Flightradar24 trackt am 30. Juni 200.000 Flüge. Ein fragwürdiger Rekord, findet Lukas und erklärt warum.

Von Lukas Wohner

Wenn etwas 25.000 Likes im Netz bekommt, dann muss was Tolles passiert sein. Vergangene Woche war das anders: Da hat die Website Flightradar gemeldet, dass sie zum ersten Mal mehr als 200.000 Flüge getrackt hat – an einem einzigen Tag. Das mag Flugzeug-Enthusiasten verzückt haben, kann aber für niemanden mit gesundem Menschenverstand ein Grund zur Freude sein. Denn Fliegen erzeugt Leid.

Jeder weiß es, aber es ist offensichtlich trotzdem noch nicht oft genug gesagt worden: Es gibt keine Art zu reisen, die mehr Energie verschlingt und unserem Klima mehr schadet, als mit dem Flugzeug. Wer einmal von Berlin nach Mallorca fliegt und zurück, macht damit fast so viel kaputt wie ein deutscher Autofahrer in einem ganzen Jahr. Anders ausgedrückt: Wer fliegt, ruiniert sich die eigene Klimabilanz.

Wer fliegt, ruiniert sich die eigene Klimabilanz.
Lukas Wohner

Wenn wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz, dürfte jeder Mensch rund 2300 Kilogramm CO2 pro Jahr verursachen. Der Durchschnittsdeutsche kommt aktuell auf einen rund viermal so hohen Ausstoß, die beschriebene Flugreise würde allein für knapp 950 Kilogramm CO2 sorgen. Da hilft es dann auch nicht mehr, sich vegan zu ernähren und nur noch das Rad und die Öffis zu nutzen – der klimaverträgliche „Zielwert“ ist für Vielflieger praktisch unerreichbar.

Eine Traueranzeige wäre angebrachter gewesen

Und es geht ja auch längst nicht nur um CO2. Fliegen verursacht auch andere Schadstoffe wie Stickoxide und Rußpartikel, die wir der Atmosphäre lieber ersparen sollten. Ach was, die wir uns und unseren Mitmenschen ersparen sollten! Denn eins sollten wir uns vor Augen halten: Es „stirbt“ ja nicht der Planet und es geht auch nicht um irgendwelche Schäden, die in hundert Jahren sichtbar werden. Der Klimawandel wirkt sich auf menschliches Leben aus, im Hier und Jetzt.

Plötzlich gibt es Wärme liebende Tigermücken in Süddeutschland, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Trockenheit einerseits und Starkregen andererseits vernichten unsere Ernten. Bei Hochwasser sterben Menschen. Blicken wir über unsere Grenzen hinaus, ist das Bild vielerorts noch viel schlimmer. Länder versteppen, Inseln gehen unter, Menschen müssen ihre Heimat verlassen – auch das hat mit dem Klimawandel und damit indirekt mit unseren Flugreisen zu tun.

200.000 Flüge an einem Tag – die technische Leistung von Flightradar in allen Ehren und ja, das wie ein Insektenschwarm wimmelnde Beweis-GIF ist wirklich faszinierend – jedoch: Eine Traueranzeige wäre angebrachter gewesen.

Titelbild: Freundlich zur Verfügung gestellt von Flightradar24.com