Besserwisserwissen: Warum es Bielefeld nicht gibt

Ein Buch als Symbol fürs Besserwisserwissen
Wir präsentieren euch mit großer Freude heute eine Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Und zwar: die Bielefeld-Verschwörung und ihr nahes Ende.

Wusstest du, dass …

… die Stadt Bielefeld eine Million Euro für den Beweis auslobt, dass es sie nicht gibt? Der Bürgermeister selbst kündigt in einem Video die sogenannte Bielefeldmillion an, um der Bielefeld-Verschwörung 25 Jahre nach ihrem Auftreten ein Ende zu setzen.

Aber zum Anfang: Im Jahr 1993 fand in Kiel eine Party von Studenten statt. Ein Bielefelder war unter den Gästen, viele Menschen, die die Stadt nicht kannten ebenfalls. Einem aus der Gruppe der Letzteren rutschte raus: „Bielefeld? Das gibt’s doch gar nicht.“ So weit, so unspektakulär.

Unter den Partygästen war allerdings auch Achim Held, ein Informatiker – und jeder weiß, die belieben zu scherzen. Als er danach mit Freunden auf der Autobahn A2 unterwegs war, ergab es der Zufall, dass die Abfahrt nach Bielefeld gesperrt war. Der Stadtname war durchgestrichen und ihn durchzuckte der Gedanke, dass es Bielefeld wirklich nicht gebe.

Von nun an zog Achim Held bestehende Verschwörungstheorien im Internet mit dem Satz, den er auf der Party gehört hatte, ins Lächerliche. Denn der ganze wenig witzige Witz von Verschwörungstheorien ist, dass es immer ein Argument für diese Sicht gibt, auch wenn sich das Gegenteil gut beweisen lässt. Bielefeld wird nämlich auch einfach nur sehr überzeugend vorgetäuscht.

„Ich hatte den Eindruck, ich war da“

Angela Merkel nach einem Besuch in der Stadt, die es nicht gibt

Wahrscheinlich hat Achim Held nicht geahnt, was er damit losgetreten hat. Die Verschwörungstheorie der Nicht-Existenz von Bielefeld wurde ausgeschmückt, bis die Stadt der Zugang zu Atlantis war oder kleine grüne Männchen dort lebten, ihr Raumschiff getarnt als Universität Bielefeld.

Es gibt mehrere Filme über die Verschwörung: „Die Bielefeld-Verschwörung“, ein Agententhriller aus dem Jahr 2010, den das Stadtmarketing und die Universität von Bielefeld coproduzierten und an dem auch Achim Held beteiligt war. Dessen Fortsetzung und „Bielefeld – stirb stilvoll“, in dem Bielefeld als Gleichnis für Wahrheit eingeführt wird. Und da es Bielefeld nicht gibt, gibt es auch keine Wahrheit.

Angela Merkel, genau die Bundeskanzlerin Merkel, ließ sich 2012 bei einem Besuch der Stadt sogar zu dem Ausspruch hinreißen, dass sie den Eindruck habe, tatsächlich dort gewesen zu sein. Der Comiczeichner Ralph Ruthe griff die Verschwörung ebenfalls auf. In seinem „Zeugenschutzprogramm“ erzählt die Mama ihrem Kind, dass sie aus Sicherheitsgründen an einen Ort ziehen müssen, von dem keiner weiß, dass er existiert. Das Kind stöhnt erschrocken auf: „Nach Bielefeld?“

Und nun, nach 25 Jahren Spaß mit und über Bielefeld, soll Schluss sein. Die Leute hinter der Bielefeldmillion sind sich wohl zu 99,9 Prozent sicher, dass die Stadt die Million behalten kann. Aber, und das sagt auch der Bürgermeister, sie meinen es ernst.

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Viele glückliche Umstände haben dafür gesorgt, dass ich nun hier sitze und als Teil der Redaktionsleitung funky betreue. Eigentlich wollte ich nur einen Job, der mir nie langweilig wird. Die Kulturszene, dachte ich mir, ist doch eine Szene voller Wandel. Deswegen habe ich Kulturarbeit studiert. Später habe ich festgestellt, dass es im Journalismus noch mehr Abwechslung gibt, weil man stets auf der konkreten Suche nach den neuen heißen Themen ist. So umgehe ich schreibend täglich meine Angst vor Unwissenheit.