Wie kann man Menschen davon überzeugen, dass Wählengehen eine Spitzenidee ist? Diese Frage stand bei dem Workshop „Spread the Vote“ im Mittelpunkt. Anna Sophie hat teilgenommen.
von Annalena Schwobe

Vom 24. bis 27. April 2019 fand in Strasbourg der Workshop „Spread the Vote“ statt. Dort kamen 90 junge Europa-Influencer aus Frankreich, Deutschland und Polen zusammen, um gemeinsam Kampagnen zum Thema Europa(-wahlen) zu entwerfen und anschließend vorzustellen. Eine von ihnen ist die 20-jährige Anna Sophie Kloppe gewesen. Die gebürtige Schweinfurterin studiert zurzeit Politik in Berlin und berichtet im Interview von ihren Erfahrungen und Eindrücken.

Was hat dich dazu bewegt an „Spread the Vote“ teilzunehmen?

Ich war schon immer sehr politisch interessiert und engagiert. Durch Zufall bin ich auf den Workshop „Spread the Vote“ gestoßen und habe mich spontan angemeldet, da es sich ja um ein sehr aktuelles Thema handelt. Außerdem fand ich es spannend zu erfahren, wie andere zum Thema Wahlen stehen, wollte andere Jugendliche darauf aufmerksam machen und ihnen zeigen, wie wichtig es ist wählen zu gehen.

Du bist ja letztes Jahr bereits Teil des Workshops „Youth for Peace“ gewesen. Wie war der im Vergleich zum jetzigen Workshop?

Die Workshops waren beide total unterschiedlich. „Youth for Peace“ fand damals in Berlin statt und die über 100 Teilnehmer kamen aus den verschiedensten Ländern Europas. Ziel der Veranstaltung war es, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 100 Ideen für den Frieden zu finden und zu präsentieren. Neben der Erarbeitung unserer Präsentationen machten wir auch eine Stadtexkursion durch Berlin, um uns mit der Geschichte etwas besser vertraut zu machen. Bei „Spread the Vote“ waren lediglich Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Polen involviert und es fand in Straßburg statt. Allgemein haben wir dort viel digital gearbeitet, haben Videos für unseren eigenen YouTube-Kanal erstellt, eine Radiosendung aufgenommen und Leute auf den Straßen nach ihren Meinungen zum Thema Politik in Europa befragt.

Was hast du konkret gemacht?

Meine Gruppe war für die Radiosendung verantwortlich. Viele Leute mit einer rechtsgerichteten Einstellung tendieren dazu, sich privilegiert zu fühlen. Gleichzeitig meinen sie jedoch oftmals, dass andere, zum Beispiel Immigranten oder Flüchtlinge, ihnen diese Privilegien wegnehmen. Wir suchten nach Kommentaren zu den Europawahlen in verschiedenen bekannten Nachrichtenquellen und ließen sie von den Menschen in Strasbourg kommentieren. Wir bekamen Antworten in Französisch, Deutsch und Polnisch, welche wir anschließend in englischer Sprache kommentierten und diskutierten.

Konntet ihr bis jetzt schon viele auf euch aufmerksam machen?

Ja und erstaunlicherweise sogar mehr als ich erwartet hätte. Ich war wirklich positiv überrascht zu sehen, dass so viele Interesse an dem Thema zeigen und diesem positiv gegenüber stehen.

Auf welchen Social Media Kanälen kann man eure Ergebnisse und Projekte verfolgen?

Wie bereits erwähnt hatten wir verschiedene Projekte auf YouTube, Instagram und in Form einer Radiosendung. Leider sind wir dort nach dem Workshop bis jetzt nicht mehr aktiv gewesen und es wird wahrscheinlich auch nichts Neues mehr dazu hochgeladen werden. Aber unsere bereits erstellten und publizierten Beiträge kann man sich natürlich noch weiterhin dort ansehen.

Jugendaustausche führen zu einer verständnisvolleren und mitfühlenderen Weltanschauung.

Anna Sophie Kloppe hat schon an mehreren internationalen Workshops für Jugendliche teilgenommen.

Warum denkst du, dass es wichtig ist, dass vor allem junge Menschen wählen gehen und warum wäre euer Projekt auch für jüngere Leute, die noch kein Wahlrecht haben, interessant?

Weil die Auswirkungen und Veränderungen nach der Wahl uns alle betreffen werden. Letztendlich  geht es um unsere Zukunft und wir haben es in der Hand das Beste daraus zu machen! Auch für Jugendliche, die noch nicht berechtigt sind wählen zu gehen, ist „Spread the Vote“ auf jeden Fall hilfreich, weil ich der Meinung bin, dass man seine Stimme immer erheben kann, auch wenn man noch nicht stimmberechtigt ist. Jugendaustausche sind außerdem auch eine großartige Plattform, um politische und nichtpolitische Themen aufzugreifen und zu diskutieren. So lernt man viel mehr, als wenn man nur über ein Thema liest. Dies führt zu einer verständnisvolleren und mitfühlenderen Weltanschauung. Für mich sind die besten Resultate solcher Jugendaustausche, wenn man am Ende konkrete Ideen gemeinsam erarbeitet hat, die alle Teilnehmer mitnehmen und weitergeben können.

Populisten und rechtsorientierte Personen haben bisher keine Lösungen zu existierenden Problemen anzubieten.

Deswegen hofft Anna Sophie, dass sie nicht ins EU-Parlament einziehen.

Was ist deine Definition zum Wort Frieden?

Frieden bedeutet für mich eine freie Meinungsäußerung und keinerlei Einschränkungen zu haben. Außerdem ist es für mich wichtig, dass man sich in seiner Umgebung wohl und sicher fühlt und keiner Art von Gewalt ausgesetzt ist.

Was sind deine Ideen für Frieden in und um Europa? Was hoffst du, wird sich vielleicht durch die Wahlen ändern?

Eine Idee, die bei dem Workshop „Youth for Peace“ aufkam, war es einen Jugendaustausch zu organisieren, der nicht nur den Fokus auf europäische Jugendliche hat, sondern speziell auch auf Jugendliche von ehemaligen Kolonien wie zum Beispiel afrikanischen Ländern. Dies war jedoch nicht die Idee meiner Arbeitsgruppe. Wir entschieden uns dazu, eine Möglichkeit zu finden Fake News und Propaganda zu bekämpfen, die man auch in Schulen anwenden könnte.
Ich hoffe, dass Populisten und rechtes orientierte Personen nicht ins Europaparlament einziehen, da diese Gruppen bisher keine Lösungen zu existierenden Problemen anzubieten haben. Ich wünsche mir ein Europaparlament das alle Bürger repräsentiert, das sich für Menschen einsetzt und die Demokratie schützt. Sogenannte „Volksvertreter“ die meinen, dass Ausgrenzung und das verbreiten von Hass und Angst die Oberhand gewinnen soll, haben im Europaparlament nichts zu suchen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Auf jeden Fall möchte ich mich auch weiterhin an vielen politischen Projekten, vor allem von und für Jugendliche, beteiligen. Außerdem ist es mein Wunsch mein Studium erfolgreich abzuschließen und vielleicht sogar ein Semester im Ausland zu machen.

Beitragsbild: Christian Creutz