Meinung

Emotional und bewegend: „Wolke unterm Dach“

Mann mit Kind an der Hand vor einem Flugzeug
Filmszene: Lilly darf einen Tag lang entscheiden, was Paul und sie unternehmen.

Ein Film über Trauer, die zugelassen werden darf und darüber, dass es irgendwann bergauf geht. Seit dem 28. April in den Kinos.

Lara Eckstein, funky-Jugendreporterin

Als Pauls Frau Julia stirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Neben der Trauer müssen er und seine Tochter Lilly (Romy Schröder) zusätzlich alltägliche Situationen und Probleme bewältigen. Paul (Frederik Lau) möchte für Lilly Vater und Mutter zugleich sein und ihr die Rückkehr in einen „normalen“ Alltag ermöglichen. Dabei überschätzt er allerdings seine eigenen Kapazitäten, verweigert jegliche Hilfe und bricht letztendlich zusammen.

Auch Lilly leidet unter der Situation. Sie ist gerade mal acht Jahre alt und flüchtet sich regelmäßig auf den Dachboden, wo sie das Zwiegespräch mit ihrer Mutter sucht, die ihr jeden Abend erscheint. Die Erwachsenen sorgen sich daher sehr um ihre mentale Gesundheit.

Die Kinobesucher*innen begleiten Paul auf einer Reise von Erkenntnissen: Durch einen Streit vor Julias Tod kann er nicht loslassen. Er versteht, dass er nicht für seine Tochter da sein kann, wenn er nicht auch mal Schwäche zeigt, unterschätzt aber auch Lilly, ist nicht ehrlich mit ihr und hält sie aus Entscheidungen raus. Der Film erreicht seinen Höhepunkt, als Paul mit Lilly auf den Dachboden steigt und unter ihrer Anweisung mit Julia spricht – eine wichtige Szene für ihn und Lilly. Die Moral der Geschichte: Auch Erwachsene können etwas von Kindern lernen, es ist nicht immer andersherum.

Der Film verdeutlicht die Komplexität der Folgen, die ein solch schwerer Verlust mit sich bringt. Er zeigt, dass auch das Verhältnis zwischen Vater und Tochter zunächst nicht mehr dasselbe ist und dass beide individuell mit dem Verlust umgehen. Problematisch ist, dass nicht deutlich wird, dass ein Kind nach dem Verlust der Mutter sofort psychologische Hilfe benötigt, da die Familie diese Rolle nicht übernehmen kann und sollte. Zudem

Während zu Beginn Tränen der Trauer flossen, wischt sich das Publikum am Ende des Films verstohlen Glückstränchen aus dem Augenwinkel. Es entsteht ein wunderbares Bild: Alle lachen und halten sich in den Armen und die Beschwernisse zwischen den Charakteren scheinen wie verschwunden. Das Ende ist so, wie man es von einem „Film fürs Herz“ erwartet – allerdings wird die Handlung genau dadurch etwas unrealistisch. Im echten Leben lösen sich Probleme oftmals nicht mit einem Schlag auf. Manchmal braucht es länger und das ist auch okay.

Insgesamt ist der Film aber wunderschön und emotional. Frederick Lau spielt Paul bemerkenswert gut und ermöglicht den Einblick in die Überforderung eines Vaters, der seine Tochter über alles liebt, alles richtig machen möchte und erkennt, dass er auch mal Hilfe annehmen darf. Romy Schröder als Lilly überrascht immer wieder mit unglaublich starken emotionalen Szenen.

Unsere Meinung: Der Film ist perfekt für alle, die emotionale Achterbahnen mögen, aber dennoch ein Happy End brauchen.

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