Es gibt nichts entspannteres, als Olympia gemütlich vor dem Fernseher zu schauen. Klappt das auch mit den Winterspielen in China?
Oskar Schulz, funky-Jugendreporter
Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, zusammen mit meinem Opa sportliche Großveranstaltungen gemütlich vor dem Fernseher zu kommentieren. Ich denke an die Fußball-WM in Brasilien, die Olympischen Spiele in London oder die Leichtathletik-WM in Berlin. Und dann denke ich an meinen Großvater vor seinem Budweiser und an mich vor meinem O-Saft, die Hand in der Nussschale. Viel Nostalgie also. Es ging dabei nie nur um den reinen Wettkampf, sondern auch um das Gefühl, einen ganzen Sonntag lang faulenzend anderen dabei zuzusehen, wie sie Sportgeschichte schreiben. Klappt das auch mit den Olympischen Winterspielen in China?
Olympische Spiele sind immer politisch
Je älter man wird, desto bewusster werden einem die politischen Dimensionen dieser Events. Staaten haben schon immer sportliche Wettkämpfe genutzt, um das politische System ihres Landes zu vermarkten. Das war 1936 in Nazi-Deutschland so, hat sich im Kalten Krieg fortgesetzt und jetzt ist eben China mit seiner Propagandashow an der Reihe: Ein Land, das die Menschenrechte zunehmend mit Füßen tritt. Seit Jahren wird die muslimische Minderheit der Uiguren totalüberwacht, zur „Umerziehung“ in Lagern festgehalten und gefoltert. 2019 und 2020 ging die Regierung gewaltsam gegen die Demokratiebewegung in Hong Kong vor. Und nach außen bedroht Chinas Kriegsrhetorik den Frieden mit Taiwan. Kritische Berichterstattung ist unerwünscht. Kann ich es mir da wirklich noch auf dem Sofa mit einer Schale Nüsschen gemütlich machen?
Die Vergabe der Olympischen Spiele oder der Fußball-WM durch Verbände wie die Fifa oder den IOC kann man nicht anders als korrupt bezeichnen: 2018 die WM in Russland, 2022 die Winterspiele in Peking und 2022 die WM in Katar. Alles autoritäre Regime, die nicht viel übrig haben für Pressefreiheit und Menschenrechte. Über die sklavenähnlichen Arbeitsverhältnisse im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar etwa wurde bereits vielfach berichtet. Auch für die Spiele in China wurden Menschen umgesiedelt, nur damit man in Rekordzeit die längste Skisprungschanze der Welt aus dem Boden gestampft werden konnte. Toll.
Keine Pressefreiheit, keine Fans – Kein Austausch
Dass die Veranstaltung der Winterspiele in einer Region, in der zuvor überhaupt keine Infrastruktur für den Wintersport existierte, auch massiv auf Kosten der Umwelt geht, ist angesichts der Menschenrechtsverletzungen fast zweitrangig. Wir müssen anfangen, eine rote Linie zu ziehen. Auch bei uns. Menschrechtlich und klimapolitisch. Denn sportliche Wettkämpfe fördern in unserer Zeit oft das Gegenteil von Völkerverständigung und Liberalisierung. Journalist:innen berichten aus abgeschotteten Pressezentren, ausländische Zuschauer sind erst gar nicht vorgesehen. So kann niemand etwas über die chinesische Lebensrealität lernen. Verschiedene Staaten, darunter die USA, Kanada, Großbritannien und Japan haben die Spiele bereits boykottiert. Auch Russland hat sich durch die WM nicht weiter geöffnet. Putin hat das Rampenlicht kurz genossen und danach unbekümmert die Opposition weiter unterdrückt. Ob es im Rahmen von sportlichen Events zum Austausch kommt, hängt immer vom politischen Willen der Machthaber ab.
Die Unbeschwertheit ist weg
Natürlich ist die Leistung der Athleten beeindruckend. Viele arbeiten ihr ganzes Leben auf diese Spiele hin. Wenn sie sich den Hang auf Skiern, Snowboards oder Bobs runterstürzen, will man einfach zusehen. So wie mein Opa und ich. Schade ist jedoch, dass es für viele Sportler:innen finanzieller Selbstmord wäre, öffentliche Kritik zu äußeren, da sie von diesem System abhängig sind. Helfen könnte eine bessere Absicherung von Leistungssportler:innen in Deutschland, sodass sie selbst entscheiden können, bei welcher Werbeveranstaltung sie mitmachen wollen und bei welcher lieber nicht.
Was bedeutet das alles für meinen Opa und mich auf der Couch? Vielleicht sind die Zeiten einfach vorbei, in denen wir unbeschwert zusehen können. Vor mir steht mittlerweile auch ein Budweiser und vielleicht zappen wir uns lieber durch Naturdokus. Da gibt’s immerhin mehr natürlichen Schnee zu sehen.
