Eine mächtige Internetfirma, ein Livevideo und ein Mord – das steht am Anfang des Debütromans von Marie Golien „Cainstorm Island – der Gejagte“. Unser Autor hätte sich mehr erhofft, ist aber auch anspruchsvoll.
Von Marti Mlodzian

Emilio arbeitet für Eyevision, das größte Unternehmen aus dem reichen Asaria. Für die Plattform geht er einmal am Tag live auf Sendung und filmt aus dem armen Land Cainstorm. Doch als er eines Tages in einer dieser Liveschalten aus Notwehr den Anführer einer Gang tötet, läuft alles aus dem Ruder. Die Gang will in tot sehen und Eyevision möchte möglichst viel Profit aus Emilio schlagen – eine Jagd durch Cainstorm beginnt.

Cainstorm Island

(c) dtv

Mit ihrem Debütroman „Cainstorm Island“ sorgt Marie Golien schon für großes Aufsehen: Sie übt Kritik an den sozialen Medien und vermischt das Ganze auf eine „Tribute von Panem“-Art.  Mit dem Äquivalent zu YouTube Eyevision zeigt sie, dass sie es nicht gut heißt, wie sich Menschen für Fame ausschlachten lassen.

Ich finde das nicht schlecht gemacht. Als die Autorin aber beschreibt, wie Leute von Eyevision sich gegenseitig umbringen sollen, wird es mir dann irgendwie doch zu ähnlich zu den bekannten Büchern. „Tribute von Panem“ und „The Circle“ sind da nur zwei Beispiele. Hier fände ich es besser, wenn ein wenig mehr Kreativität und Eigenständigkeit deutlich werden würde. Außerdem sind mir einige Handlungsteile einfach zu vorhersehbar.

Gut dagegen finde ich das eigentliche Thema mit aktuellem Bezug. Auch wenn es hier etwas übertrieben dargestellt wird, kann man YouTube wirklich mit Eyevision vergleichen. Natürlich muss man hier aber noch erwähnen, das ganz viel Fiktion dabei ist.

Marie Golien erschafft in der Welt Cainstorm ein neues Duell – bei dem man gar nicht so sehr weiß, wer gut und wer böse ist. Spannend wird es aber auf jeder Seite.

Unsere Meinung: Ein spannendes Buch mit einer wichtigen Botschaft
– ein bisschen mehr Kreativität wäre aber schön gewesen!