Opa, erzähl mal – warum war der Garten immer wild?

Grafik eines roten Sessels im Scheinwerferlicht auf blauem Grund
Spot auf unsere Familienangehörigen, die in dieser Rubrik von früher erzählen
Unsere Großeltern haben so viel erlebt, können so viel erzählen – an dieser Stelle lassen wir sie zu Wort kommen. Herbert Georg Pache ist sein Trauma aus dem Zweiten Weltkrieg nie ganz losgeworden.
Von Paulina Kelly Gast und Victor Neumann

Herbert Georg Pache wurde in eine Zeit hineingeboren, die von Krieg und Elend geprägt war. Was er damals erlebte, sollte ihn bis in den Tod verfolgen und zugleich das Leben seiner Frau und Kinder prägen. Genau davon erzählen sie nun, weil Herbert Georg Pache es nicht mehr kann.

Eindrücke, die ihn nie wieder losließen

Herbert Georg Pache wurde am 10. Februar 1929 geboren. Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, war er gerade einmal vier Jahre alt, also noch ein kleines Kind.

Im Alter von nur 15 Jahren wurde er vom Volkssturm eingezogen (wie der Opa von Anastasia, der aber anderes erlebte. Was, das könnt ihr hier nachlesen). Er wurde ins heutige Tschechien gebracht, wo er Gräber für Gefallene schaufeln musste. Seinen Kindern enthielt er diese Erinnerung lange vor und erzählte ihnen erst im hohen Alter von dem schrecklichen Geruch der Leichen, den er einfach nicht vergessen konnte.

Noch im gleichen Jahr ist er dann mit zwei Freunden zurück nach Deutschland geflohen. Der Weg war mühsam und von Krankheiten begleitet. Doch letztendlich schafften sie es. Herbert Georg Pache kam nach Duisburg, um eine Ausbildung im Bergbau zu machen. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen. Doch seine Erlebnisse verschwanden nicht einfach aus seinen Erinnerungen.

Immer noch traumatisiert fielen ihm einige Dinge, die für uns komplett normal erscheinen, sehr schwer. Zum Beispiel die Gartenarbeit. „Der Garten sah stets aus wie ein Urwald, kreuz und quer wuchsen die Pflanzen“, erzählt seine Tochter. Denn der bloße Anblick von viel Erde erinnerte ihn sofort wieder an sein 15-jähriges Ich, das Leichen begraben musste. Also sorgte er stets dafür, dass der Garten dicht bewachsen war.

Aber nicht nur das blieb vom Krieg hängen, auch die ständige Angst, die im Krieg vorherrschte, steckte ihm im Mark. So schenkte er seiner Tochter einmal zu Weihnachten Sicherheitsketten, um in ihrem Haus sicherer zu sein und sich etwa vor Einbrechern zu schützen.

Besonders in jungen Jahren prägen Erlebnisse noch besonders das Verhalten und den Charakter, was nicht nur Herbert Georg Paches Leben, sondern auch das seiner Kinder und seiner Frau stark beeinflusst hat. Viel zu oft vergisst man, dass der Krieg nicht nur eine Reihe schrecklicher Ereignisse ist, sondern dass diese Ereignisse auch zu Erinnerungen werden, die die Zeitzeugen ihr Leben lang mit sich tragen müssen.

Danke an Inge Pache, Herberts Frau, und Karin Pache-Boms, Herberts Tochter, die sich bei uns gemeldet haben, um diese Geschichte zu erzählen, damit sie nicht vergessen wird und vor allem sich nicht wiederholt.

Tschechien im Zweiten Weltkrieg: Bei der Süddeutsche Zeitung könnt ihr mehr über den Einmarsch der Wehrmacht in der damaligen Tschechoslowakei lesen. Das Deutsche Historische Museum hat die Geschichte eines Wehrmachtsoldaten, der zum Ende des Krieges in der Tschechei war. Bei Wikipedia erfahrt ihr, wie aus der Tschechoslowakei Tschechien wurde – und die Slowakei.

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