Es gibt nichts entspannteres, als Olympia gemütlich vor dem Fernseher zu schauen. Klappt das auch mit den Winterspielen in China?
Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, zusammen mit meinem Opa sportliche Großveranstaltungen gemütlich vor dem Fernseher zu kommentieren. Ich denke an die Fußball-WM in Brasilien, die Olympischen Spiele in London oder die Leichtathletik-WM in Berlin. Und dann denke ich an meinen Großvater vor seinem Budweiser und an mich vor meinem O-Saft, die Hand in der Nussschale. Viel Nostalgie also. Es ging dabei nie nur um den reinen Wettkampf, sondern auch um das Gefühl, einen ganzen Sonntag lang faulenzend anderen dabei zuzusehen, wie sie Sportgeschichte schreiben. Klappt das auch mit den Olympischen Winterspielen in China?
Olympische Spiele sind immer politisch
Je älter man wird, desto bewusster werden einem die politischen Dimensionen dieser Events. Staaten haben schon immer sportliche Wettkämpfe genutzt, um das politische System ihres Landes zu vermarkten. Das war 1936 in Nazi-Deutschland so, hat sich im Kalten Krieg fortgesetzt und jetzt ist eben China mit seiner Propagandashow an der Reihe: Ein Land, das die Menschenrechte zunehmend mit Füßen tritt. Seit Jahren wird die muslimische Minderheit der Uiguren totalüberwacht, zur „Umerziehung“ in Lagern festgehalten und gefoltert. 2019 und 2020 ging die Regierung gewaltsam gegen die Demokratiebewegung in Hong Kong vor. Und nach außen bedroht Chinas Kriegsrhetorik den Frieden mit Taiwan. Kritische Berichterstattung ist unerwünscht. Kann ich es mir da wirklich noch auf dem Sofa mit einer Schale Nüsschen gemütlich machen?
Die Vergabe der Olympischen Spiele oder der Fußball-WM durch Verbände wie die Fifa oder den IOC kann man nicht anders als korrupt bezeichnen: 2018 die WM in Russland, 2022 die Winterspiele in Peking und 2022 die WM in Katar. Alles autoritäre Regime, die nicht viel übrig haben für Pressefreiheit und Menschenrechte. Über die sklavenähnlichen Arbeitsverhältnisse im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar etwa wurde bereits vielfach berichtet. Auch für die Spiele in China wurden Menschen umgesiedelt, nur damit man in Rekordzeit die längste Skisprungschanze der Welt aus dem Boden gestampft werden konnte. Toll.
Keine Pressefreiheit, keine Fans – Kein Austausch
Dass die Veranstaltung der Winterspiele in einer Region, in der zuvor überhaupt keine Infrastruktur für den Wintersport existierte, auch massiv auf Kosten der Umwelt geht, ist angesichts der Menschenrechtsverletzungen fast zweitrangig. Wir müssen anfangen, eine rote Linie zu ziehen. Auch bei uns. Menschrechtlich und klimapolitisch. Denn sportliche Wettkämpfe fördern in unserer Zeit oft das Gegenteil von Völkerverständigung und Liberalisierung. Journalist:innen berichten aus abgeschotteten Pressezentren, ausländische Zuschauer sind erst gar nicht vorgesehen. So kann niemand etwas über die chinesische Lebensrealität lernen. Verschiedene Staaten, darunter die USA, Kanada, Großbritannien und Japan haben die Spiele bereits boykottiert. Auch Russland hat sich durch die WM nicht weiter geöffnet. Putin hat das Rampenlicht kurz genossen und danach unbekümmert die Opposition weiter unterdrückt. Ob es im Rahmen von sportlichen Events zum Austausch kommt, hängt immer vom politischen Willen der Machthaber ab.
Die Unbeschwertheit ist weg
Natürlich ist die Leistung der Athleten beeindruckend. Viele arbeiten ihr ganzes Leben auf diese Spiele hin. Wenn sie sich den Hang auf Skiern, Snowboards oder Bobs runterstürzen, will man einfach zusehen. So wie mein Opa und ich. Schade ist jedoch, dass es für viele Sportler:innen finanzieller Selbstmord wäre, öffentliche Kritik zu äußeren, da sie von diesem System abhängig sind. Helfen könnte eine bessere Absicherung von Leistungssportler:innen in Deutschland, sodass sie selbst entscheiden können, bei welcher Werbeveranstaltung sie mitmachen wollen und bei welcher lieber nicht.
Was bedeutet das alles für meinen Opa und mich auf der Couch? Vielleicht sind die Zeiten einfach vorbei, in denen wir unbeschwert zusehen können. Vor mir steht mittlerweile auch ein Budweiser und vielleicht zappen wir uns lieber durch Naturdokus. Da gibt’s immerhin mehr natürlichen Schnee zu sehen.
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