Die Achtelfinals sind vorbei und heute startet die Runde der letzten Acht. Meine Vorfreude auf die Weltmeisterschaft war riesig, vor allem auf die letzten Runden, doch bisher wurden meine Erwartungen noch gar nicht erfüllt.

Vom Moritz von Blittersdorff

Die WM enttäuschte mich allerdings nicht nur aus deutscher Sicht – klar war ich sehr traurig, nachdem Deutschland bereits in der Gruppenphase ausgeschieden war. Trotzdem habe ich mich auf die vielen spannenden Spiele gefreut, die bisher aber Mangelware waren. Doch warum sind die Spiele so langweilig?

1. Viele Underdogs mit Mauertaktik

Viele Spiele der Vorrunde und sogar des Achtelfinals hatten den gleichen Verlauf. Es gibt eine eigentlich überlegene Mannschaft mit besseren Spielern gegen eine schlechtere Mannschaft, die versucht, alles für ein gutes Ergebnis zu tun. Und wie macht man das? Indem alle verteidigen und einer vorne steht, der auf ein glückliches Tor hofft. Das beste Beispiel war Spanien gegen Iran (1:0). Die Iraner standen zu zehnt im oder vorm eigenen Strafraum und die einzige Devise lautete zu verteidigen. Natürlich müssen Teams wie Spanien einen Weg durch so einen Abwehrbolzen finden, doch dass das nicht immer klappt, ist verständlich. Und in manchen Spielen passiert sogar das Undenkbare: Die unterlegene Mannschaft erzielt noch kurz vor Schluss ein Tor und gewinnt die Partie.

2. Die vielen ausgeschiedenen Favoriten

Portugal, Spanien, Argentinien und Deutschland: Alle schon nach dem Achtelfinale raus beziehungsweise schon davor. Wer hätte das gedacht? Argentinien und Portugal stießen auf schwere Gegner im Achtelfinale, doch ihre Leistungen zuvor waren auch nicht immer gut. Deutschland schied bereits in der Gruppe aus und Spanien kam gegen Russland nicht an, musste sich im Elfmeterschießen geschlagen geben. Und dadurch setzen sich natürlich Underdogs wie Russland und Schweden durch und das schadet der Qualität des Turniers. Ich habe nichts gegen Überraschungen, ganz im Gegenteil! Ich habe mich für Island bei der EM gefreut, oder auch Costa Rica, die bei der letzten WM bis ins Viertelfinale kamen. Doch eine WM ist dazu da, die besten Teams gegeneinander spielen zu sehen. Denn wer hätte nicht gerne eine Neuauflage Deutschland gegen Brasilien gehabt? Insgesamt fehlen die Klassiker wie Deutschland – Spanien, Frankreich – Italien, Argentinien – Brasilien… Diese Spiele, bei denen man keine Ahnung hat, wie es ausgeht, und einfach ein richtig gutes Fußballspiel genießt.

Und was kann man dagegen tun?

Auf jeden Fall nicht mehr Teams bei einer WM, das würde der Qualität noch mehr schaden. Eventuell denkbar wäre ein neues Qualifikationssystem, denn wenn Länder wie Italien, Niederlande oder Chile nicht mal an der WM teilnehmen, ist meiner Meinung nach bereits im Vorfeld etwas falschgelaufen.

Ich bin bei manchen Achtelfinalspielen sogar zur Halbzeit eingeschlafen. Manchmal habe ich sogar freiwillig den Fernseher ausgemacht, weil das Spiel einfach zu langweilig war. Wenn mir das einer vor der WM gesagt hätte, hätte ich wahrscheinlich laut gelacht. Doch mal sehen, wie die Viertelfinals werden, vor allem auf Frankreich – Uruguay und Brasilien – Belgien kann man sich (trotz allem noch) freuen.

Foto: dpa / Mika Volkmann