon ist heute problematisch? Anstatt die Texte nur zu bewundern, sollten wir sie kritisch hinterfragen und einordnen.
Am Ende sollte Schule uns ja auf das Leben hier und jetzt vorbereiten. Ein moderner Lehrplan benötigt den Mut, öfter Platz für aktuelle Werke zu schaffen. Denn nur, wenn wir uns mit Stoff auseinandersetzen, der heute relevant ist, lernen wir auch, die Zukunft mitzugestalten.
Judith Abrahams, funky-Jugendreporterin
CONTRA: Bildung heißt nicht Bequemlichkeit
Klassische Werke sind Teil des kulturellen Erbes. Sie können den Zeitgeist einer Epoche einfangen und uns ein Gefühl für die damalige Kultur vermitteln. Ein Paradebeispiel ist „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann. Die politische Parabel aus der späten Phase der Weimarer Republik thematisiert die aufkommende Gefahr des Faschismus und Nationalsozialismus. Sobald man Werke wie „Mario und der Zauberer“ vereinfacht oder gar durch neuere Werke ersetzt, besteht die Gefahr, die Weitergabe zentraler Teile einer Epoche zu unterbrechen.
Auch die Faszination für die sich verändernde Sprache geht verloren. Schließlich sind es doch gerade die sprachliche und inhaltliche Fremdheit, die diese Werke noch heute so besonders und interessant machen. Sich dieser Herausforderung zu stellen, fördert die Lese- und Denkkompetenz. Die IGLU-Studie untersuchte im Jahr 2021 die Lesekompetenz von Viertklässlern, wobei sich herausstellte, dass jeder Vierte Leseschwächen hat – ein Abwärtstrend, der sich seit 2001 hält. Um dem entgegenzuwirken, erscheint es unangebracht, den Lesestoff weiter zu vereinfachen. Beim Lesen schwieriger Texte geht es um Ausdauer, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz – alles Fähigkeiten, die für das Leben nach der Schule nützlich sein können.
Außerdem ist Bildung keinesfalls als Anpassung an Bequemlichkeiten zu verstehen, sondern als die Bereitschaft, sich intellektuellen Aufgaben zu stellen. In einer Gesellschaft, in der die Informationsnutzung stark von sozialen Medien geprägt ist, kommt der Förderung von Lesekompetenzen eine besondere Bedeutung zu. Digitalisierung sollte in diesem Zusammenhang eher dazu dienen, Verständnisprobleme zu identifizieren und zu überwinden, ohne dabei die inhaltliche oder sprachliche Komplexität zu reduzieren.
Jamila Kubach, funky-Jugendreporterin
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