Null Bock: Warum Schule irgendwann keinen Spaß mehr macht

Person versteckt ihren Kopf hinter Bücherstapel

Die Einschulung, genau wie die allererste Fibel, zaubern den meisten Kindern ein Strahlen ins Gesicht. Doch irgendwann mutiert die Schule für viele zum Vorort der Hölle. Wir haben uns gefragt, warum.

Von Laura Patz

Irgendwann, als ich noch zur Grundschule ging, fragte ich meine beste Freundin: „Was glaubst du, wann wird uns Schule eigentlich keinen Spaß mehr machen?“ Meine Freundin wusste sofort, was ich meinte. Bisher hatten wir uns immer rege am Unterricht beteiligt, Hausaufgaben problemlos erledigt und uns nach den Sommerferien auf das neue Schuljahr gefreut. Gleichzeitig war uns aber bewusst, dass das irgendwie ungewöhnlich war. Ältere Geschwister oder Jugendliche in Filmen konnten Schule auf den Tod nicht ausstehen. Sie schwänzten den Unterricht, wollten nicht für Klassenarbeiten lernen und hassten ihre Lehrer.

„Vielleicht in der elften oder zwölften Klasse?“, antwortete meine Freundin und ich stimmte ihr zu. Wie das wohl sein würde? Vielleicht übertrieben ja auch alle und wir würden einfach immer gerne zur Schule gehen?! Diese Annahme sollte sich schneller als gedacht als grundlegend falsch erweisen…

Es war in der achten Klasse, als sich der Frust breit machte. Am liebsten wäre ich morgens gar nicht aufgestanden. Manche Lehrer waren unerwartet streng, andere völlig verpeilt. Zum ersten Mal wurde ich drangenommen und konnte nichts sagen, weil ich mit meinem Banknachbarn gequatscht hatte. Oft hatten wir bis zum frühen Abend Unterricht und ich konnte mich spätestens ab der vorletzten Stunde nicht mehr konzentrieren.

Pubertät und Leistungsdruck

Damals habe ich nie wirklich hinterfragt, wie genau es zu dem Sinneswandel kam. Immerhin ging es allen meinen Mitschülern so. Rückblickend kann ich nun mit großer Sicherheit sagen, dass es zwei triftige Gründe gibt, mit denen jeder Schüler von heute früher oder später konfrontiert wird: Die einsetzende Pubertät und der rasant ansteigende Leistungsdruck.

Studien belegen, dass die Pubertät eine Zeit ist, in der der Körper viel Energie durch Schlaf gewinnen muss, weil sich die Schlafdauer unter anderem auf die Leistungsfähigkeit auswirkt. Mindestens acht Stunden sind dafür nötig, raten Ärzte. Oft ist das aber gar nicht so einfach, wenn man nach dem späten Schulschluss noch einem Hobby nachgehen will, nach Hause fahren und Hausaufgaben erledigen muss. Kein Wunder also, dass viele Jugendliche unter Schlafmangel leiden und sich nicht konzentrieren können.

Außerdem fehlt einem in so einer aufmüpfigen Phase des Lebens oft das Verständnis für den Sinn hinter Problemen wie Textanalyse oder Kurvendiskussion. Vor der Einschulung hingegen war man hochmotiviert. Lesen und schreiben wollte ich unbedingt lernen, weil meine Eltern diese Fertigkeiten jeden Tag nutzten. Und welches Kind träumt nicht davon, endlich erwachsen zu sein?

Der extreme Leistungsdruck ist hingegen ein Grund, der vor Allem seit Studienreformen wie Bologna aktuell ist. Viele Großeltern erzählen, dass sie immer Spaß am Schulbesuch hatten, aber damals wehte auch noch ein anderer Wind durch die Klassenzimmer. Heute leben wir in einer Leistungsgesellschaft und sobald wir auf eine weiterführende Schule kommen, wird urplötzlich Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein von uns erwartet. Wir arbeiten auf Abschlussprüfungen und Durchschnittsnoten hin, stets getrieben von der Angst, zu versagen.

Man kann das mit einem Dampfkochtopf vergleichen: Wenn sich zu viel Druck anstaut, dreht man am Ventil und die Luft ist raus!

Titelbild: pexels.com

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