Die Anti-Waffen-Proteste gehen weiter

Jungen mit Plakaten in der Hand
From left, David Hogg and Cameron Kaskey, both Parkland shooting survivors, hold signs during a press conference for the March for Our Lives movement on Monday, June 4, 2018 at the Pines Trails Park in Parkland, Fla. (Ellis Rua/Miami Herald/TNS) |

„Not. One. More.“ Seit dem Amoklauf an einer Highschool in Florida sind junge Menschen in Amerika unterwegs, um gegen die Waffengewalt zu protestieren. Einiges haben sie schon erreicht, doch sie wollen mehr.

Von Ema Klahn

Als ein ehemaliger Schüler im Februar an einer Highschool in Florida 17 Menschen erschoss, löste er damit Trauer und Entsetzen, aber auch eine gewaltige Wut aus. Wut darüber, dass der Amokläufer überhaupt an eine Waffe gelangen konnte. Allen voran die Überlebenden begannen deshalb zu protestieren. Doch nach der Großdemonstration „March For Our Lives“ verschwand das Thema weitestgehend aus den Nachrichten.

Viele Amerikaner verteidigen mit großer Beharrlichkeit ihr Recht auf Waffenbesitz – ähnlich wie viele Deutsche sich gegen ein generelles Tempolimit auf der Autobahn sträuben. Gefährlich und irrational, sagen Experten in beiden Fällen, doch sie scheitern an einer starken Lobby. In den USA ist das die National Rifle Association (NRA), wörtlich übersetzt die „nationale Gewehr-Vereinigung“. Wegen ihrer Einflussnahme auf die Entscheidungen vieler Politiker ist an strengere Gesetze kaum zu denken.

Doch genau das haben die Jugendlichen erreicht: eine Gesetzesänderung. Wer in Florida eine Waffe kaufen will, muss jetzt mindestens 21 Jahre alt sein – und bis zur Aushändigung drei Tage warten. Letzteres soll Affekthandlungen vorbeugen. Allerdings dürfen jetzt auch Lehrer Waffen an Schulen tragen, wenn sie ein entsprechendes Programm durchlaufen.

Die Schüler gehen in diesem Sommer auf große US-Tour

Den Schülern aus Parkland ist das nicht genug. Diesen Sommer sind sie auf einer großen Bustour durch die USA, um mehr Menschen von ihren Ansichten zu überzeugen und dazu zu bringen, künftig gleichgesinnte Politiker zu wählen. Es ist eine Art Wahlkampf gegen Waffen, das Motto lautet: „Not. One. More.“ – kein weiteres Opfer durch Waffengewalt.

Auf Instagram teilen die Aktivisten ihre Stationen und die Menschen hinter der Bewegung.

https://www.instagram.com/p/BkO3LWXnagp/?taken-by=marchforourlives

Sie wollen erreichen, dass jeder zukünftige Waffenbesitzer einem Hintergrundcheck unterzogen wird: Hat er oder sie eine Vorstrafe? Ist er oder sie wegen Stalking verurteilt? Der Amokläufer von Parkland war durch diverse psychische Probleme aufgefallen und hätte so möglicherweise keine Waffe erwerben dürfen – jedenfalls nicht legal. Die Schüler wollen deshalb auch den illegalen Waffenhandel eindämmen, dafür sorgen, dass alle Waffenverkäufe genau aufgezeichnet werden und strenge Bestandskontrollen eingeführt werden.

Wer eine Waffe kaufen darf, soll sie zumindest sicher aufbewahren müssen. In den USA haben nämlich schon Kinder versehentlich andere Menschen erschossen. Außerdem sollen Magazine, in die mehr als zehn Patronen passen, verboten werden, weil diese laut den Schülern nur dem Zweck dienen, so viele Kugeln wie möglich in der kürzesten Zeit abzufeuern, und deshalb bei Amokläufern beliebt sind. Aus demselben Grund setzen sich die Schüler für ein Verbot von halb automatischen Waffen ein.

Die Bewegung hat bekannte Sympathisanten: Stars wie Miley Cyrus, Selena Gomez, George und Amal Clooney, Demi Lovato, Kim Kardashian und Kanye West sowie die Obamas unterstützten neben den Hunderttausenden Demonstranten den „March For Our Lives“ in Washington, D. C. Am Tag darauf sprach sogar der Papst in einer Predigt in Rom über die Veranstaltung.

In Kürze können die Schüler von Parkland noch mehr Einfluss auf die Politik nehmen. Viele von ihnen sind bald volljährig und dürfen damit wählen. Es scheint, dass sie sich gut darauf vorbereiten.

Titelbild: picture alliance / abaca

Anti-Waffen-Demos in den USA – Die Jugendredaktion kommentiert

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