Die Debatte um „Fridays for Future“ dreht sich weiter. Dabei steht immer häufiger die Frage im Mittelpunkt: Leben die Demonstranten eigentlich umweltfreundlich oder verlangen sie nur vom Staat, die Politik zu ändern?
Von Marti Mlodzian

Erst vor Kurzem stellten wir ja bereits richtigerweise klar, dass es bei „Fridays for Future“ nicht ums Schwänzen geht, sondern die Schülerinnen und Schüler im Gegenteil eine Menge auf sich nehmen, wenn sie streiken. Doch bei dem Zentralstreik am 15. März äußerte ein Kritiker in meinem Ort eine offenbar wichtige Frage: „Tut ihr denn privat etwas für die Umwelt?“ – Ich antwortete: „Ja!“

Nach dieser Frage wollte er, dass die Leute sich melden sollen, die sich vegan ernähren, danach die, die sich vegetarisch ernähren. Das Bild sah ungefähr so aus: Einige ernähren sich vegan, viele vegetarisch, und nur wenige weder so noch so. Auch bei der Frage nach dem Schulweg meldeten sich die meisten bei Fahrrad. Na gut, könnte man jetzt denken, vielleicht ist das ja nur in meinem Ort so.

Ökologisches Bewusstsein ist Pflicht, um glaubwürdig zu demonstrieren

Ich wage das zu bezweifeln. Ich denke, dass sich viele Demonstranten wirklich um klimafreundliche Maßnahmen kümmern. Nicht nur bei mir ernährt man sich vegetarisch oder fährt Fahrrad. Denn irgendwie ist ja auch ein gewisses ökologisches Bewusstsein Pflicht, wenn man dafür demonstrieren möchte.

Bei mir auf der Demo wollte der Fragensteller direkt nach den gestellten Fragen gehen. Einer der Organisatoren rief ihn zum Glück zurück, denn schließlich glänzt so eine Debatte durch kontroversen Schlagabtausch. Es wurde dann von den Folgerednern oft erwähnt, dass wir alle nicht perfekt sein können – wir können aber unser Bestes geben. Und ich denke, genau da setzt das ökologische Bewusstsein an: Es geht wirklich nicht darum, dass alle perfekt sind. Wir können aber alle etwas tun. Und ganz ehrlich, bei den meisten Streikenden ist ein gewisses ökologisches Bewusstsein offensichtlich vorhanden. So kann ich also mit gutem Gewissen sagen: Bei den „Fridays for Future“ gehört umweltfreundlich zu leben einfach dazu und ist ganz sicher keine Seltenheit.

Titelbild: So sah es in Düsseldorf am 15. März aus (c) Emma Kadach