Interview

Schule von morgen: Resilienz bei Grundschulkindern stärken

Kleiner Junge zeigt seine Armmuskeln und lacht
ithilfe der Super Chill App können Kinder Reize, Emotionen und Stress besser verarbeiten.
Celina Thümen, funky-Jugendreporterin

Stress, Leistungsdruck und Reizüberflutung – auch Kinder spüren heute schon früh die Anforderungen des Alltags. Die App „Super Chill“ möchte dem etwas entgegensetzen: Mit einfachen Übungen zur Achtsamkeit und Körperwahrnehmung sollen Kinder lernen, besser mit Druck umzugehen und ihre innere Stärke zu entdecken. Im Interview erklärt Jennifer Meißner, Country Managerin DACH der gemeinnützigen Super-Chill-Stiftung, die die App betreibt, wie sich dauerhafter Leistungsdruck bei Kindern ausdrücken kann und liefert Lösungsansätze, die zu mehr Resilienz führen können.

Liebe Jennifer, was ist die Idee hinter Super Chill?
Jennifer Meißner: Die Super-Chill- Stiftung setzt sich dafür ein, Kinder mental widerstandsfähiger zu machen – eine Fähigkeit, die zukünftige Generationen mehr denn je brauchen werden. Herzstück dieser Initiative ist die kostenlose, werbefreie und datensichere Super-Chill-App, die Kinder dabei unterstützt, spielerisch ihre innere Stärke zu entdecken. Die App richtet sich an Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren und bietet kurzweilige Audio- und Video-Übungen zu Achtsamkeit, kindgerechtem Yoga und einfacher Meditation. Unser Ziel ist es, Kindern niedrigschwellige Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie lernen, Reize, Emotionen und Stress besser zu verarbeiten. Idealerweise wird Super Chill eines Tages überflüssig, weil Kinder gelernt haben, sich selbst zu helfen.

Jennifer Meißner möchte Grundschülerinnen und Grundschüler mental stärker machen. © Jennifer Meißner

Kinder stehen in der Schule schon früh unter Leistungsdruck. Was kann passieren, wenn Kinder dauerhaft Stress ausgesetzt sind?
Eine von uns durchgeführte repräsentative Umfrage zeigt ein ziemlich alarmierendes Bild: Jedes dritte Grundschulkind in Deutschland leidet heutzutage regelmäßig unter einem hohen bis sehr hohen Stressniveau. Leistungsdruck wird von 44 Prozent der Eltern als größter Stressfaktor benannt, gefolgt von Prüfungen und Hausaufgaben mit 36 Prozent und Mobbing mit besorgniserregenden 29 Prozent. Dauerstress kann Kinder emotional, körperlich und auch sozial stark belasten. Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder, wie etwa Reizbarkeit oder emotionale Überforderung, nennen fast 60 Prozent der befragten Eltern als häufigstes Symptom. Jeweils etwa ein Drittel beklagt außerdem schulische Leistungsmängel oder Schlafprobleme. Sogar psychosomatische Beschwerden werden von jedem vierten befragten Elternteil als Anzeichen genannt.

Wie können Lehrkräfte und Eltern erkennen, dass ein Kind gestresst oder überfordert ist?
Kinder zeigen Stress auf unterschiedliche Weise. Manche ziehen sich zurück, andere werden lauter. Auch wiederholte Bauch- oder Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten durch Müdigkeit oder ein plötzlicher Leistungsabfall können Anzeichen sein. Entscheidend ist, sich bewusst zu machen, welchen Reizen und welchem Druck Kinder mitunter bereits ausgesetzt sind und sensibel auf Verhaltensveränderungen zu achten, um früh gegensteuern zu können. Und natürlich können regelmäßige ruhige Gespräche schon viel bewirken.

Super Chill möchte auch die Resilienz von Kindern stärken. Was bedeutet das eigentlich?
Resilienz ist die Fähigkeit, mit Herausforderungen und Reizüberflutung umzugehen, ohne daran zu zerbrechen. Das bedeutet nicht, dass Kinder „hart im Nehmen“ sein müssen – im Gegenteil: Mental resiliente Kinder sind in der Lage, ihre Gefühle zu artikulieren, navigieren und regulieren. Die Forschung betont die Bedeutung präventiver Maßnahmen zur Förderung von Resilienz im Kindesalter: Frühzeitig erlernte Methoden zur Steigerung der mentalen Widerstandsfähigkeit können helfen, psychischen Problemen vorzubeugen, bevor sie chronisch werden. Genau da setzt Super Chill an.

Wie könnte Super Chill im Schulalltag integriert werden?
Die Super Chill App könnte niedrigschwellig über ein Tablet oder auf einem Screen per Bildschirmfreigabe oder Spiegelung in den Schulalltag eingebaut werden – für kurze Übungseinheiten zwischendurch, zur Konzentrationsförderung vor einer Klassenarbeit oder zum Runterkommen nach einem Referat. Eine beliebte Entspannungsübung ist beispielsweise die „Viereckige Atmung“, bei der im Wechsel vier Sekunden geatmet und vier Sekunden die Luft angehalten wird und gedanklich ein Quadrat gezeichnet wird. Schon kleine Rituale können im Unterricht dabei helfen, die mentale Stärke der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Wie sieht für dich die Schule von morgen idealerweise aus?
Die Schule von morgen ist ein Ort, an dem Kinder nicht nur Wissen erwerben, sondern sich als Menschen entwickeln dürfen. Es ist ein Ort, an dem Gefühle genauso wichtig sind wie Fakten – und an dem Selbstfürsorge, Teamgeist und Resilienz zum Alltag gehören. Es gibt Raum für Ruhe, kreative Bewegung, echte Begegnung und individuelle Stärken – und auch für Hilfsmittel wie Super Chill. Nicht als Ersatz für Interaktion, sondern als Ergänzung.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.